14. April 2020
Bücher & Rezensionen

Die Kunst des guten Lebens

Denkprozesse durchbrechen und den eigenen Weg zum guten Leben finden? Hört sich interessant an. Eine Buchrezension.

Buchcover "Die Kunst des guten Lebens"

Das Opfer der heutigen Rezension: "Die Kunst des guten Lebens".

Was sind das für Zeiten? 40-Stunden-Woche, Termine, Familie, Freunde und plötzlich: Pause. Es kommt uns vor, als hätte uns jemand aus all dem Alltagsstress herausgerissen und die STOP-Taste gedrückt. Wir, die das Glück haben weitestgehend von den Auswirkungen der aktuellen Krise verschont worden zu sein, besinnen uns auf das Wesentliche. Und was liegt da näher, als ein Buch über das „gute Leben“?

Wie soll ich leben? Was macht ein gutes Leben aus? Welche Rolle spielt das Schicksal? Und welche das Geld? Ist es besser, nach Glück zu suchen oder Unglück zu umschiffen? Auf all diese Fragen suchen wir – insbesondere auch während der aktuellen Situation – Antworten.

Buchcover zu "Die Kunst des guten Lebens"
Der Spiegel-Bestseller von 2017 wartet mit 52 Wegen zum Glück auf.

„Viele suchen den einen Weg zum guten Leben. Aber den gibt es nicht“, heißt es auf dem Klappentext des Spiegel-Bestseller Buches von Rolf Dobelli. Wer sich jetzt schon enttäuscht zurücklehnt und denkt: „War ja klar“, wird überrascht. Denn: „Es gibt viele überraschende Wege zum Glück“, lesen wir weiter. Der in 2017 veröffentlichte Ratgeber „Die Kunst des guten Lebens“ enthält nämlich nicht weniger als 52 Wege zum Glück – und jedem davon hat Dobelli ein extra Kapitel gewidmet: Black-Box-Denken, die Eizellen-Lotterie, die Authentizitätsfalle, Fuck-You-Money, der Neid, das Sekretärinnen-Problem und Innerer Erfolg sind nur acht der insgesamt 52 lehrreichen Buchteile.

Wer bin ich?

Warum es uns so schwer fällt, zu beantworten, wer wir überhaupt sind und wieso wir generell davon absehen sollten, erklärt Dobelli in „Der kleine Sinn des Lebens“. Dabei geht es nämlich um persönliche Ziele und Ambitionen, die sich nicht einfach so beziffern lassen. Auch nicht in einer Biographie und erst recht nicht innerhalb von zwei Sätzen. Eine gute Nachricht also für alle, denen bei der Frage „Was macht Sie besonders?“ schon die Schweißtropfen auf der Stirn stehen. Cool bleiben und einfach mal ein triumphierendes Lächeln für sich sprechen lassen.

Was uns glücklich macht

Wir haben es geahnt: Nur Geld alleine macht nicht glücklich. Zumindest solange man nicht am Existenzminimum lebt. Ab einem gewissen Einkommen ist es, was unsere innere Zufriedenheit anbelangt, völlig egal, ob wir noch mehr verdienen. Unser Lebensglück ist nicht abhängig von unserem Einkommen. Das belegt Dobelli u.a. durch eine Studie in „Fuck-You-Money“, die die Lebenszufriedenheit von Lottogewinnern untersucht. Das Ergebnis: Schon wenige Monate nach dem Millionengewinn waren sie nicht mehr signifikant glücklicher als zuvor. Und das, obwohl sich der Lebensstandard in dieser Zeitspanne verdoppelt hat.

Los geht’s: Wir sind bereit für unseren persönlichen Weg zum Glück.

Nun sind die wenigstens von uns Lottogewinner und müssen als Arbeitnehmer oder -Geber den Lebensunterhalt verdienen. Unsere Zufriedenheit ist dann zwangsläufig gekoppelt an unseren Job. Und wenn man den hasst, bringt all das Geld gar nichts, denn dann hat man ein „ernsthaftes Problem“, wie Dobelli sagt. Dann nämlich kompensiert man seine Unzufriedenheit dadurch, Dinge zu kaufen, die man eigentlich gar nicht braucht. Ein Teufelskreis. Im Kapitel „Warum Sie weniger kaufen und dafür mehr erleben sollten“, geht der Autor genau diesem Problem auf den Grund mit dem Fazit: Wir überschätzen den Happiness-Effekt von Dingen und unterschätzen den Happiness-Effekt von Erlebnissen. Sei es das teure Auto, die neue Uhr oder das riesige Eigenheim: All das gerät im Alltag schnell in den Hintergrund. Erlebnisse hingegen bleiben uns signifikanter in Erinnerung. Die einmalige Safari durch Südafrika oder der Fallschirm-Sprung an der Ostküste Australiens befeuern unser Glücksgefühl deutlich länger.

Die Kunst des guten Lebens

Rolf Dobellis „Die Kunst des guten Lebens“ ist voll mit Aha-Momenten, die zum Nachdenken anregen. Und immer wieder ertappt man sich selbst dabei, schon in die ein oder andere trügerische Lebensfalle getappt zu sein. So z.B. die „sinnloseste und giftigste aller Emotionen“: der Neid. Dieser kocht bekanntermaßen in uns hoch , wenn wir uns mit anderen vergleichen. Hier schlägt der Autor eine interessante Brücke zu den Sozialen Medien und trifft damit genau den Puls der Zeit. Im gleichen Atemzug appelliert er zu mehr Bescheidenheit – für viele fasst schon ein Fremdwort, könnte man meinen …

Insgesamt vermittelt Dobelli in seinem Ratgeber viele theoretische und erschreckend einfache Erkenntnisse zum guten Leben – manche mit erhobenen Zeigefinger, andere mit einem verschmitzten Augenzwinkern. Durch seine lebhafte und zugleich verständliche Sprache fühlt sich der Leser verstanden und abgeholt. Denjenigen, den es schon beim Anblick der Seitenzahlen eines Buches die Sprache verschlägt, kommt „Die Kunst des guten Lebens“ ebenfalls entgegen. Durch die Untergliederung in 52 (nahezu) unabhängige Kapitel, fällt das Lesen der gut 330 Seiten deutlich leichter. Perfekt übrigens auch, um zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal gezielt in einem Kapitel nachzuschlagen. Wir finden: Ein empfehlenswertes Buch für alle, die schnell und unkompliziert mehr über sich und die eigenen Denkmuster lernen möchten.

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