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„Dem Alltag entfliehen“: Das deutsche DJ-Duo Blank & Jones im Interview

Absolute Größen in den Bereichen Chill Out, Lounge, Ambient und Light Jazz: Blank & Jones aus Köln. Foto: Björn Kommerell / soundcolours GmbH & Co KG / oh.

Piet Blank und Jaspa Jones veröffentlichen seit Ende der 90er Jahre melodisch-treibende Techno- und Trance-Produktionen sowie entspannte Mix-CDs und Compilation-Reihen aus den Bereichen Chill Out, Lounge, Ambient und Light Jazz wie „Relax“ oder „Milchbar: Seaside Season“ – und entern damit beständig die Charts. Ganz besonders lieben die beiden Plattensammler und Produzenten, DJs und Musiker die 80er Jahre, denen sie mit ihrer liebevoll kompilierten und frisch aufpolierten „so8os“-Sampler-Reihe huldigen. Wir sprachen mit dem Kölner Blank & Jones-Duo u.a. über ihre Doppel-CD „Relax – Edition Nine“, Urlaubs-Hot-Spots, die elektrisierenden 80er und die fortschreitende Transformation der Musikindustrie.

Piet, Jaspa, was ist das Besondere an Eurer neuen Compilation „Relax – Edition Nine“? Was unterscheidet das Album von seinen Vorgängern?
Es gibt natürlich bei der „Relax“-Serie einen roten Faden, einen sogenannten Signature Sound, so dass man unseren Stil sofort wieder erkennt. Dieser Sound ist ganz klar in balerarischen Gefilden angesiedelt. Zum Beispiel ist der Rhodes E-Piano Sound sehr charakteristisch für unseren Sound. Trotzdem hat jede „Relax“-Edition ihren ganz eigenen Stil, wo wir mit neuen Instrumenten und Sängern/innen herum experimentieren. Bei der „Relax Edition Nine“ zum Beispiel mit einer Trompete und der Sängerin Zoe D. Außerdem haben wir viel Analog-Equipment benutzt, um eine ganz besondere Wärme zu kreieren.

Wie wichtig sind die Gast-Sänger wie z.B. diesmal Coralie Clement oder Jason Caesar?
Die Gast-Sänger sind schon sehr wichtig, da sie manchen Track noch mal eine neue, andere Ebene hinzufügen. Das ist nicht bei jedem Song so, aber manchmal haben wir das Gefühl, der Song würde durch Gesang noch etwas gewinnen. Und wie selber können ja nicht singen (lachen).

Was wollt Ihr mit der „Relax“-Reihe beim Hörer auslösen?
Wie der Name schon sagt, wollen wir den Zuhörer auf eine Reise mitnehmen, bei der er relaxen kann. Wobei „Relax“ hier auch für Wohlbefinden stehen kann. Wir bekommen auch viel Feedback von Fans, für die „Relax“ ein Art Therapie ist, dem Alltag zu entfliehen

Was ist der perfekte Ort die „Relax“-Compilation zu hören?
Grundsätzlich überall, um zu entschleunigen. Am besten wirkt sie aber bei gutem Wetter, im Garten, auf der Terrasse oder am Strand.

Wo macht Ihr in diesem Jahr Urlaub?
Unsere Urlaubs-Hot-Spots sind Mallorca, Süd-Frankreich, Griechenland und natürlich Norderney.

Was macht für Euch den perfekten Urlaub aus?
Wir hängen eigentlich die ganze Zeit am Strand ab und laden unsere Batterien so wieder auf.

Wie sieht der besondere Plan für „Relax – Edition Ten“ aus?
Plan? Wir planen eigentlich sehr wenig (lachen). Wir genießen jetzt erst mal die „Relax Nine“ und werden uns dann das Jahr über inspirieren lassen. Im Urlaub haben wir wieder neue Eindrücke gesammelt, und die werden sich bestimmt auch auf der nächsten Compilation wiederfinden.

Ihr geltet auch als Experten für die musikalische Dekade der 80er. Was hatte dieses Jahrzehnt, was die anderen nicht haben?
Die 80er waren ein sehr spannendes Jahrzehnt, wo musikalisch viel experimentiert wurde und eine Reihe von sehr guten Bands und Sänger/innen hervorgebracht wurden.

Da wir in diesem Jahrzehnt unsere Jugend verbringen durften, hat es uns natürlich stark geprägt. Da wir uns damals schon sehr mit Musik beschäftigt haben, gibt es bei uns ein profundes Wissen über die Musik der damaligen Zeit

Ihr habt in der Vergangenheit und auch für Eure „so8os“-Reihe mit vielen Helden Eurer Jugend wie Robert Smith, Anne Clark, Bernard Sumner oder Boy George zusammengearbeitet. Wer von Ihnen hat Euch am meisten beeindruckt?

Mit unseren Helden der 80er zusammenarbeiten zu dürfen, ist natürlich eine ganz besondere Ehre, da wir ja gleichzeitig auch Fans sind (lachen). Grundsätzlich kann man sagen, dass alle Künstler aus dieser Zeit sehr entspannt waren und uns kreativ völlig freie Hand gegeben haben. Aber Robert Smith von The Cure war der coolste von allen, da er einen sehr feinen englischen Humor hat. Wir sind auch heute noch in Kontakt.

Was hat Euch daran gereizt die alten Hits wieder aufzupolieren?
Wir sind ja Fans dieser Musik und wollten ihr einfach mit den heutigen, modernen Mitteln neuen Glanz verleihen, ohne aber den Original-Vibe zu zerstören. Wir glauben, dass das Konzept aufgegangen ist .

Was waren die beeindruckensten Momente bei Eurer Arbeit an der „so8os“-Reihe? War das Ganze wie eine Zeitreise in Eure Jugend und eine Art Schatzsuche, an der Ihr aber eigentlich nicht viel verdient habt?
Eindeutig der größte Moment war die „so8os ZTT“. Die Multiparts von einigen der größten Songs der Musikgeschichte zu bekommen, und diese bearbeiten zu dürfen, war schon etwas Besonderes. Wir waren immer große Fans des Produzenten Trevor Horn, und auch von dem Gesamtkonzept des Labels ZTT, das Bands wie Frankie Goes To Hollywood, Propaganda und Art Of Noise groß gemacht hat. Vieles was damals Innovation war, wurde nachher Standard in der Branche. Computer basierte Musikproduktion und Corporate ID.

Ihr habt schon als Jugendliche Platten gesammelt: Wie groß ist Eure Plattensammlung?
Lange nicht mehr gezählt, aber es geht locker in die Tausende 😉

Kauft Ihr immer noch Platten? Was bedeutet Euch Vinyl? Legt Ihr noch damit auf?
Wir kaufen noch Platten, da wir doch mehr auf Haptik stehen. Es fühlt sich einfach besser an. Auflegen tun wir aber damit nicht mehr.

Was haltet Ihr vom Auflegen mit dem Laptop?
Wir legen mit Laptop auf, da die Möglichkeiten einfach dem auflegen mit Vinyl überlegen sind. Von der Schlepperei der Plattenkisten mal ganz abgesehen vom Rückenleiden (lachen).

Was haltet Ihr von Streaming-Diensten wie Spotify oder Simfy? Warum seid Ihr nicht dabei?
Wir glauben, dass dem Streaming die Zukunft gehört und beobachten aufmerksam die Entwicklung. Allerdings partizipieren die Künstler im Augenblick noch nicht genug von dem Geschäftsmodell, weshalb wir auch noch nicht dabei sind. Musik ist ja immer noch ein hohes Gut, leider wird der Kuchen im Moment nicht gerecht verteilt

Wie hat die fortschreitende Digitalisierung Euren Beruf verändert?
Man kann durchaus von einer Revolution sprechen, auf Musikproduktionsebene, wie auch in der Vermarktung und dem Vertrieb als Label. Auch hier gilt, es gibt immer zwei Seiten der Medaille: Es war noch nie einfacher Musik zu veröffentlichen, aber es ist ungleich schwerer sich Gehör zu verschaffen

Viele DJs sind mittlerweile Superstars, die vor tausenden vor Menschen „auflegen“. Was haltet Ihr von dieser Entwicklung und den Massenspektakeln?
Warum soll es das was es im Pop-Bereich gibt, nicht auch bei den DJs geben ? Das wird ja durch Angebot und Nachfrage bestimmt.

Partys, Frauen, Drogen, Alkohol – sind DJs die neuen Rock’n’Roller?
Da wo jemand auf der Bühne steht, gibt’s auch den Rest (lachen)

Ihr beide wirkt – im Gegensatz zu vielen DJ-Kollegen – wie zwei Betriebswirte, die ihr Business und die Zahlen immer im Griff haben. Wie viel Rock’n’Roll steckt in Blank & Jones?
Ich glaube der Eindruck täuscht ein wenig. Für uns steht immer die Musik an erster Stelle.
Statussymbole waren uns allerdings nie wichtig Und ja, Musiker oder Produzent zu sein reicht heute einfach nicht mehr. Man muss heute auch noch mit Zahlen umgehen können, Grafiker sein und am besten Social-Media-Experte.

Welche aktuellen DJs mögt Ihr?
Da wären auf jedenfall Satin Jackets und Cassara zu nennen, deren Sound wir sehr schätzen und mit denen wir in Zukunft auch noch mehr zusammenarbeiten wollen.

Ihr beide habt Euch in einer Nische eingerichtet statt die Massen zu bedienen. Welche Vor- und Nachteile ergeben sich daraus?
Es hat eigentlich nur Vorteile, da man sehr viel experimentieren und neue Sachen anschieben kann. Wir können einfach das machen, worauf wir Lust haben. Das witzige ist eigentlich die öffentliche Wahrnehmung die daraus resultiert, da wir keine großen Werbekampagnen fahren. Das merkt man ja auch schon an deiner Frage. Wir finden schon das man die Masse bedient, wenn man regelmäßig in den iTunes Top Ten ist (lachen).
Das wir das als kleine Firma mit nur drei Leuten schaffen, im Konzert der großen Majors mitzuspielen, macht uns da natürlich schon stolz.

Ihr habt weltweit aufgelegt: Wo ist es am schönsten?
Wir fühlen uns eigentlich in Deutschland am wohlsten! O.k., das Wetter könnte etwas besser sein. Ansonsten war das Publikum in den USA immer sehr gut zu uns.

New York, Rio, Tokio – wie anstrengend ist heute das Tourneebusiness? Was sind die schönsten, was die schlimmsten Momente dabei?
Ganz klar, die viele Reiserei, deshalb touren wir ja auch nicht mehr so viel, sondern haben uns mehr auf unser Label konzentriert

Man sagt Reisen bildet. Was habt Ihr bei Euren vielen Trips um die Welt gelernt?
Das stimmt. Musik verbindet die Menschen weltweit!

Was sind Eure nächsten Projekte?
Wir arbeiten an diversen Projekten, darunter eine Hubert-Kah-CD-Box und die nächste „Chilltronica“ für den Winter. Aber es kommen auch immer noch spontan neue Sachen dazu.

Weitere Informationen gibt es auf www.blankandjones.info.

von Christian Göttner

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