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Der coolste Lehrer ist zurück: Fack Ju Göhte 2 läuft in den Kinos

Ein zweites Mal bringen Chantal und Co. Chaos in die Kinos und legen bei "Fack Ju Göhte 2" noch einen drauf. Foto: Veranstalter / oh.

Nachdem Fack Ju Göthe über sieben Millionen Zuschauer in die Kinos lockte, musste unweigerlich eine Fortsetzung folgen. Die Erwartungen waren hoch, der Druck groß. Sie muss natürlich von allem noch etwas mehr bieten, sprich mehr „prollige“ Sprüche, ein aufwendigeres Setting und selbstverständlich auch noch ein paar mehr Bilder von Elyas M‘Bareks möglichst spärlich bekleideten Adonis-Körper. Bora Dagtekin („Türkisch für Anfänger“), der erneut für Drehbuch und Regie verantwortlich ist, reagiert darauf mit einem neuen, exotischen Schauplatz für spektakuläre Schüler- und Lehrerduelle, sowie dem vertrauten Mix aus Situationskomik und Kultsprüchen.

Der coole Ex-Kleinkriminelle und frisch gebackene Lehrer Zeki Müller (Elyas M’Barek) ist mit seinen etwas anderen Lehrmethoden mittlerweile sehr beliebt bei seinen Schülern. Doch sehr schnell ist er von seiner neuen Position genervt. Frühes Aufstehen, das ständige Korrigieren von Klassenarbeiten und Schüler die ihn den ganzen Tage nerven, liegen ihm nicht. Hinzu kommt, dass Direktorin Gerster (Katja Riemann) noch zusätzlich Druck macht, da sie um jeden Preis das Image ihrer Gesamtschule aufbessern will. Zu diesem Zweck möchte sie dem angesehenen Schillergymnasium die thailändische Partnerschule streitig machen. Hinzu kommt, dass das Herr Müller wieder einmal von seiner kriminellen Vergangenheit in Versuchung geführt wird. Ein Ex-Komplize hinterlässt ihm Diamanten aus der gemeinsamen Beute, die über eine Anzahl an unglücklichen Zufällen in Thailand landen. Grund genug für Müller, der Mission seiner Direktorin, der elitären Konkurrenz vom Schillergymnasium die Partnerschule aus Thailand abzujagen, vor Ort ein Gesicht zu geben. Weil seine Freundin und pädagogische Rückversicherung Lisi (Karoline Herfurth) vor der Abreise am Flughafen unter Terrorverdacht festgenommen wird und in der Heimat bleiben muss, ist Müller gezwungen allein mit der Gruppe nach Thailand zu reisen, wo seine chaotischen Schützlinge (u. a. Jella Haase und Max von der Groeben) für ordentlichen Wirbel sorgen. In all dem Trubel spitzt sich der Konkurrenzkampf mit dem Schillergymnasium immer weiter zu, dessen Superlehrer Hauke Wölki (Volker Bruch) Zekis Karriere mit allen Mitteln ein Ende bereiten möchte.

Regisseur und Autor Bora Dagtekin macht sich ungeniert über alles lustig, was eine kleine oder große Pointe hergibt, landet dabei oft verblüffend nah an den traurigen Rändern der Wirklichkeit und bringt uns gerade damit zum Lachen. Wie schon im außerordentlich erfolgreichen (und noch ein wenig lustigeren) Vorgänger, setzt er auch diesmal auf die gleichen Zutaten wie beim ersten Teil: Eine Mischung aus schmerzhaft-komischem Sprachwitz, schrulliger Überzeichnung und wohldosierter politischer Unkorrektheit – und wenn die prolligen Parolen oder die Genital-Gags gelegentlich in Peinlichkeit verpuffen, dann sorgen das flotte Erzähltempo und die sympathischen Hauptdarsteller um Elyas M’Barek dafür, dass der Fehltritt schnell vergessen ist: Die verbale Kommunikation zwischen dem selbsternannten Pädagogen Müller und seinen Proll-Schülern sorgen auch diesmal für die besten Lacher. Eine absolut richtige Entscheidung bei der Fortsetzung der Geschichte war, die Liebesgeschichte zwischen Zeki und Lisi auf ein Minimum zu halten. Dass der Raudi und die Streberin zum Paar wurden, war einer der wenigen Negativpunkte des ersten Teils. So muss Lisi hier zuhause bleiben und muss die Thailand-Bühne Zeki und seinen Schülern, die er liebevoll „Schwachmaten“ nennt, überlassen. Dabei entsteht zwischen ihnen wieder herrlich lustiger Zoff. Darüber hinaus wird über Kinder, die der Tsunami von 2004 zu obdachlosen Waisen machte, ans soziale Gewissen appelliert, womit “Fack Ju Göhte 2″ über Komödie hinaus auch moralische Schulung ist.

Wo es bei Fack Ju Göhte 2 jedoch hakt, ist der Plot. Dieser ist dermaßen überkonstruiert und voller Nebenhandlungen, sodass die zwei Stunden zwar schön gefüllt sind, aber es auch ein paar Hänger gibt. Zudem hat diese Fortsetzung eine größere Portion Wohlfühl-Momente als noch der vorhergehende Teil. Dies passt nicht wirklich ins Gesamtbild, wenn Zeki seine Schüler als „Wichser“ bezeichnet und sich in der nächsten Szene dann alle umarmen. Doch die Fans des ersten Teils werden dadurch keinesfalls enttäuscht. Dafür hat es einfach wieder zu viele gute Sprüche, die in den kommenden Monaten von vielen zum Besten gegeben werden. Dass man über diese kleinen Unebenheiten hinwegsieht, daran hat Elyas M’Barek einen großen Anteil. Sein Zeki Müller ist einfach ein cooles Schlitzohr, dem man alles durchgehen lässt. M’Bareks Charme und die nicht immer sehr intelligenten Bemerkungen von Chantal und Co. lassen Fack Ju Göhte 2 zu einem eigenständigen Film werden.

Auch wenn die Qualität des Erstlings nicht ganz gehalten werden konnte, ist Fack Ju Göhte 2 trotzdem eine gelungene Fortsetzung, bei der man genügend zu lachen bekommt. Elyas M’Barek als Proleten-Lehrer ist nach wie vor großartig und darf sich wieder mit seinen nicht sehr hellen Schülern streiten. Ein würdiger und fast genauso komischer Nachfolger für das Phänomen „Fack Ju Göhte“. In diesem Sinne: Geht ins Kino, ihr Schwachmaten.

Eine Rezension von Janna Specht.

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