Die Schoduvel-Motivwagen: Ein Blick hinter die Kulissen – Szene38
3. Februar 2016
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Die Schoduvel-Motivwagen: Ein Blick hinter die Kulissen

szene38 warf einen Blick auf die Themen des Schoduvels 2016.

Jeder Umzugswagen wurde per Hand geschnitzt und bemalt. Ein Ergebnis monatelanger Arbeit. Fotos (3): Kira Leinberger.

Sie sind bunt, sie sind groß und die meisten sind ausgefallen und glitzernd: Die Rede ist von den Faschingsumzugswagen. Am Sonntag den 7. Februar ist es wieder soweit – 140 Motivwagen machen sich anlässlich des Schoduvels auf den Weg durch die Braunschweiger Innenstadt.

Doch wie kommt es eigentlich dazu, dass die Wagen aussehen, wie sie es tun? Gerhard Baller, Zugmarschall des Schoduvel Braunschweig, stellt wie in jedem Jahr sowohl die alten, als auch neuen Kreationen den Partnern und Sponsoren vor. Wir durften dabei sein und einen Blick hinter die Kulissen werfen.

In kurzen Abständen ziehen die Umzugswagen an den Besuchern vorbei. Was vielen am Straßenrand nicht auffallen wird: Die meisten der Motivwagen sind nicht mehr gänzlich neu. Vieles bleibt beim Alten, wird dafür jedes Jahr umdekoriert und aufgefrischt. Was dabei nicht selbstverständlich ist: Die Figuren und Kreationen sehen aus, als seien sie einen Tag vor der Präsentation hergestellt worden – und das, obwohl sie tatsächlich bereits seit dem Sommer des Vorjahres in großen Hallen oder gar im Freien stehen. Die Qualität des Baumaterials ist hier das ausschlaggebende. Anders als beim Kölner Umzug wird Styropor anstatt Pappmaschee verwendet. Das halt länger und kommt dem bildhauerischen Arbeitsprozess entgegen. So können die Künstler wahre Meisterwerke schaffen, die den Braunschweiger Umzug zu dem machen, was er heute ist: Der größte und schönste Faschingsumzug in Norddeutschland.

Aber nun zum Prozess: Es ist ein weiter Weg von einer Zeichnung auf einem Blatt, über die Bestellung der notwendigen Materialien bis hin zur letztlichen Umsetzung und der Zurschaustellung beim Umzug. Am Anfang steht wie bei jedem Prozess die Ideensammlung. Es wird gezeichnet und geplant, bis Partner und Künstler zufrieden sind. Nachdem das nötige Material bestellt ist kann es losgehen. Zunächst wird spartanisch vorangegangen: Das Styropor kann behandelt werden wie ein Holzblock oder Stein. So werden zunächst mit einer Kettensäge die groben Formen geschnitten. Im Anschluss schleifen die Künstler die Feinstrukturen mit einem scharfen Messer oder einer Bürste, bis die fertige Figur herausgearbeitet ist. Selbst nach Jahren der Benutzung können Teile der Figuren wiederverwendet oder recyclet werden. Das ist nicht nur für die Gestaltungsqualität von Vorteil, sondern auch wirtschaftlich gesehen äußerst praktisch. Wenn die Figuren geschnitten, bemalt und am Wagen fest angebracht sind, ist das Werk vollbracht.

Der Styroporkopf des „Morgenland - Abendland“-Motivwagens nimmt langsam gestallt an.
Der Styroporkopf des „Morgenland – Abendland“-Motivwagens nimmt langsam Gestalt an.

Nachdem im vergangenen Jahr der Braunschweiger Faschingsumzug kurzfristig abgesagt wurde, ist allen Narren und Närrinnen daran gelegen, dass in 2016 erst recht intensiv gefeiert wird: Die Karnevalsgemeinschaft lässt sich nicht unterkriegen. Als Reaktion auf die Absage wurde in 2015 sofort getüftelt und Pläne geschmiedet: Die Motivwagen sind so groß, umwerfend und gestalterisch ausgefallen wie eh und je.

Passen zum Motto „Jetzt erst Recht!“ wurde unter anderem mit dem Sprecher der muslimischen Gemeinde ein Motivwagen entworfen, der gelungene Integration in Braunschweig zeigen soll. Mathias Rosenbusch, einer der Braunschweiger Karnevalskünstler, hat sich gemeinsam mit fünf jungen Männern von der Elfenbeinkünste, aus Polen, der Türkei, Vietnam und Deutschland daran gemacht, mit viel Symbolik einen karikaturistischen Wagen zu entwerfen. Repräsentativ für das Morgen- und das Abendland tragen die Fünf die Weltkugel auf ihren Schultern. Auch Metin Aslan vom Tandure-Restaurant in Braunschweig unterstützt den Karnevalsumzug. Er stellt eine Besatzung von muslimischen Freunden und Bekannten unterschiedlichster Glaubensrichtungen. Die Nachricht ist: Schiiten, Sunniten und Aleviten können als Freunde Seite an Seite beim Braunschweiger Karneval stehen. Der Motivwagen dazu wurde gestaltet von Thorsten Koch. Er ist bekannt für seine glitzernden Kreationen, wie ist silberne Eiskönigin, die in Deutschland einzigartig ist. Auch sein neuer Motivwagen wird in voller Pracht funkeln: 10 Kilogramm Glitzer benötigt er für den Wagen.

Die karikaturistischen Köpfe der fünf Jungs: Hier Polen, Türkei und Vietnam.
Die karikaturistischen Köpfe der fünf Jungs: Hier Polen, Türkei und Vietnam.

Neben den beiden neuen Kreationen sind auch weiterhin die Klassiker wie der Deutsche Michel und der Braunschweiger Löwe vertreten. Der Letztere wurde von den Freibeutern vor einigen Jahren übernommen und wird jährlich neu dekoriert. In diesem Jahr ist er unter dem Vorbild des mexikanischem Totenfestes mit Blumen bedeckt und die 50-köpfige Besatzung wird auffällig geschminkt nebenherlaufen.

Zum 38. Mal wird nun Karneval in Braunschweig gefeiert. Doch die Geschichte hinter der Entstehung ist nur wenigen bekannt. Jahr für Jahr schaffen die drei Künstler Figuren und Wagen, die die Schoduvel-Besuchern mit leuchtenden Augen nach Hause gehen lassen. Ihr Wissen soll daher demnächst in angebotenen Kursen an die jüngere Generationen weitergeben werden, damit der Schoduvel auch zukünftig ein Erlebnis in den Köpfen der Besucher bleibt. Denn Tatsache ist: Immer mehr der zu erwartenden 250.000 Faschingslustigen haben Freude daran verkleidet zu kommen und am Geschehen Teil zu haben. Darauf ein kräftiges „Brunswick Helau!“.

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