Fuffies im Club

Der Braunschweiger DJ Crazy Cutz im Interview über die Entwicklung von Hip-Hop und Rap.

Legt auf in Frankfurt am Main, Berlin, Gießen, Göttingen - und nun auch wieder in seiner Heimat, Braunschweig. DJ Crazy Cutz. Foto: Florian Koch / oh.

Hip-Hop hier, Rap da: Black Music ist omnipräsent in den Clubs der Stadt – selbst in denen, die sich üblicherweise auf den musikalischen Mainstream oder gar ganz andere Genres konzentrieren. Woran liegt das?

Ein Gespräch mit Murat Engin alias DJ Crazy Cutz. Der Braunschweiger legte schon in nahezu jeder Disco der Löwenstadt auf: Jolly Joker, Velvet, 42 Grad Fieber, Café Tasse, Vibe, Unique, Toxic – die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Wenngleich er sich in seiner Heimat mittlerweile eher selten an den Plattentellern zu Gast ist – zumeist tourt er durch die Clubs des Landes – wirft er nach wie vor einen Blick auf das Braunschweiger Programm. Am Samstag den 27. Februar lässt er außerdem mal wieder die Beats in der Pantone heiß laufen: „Code of the Streets“ steht auf dem Plan.

Du legst nur selten in Braunschweig, deiner Heimat, auf. Warum?
Ich habe mit der Frage gerechnet – jedoch nicht als erstes (lacht). Ich denke hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Ich durfte früher schon in fast jedem Club spielen, den das Braunschweiger Nachtleben zu bieten hatte. Jolly Joker, Velvet, 42° Fieber, Café Tasse, Vibe, Unique, Toxic – für viele sind einige Namen vermutlich kein Begriff mehr.
Es gab sicher auch Generationen vor unserer. Für mich persönlich war das meine goldene Ära in Braunschweig. Diese Zeit will ich nicht missen – aber ich bin gerne unterwegs. Das gibt mir das Gefühl unabhängig zu sein und es steht für mich auch ein Stückweit für Erfolg. Man lernt viele Menschen kennen aus denen sich im Laufe der vergangenen Jahre auch großartige Freundschaften entwickelt haben.

Du bist schon seit diversen Jahren in der Black Music Szene aktiv. Wie hat sich die hiesige Szene deiner Meinung nach entwickelt?
Ich denke Braunschweig hat bis jetzt eine großartige Entwicklung hingelegt. Schon damals war Braunschweig eine Hochburg in der RnB- und Hip-Hop-Szene. Wir hatten hier dank unterschiedlichster Veranstalter das Glück viele US Rapper und Sänger zu sehen. Method Man & Redman, Busta Rhymes, DMX aber auch Acts wie Million Stylez, Serani und viele mehr.
Das sind große Namen bei denen im Tourplan eher Metropolen wie Hamburg, Frankfurt, Köln oder Berlin zu lesen sind. Braunschweig braucht sich da sicher nicht verstecken. Den Wandel der vergangenen Jahre habe ich natürlich nur sehr sporadisch wahrgenommen. Aber: Es passiert immer noch einiges. Das kann ich als Braunschweiger-Jung natürlich nur begrüßen.

Es gibt, zumindest gefühlt, immer mehr Partyreihen, die sich der Golden Era widmen. Was denkst du, warum das so ist?
Viele aus den Generationen vor der Heutigen sind am Wochenende seltener unterwegs. Dazu würde ich mich fast dazu zählen, natürlich nur altersbedingt (lacht). Die Musik hat sich in den vergangenen Jahren sehr stark gewandelt – und das gilt sicherlich für viele Musikrichtungen. Eine Menge Gäste von früher können mit diesem Wandel allerdings nichts anfangen. Sie hören gerne noch ihre Musik von damals, nur ist diese in den heutigen Clubs selten bis gar nicht mehr vertreten.
Ich denke die Clubbetreiber und Veranstalter möchten diesen Gästen wieder eine Plattform für ein nettes, passendes Miteinander bieten. Teilweise erfolgreich, teilweise eher weniger.

Wenn du den „guten alten“ Hip-Hop mit heute angesagten Künstlern vergleichst – verliert die Musik an Anspruch?
Ich stehe glaube ich nicht alleine mit meiner Meinung dar, aber: Ja, sie tut es. Ungemein dolle. Musik ist heutzutage sehr schnelllebig geworden. Gefühlt ist es so: Im Mai veröffentlicht ist im Juli schon wieder out. Das spiegelt sich meiner Meinung nach auch in der Qualität der Musik wider. Das ist genreübergreifend ein allgegenwärtiges Problem. Texte, speziell in aktuellen Hip-Hop-Songs, gleichen einem Rap-Katalog aus 50 Wörtern. Alle haben viel Geld, fahren den teuersten Wagen, beglücken die meisten Frauen. Das Battlen gehört im Hip-Hop zu den Wurzeln, aber manchmal frage ich mich persönlich wer dieses Battle um die Rap-Herrschaft nun endlich mal gewinnen wird. Es wird sich lyrisch eher nach hinten entwickelt.
Musik muss reifen. Einen Song muss man fühlen. Er muss einen ergreifen, Emotionen wecken. Das passiert bei mir heutzutage seltener als früher noch. Ein Song hat kaum Zeit sich zu etablieren. Es ist ein schmaler Grad zwischen „Hit“ und „Next Please“.

In zahlreichen Clubs der Region gibt es Hip-Hop- und Black-Partys. Denkst du, das ist ein Hoch? Oder wird sich die Musik in dem Umfang in den Clubs etablieren?
Mich persönlich erfreut dieser Umstand natürlich. Ich denke Hip-Hop und RnB wird in Zukunft sehr häufig in der allgemeinen Club-Szene vertreten sein.
Ein Grund dafür ist natürlich auch die ständige Präsenz der Hip Hop-Musik in der gesamten Musikwelt. 2015 waren Künstler wie Drake, Kanye West und The Weeknd die am meisten gestreamten Artists bei Spotify. Aber auch das ganze Genre Hip-Hop ist das meist gestreamte bei Spotify. Das zeigt natürlich den momentanen Stellenwert der gesamten Szene.
Es gibt aber immer wieder einen Wechsel. Den habe ich in den vergangenen 12 Jahren meiner Karriere schon häufiger mitgemacht. Aber man kann durchaus behaupten, dass Hip-Hop noch nie so präsent war wie momentan. Und das natürlich auch in unserer Region. Beispielsweise hat es die legendäre „Hip Hop Honey“-Party wieder zurück in den Tao Club in Wolfsburg geschafft. Oder die „Blockparty“ alias „Code of the Streets“ in der Pantone. Das sind meiner Meinung nach große Bereicherungen für unsere Region.

Was hörst du am liebsten?
Ich persönlich habe natürlich immer noch eine große Vorliebe für Hip-Hop. Aber auch Oldschool Rap, und RnB laufen bei mir im Auto. Ich bin da sehr aufgeschlossen. Speziell in den vergangenen Jahren haben sich einige spannende neue Musikstile entwickelt. Dubstep, Moombathon, Twerk, Twerhall und vieles mehr. Ich höre mich sehr gerne in alles Neue rein. Speziell Trap hat mich von Beginn an sehr in den Bann gezogen. Satte Sounds, ordentlich Druck. Turnup eben.
Es ist fast wie als wenn jemand meine Gebete erhört hätte und meine musikalische Welt mit Trap erheitern wollte. Wie vorhin schon erwähnt, sind diese neuen Sounds nicht Jedermanns Sache – ich sehe in ihnen aber eine große Bereicherung für die gesamte Musikwelt.

Legst du künftig wieder regelmäßig in Braunschweig auf?
Das bleibt vorerst wohl noch mein persönliches Geheimnis.

Beginn der „Code of the Streets“-Party am Sonnabend ist um 22 Uhr, der Eintritt beträgt fünf Euro. An den Plattentellern stehen: DJ Fourteen, Kid Kapone, DJ Marveles und DJ Crazy Cutz – zu hören gibt es eine Mischung aus Rap, Hip-Hop, Funk und Soul.

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