26. Mai 2015
Szene-News

„Auf der Bühne fühle ich mich zu Hause“: Musiker und Schauspieler Damion Davis im Interview

Das Bühnenleben macht ihn glücklich: Der Berliner Florian Renner alias Damion Davis ist bekannt durch seine energiegeladenen Auftritte. Foto: Veranstalter / oh.

Florian Renner alias Damion Davis ist nicht nur ein deutscher Musiker, Schauspieler und Filmemacher: Er ist ein Verrückter. Und zwar ein ausgesprochen sympathischer. Auf der Bühne fühlt er sich zu Hause. Nach einigen Jahren kehrt Damion an einen weiteren Ort zurück, an dem er sich besonders wohl fühlt: Braunschweig. Am Samstag den 30. Mai gastiert er bei „It’s all good“ in der Walhalla. szene38 sprach mit ihm über sein außergewöhnliches Künstlerleben.

Am 30. Mai gastierst du bei „It’s all good“. Wie kam es zu dem Booking?
Mit Kaya (Anmerkung der Redaktion: Kaya ist Mitinitiator von „It’s all good“) verbindet mich eine schon längere Freundschaft. Ich bin nicht so der mega Geschäftsmann, bei mir basiert das mehr auf Freundschaften in der Musik – und Kaya kenne ich über Fabian Römer alias F.R. Fabian selbst kenne ich schon, seitdem er 14 Jahre alt ist, Ich bin öfter mal zu Fabian gefahren, wir haben zusammen Fußball gespielt, sind gemeinsam aufgetreten. Kaya war da immer mit dabei, das war immer witzig. Wir haben einige Jahre nichts voneinander gehört – dann klingelte das Telefon. Ich war schon lange nicht mehr in Braunschweig, und freue mich nun, wieder in die „Dennis Schröder Stadt“ zurückzukommen.

Das heißt, du bist auch Basketballfan?
Ich bin nicht so der radikale Fan – dafür liebe ich diesen Sport. Er hat viel mit Hip-Hop gemeinsam, mit der Ästhetik und dem Lebensgefühl. Im Großen und Ganzen repräsentiert diese Sportart neben dem Skateboarding voll mein Lebensgefühl. Deswegen finde ich es auch echt krass, dass dieser talentierte Junge aus Braunschweig kommt. Diese freche Dennis Schröder, der keine Angst hat vor einem Wurf hat. Er steht für mich auch ein Stückweit für eine neue, selbstbewusste Generation aus Deutschland, die es etwa auch in Amerika schaffen kann – und keinesfalls duckmäuserisch herüberkommen muss. Ein freches, gesundes Selbstbewusstsein.

Wie würdest du dein Lebensgefühl erklären?
Dynamisch, freizügig, mit Träumen behaftet. Ein bisschen melancholisch, aber durchweg positiv und optimistisch. Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass ich meine Welt – in der ich lebe – selbst auch beeinflussen kann. Ich bin total glücklich mit meinem Leben. Ich bin kein großer Star, nicht megareich, aber ich habe all meine Träume – die ich mir als Kind ausgemalt habe – erfüllt. Oder ich bin dabei, sie zu erfüllen. Mein Weg liegt dabei in meiner eigenen Hand.

Musikalisch bist du ziemlich breit gefächert unterwegs. Wie hat sich das ergeben?
Ich bin einfach jemand aus der Beastie Boys Generation. Mitte der 90er, als der Hip-Hop groß wurde. Aber auch Metal bis hin zu Reggae. Rage Against The Machine, Jamiroquai, über Moby bis hin zu The Pharcyde. Einfach ein 90er-Jahre-Kind. Nach dem friedlichen Mauerfall war man offen für alle Facetten des Lebens, war offen für alle möglichen Arten von Musik. Für mich waren das vor allem die Beastie Boys, die Punk, Funk und auch Hip-Hop gespielt haben. Wenn mir ein Produzent ein Jazzalbum vorschlagen würde, und ich hätte Bock darauf, dann würde ich auch das machen. Genretechnisch bin ich gerne ein Triathlet der Musik.

Gibt es eine Musikrichtung, der du dich besonders verschrieben fühlst?
Den kleinen Namen, den ich mir gemacht habe, verdanke ich natürlich vor allem der Hip-Hop-Kultur. Alle Alben, die ich mache, sind Hip-Hop-Alben. Wenngleich ich in den Schubladen auch eine Menge Sachen anderer Musikrichtungen liegen habe. In erster Linie bin ich auf jeden Fall ein Rapper – allerdings bin ich nicht einfach nur ein MC oder so, sondern ein Hip-Hop-Musiker. Das ist mir wichtig.

Du bist nicht nur musikalisch aktiv, sondern auch als Schauspieler. Wie kam es dazu?
Ich habe früher viel Theater gespielt und Kabarett gemacht. Wenn die Kamera an ist, dann brennt bei mir einfach, im positiven Sinne, eine Sicherung durch. Ich fühle mich extrem wohl auf der Bühne. Ich bin schon ein anstrengender Mensch, dafür habe ich auf der Bühne dass Gefühl: Da darf ich das. Rumfreaken, schreien, lustige und verrückte Dinge machen. Im normalen Leben muss man natürlich schon auf die Gepflogenheiten achten, da kannst du nicht einfach abdrehen. Auf der Bühne fühle ich mich zu Hause, muss mich nicht so ernst nehmen.

„Wholetrain“ gilt für dich als schauspielerisch wichtigster Film…
…klar – es ist auch der einzige Film, in dem ich eine wirklich wichtige und tragende Hauptrolle habe. An meine Figur sind eine Menge Emotionen gekoppelt. Du ärgerst dich mit mir, bist traurig mit mir, wunderst dich gemeinsam mit mir. Es ist eine Figur, die den Film emotional mit begleitet. In den anderen Filmen bin ich auch ein Figur, allerdings keine zentrale. „Wholetrain“ bedeutet mir auch kulturell viel. Ich spiele gerne bei Filmen mit, die etwas bewegen, eine Aussage haben. Die wichtig für andere Leute sind, für die Subkultur.

Zuletzt hast du bei „Blutzbrüdaz“ mitgespielt. 
Das lief auch über einen Kontakt. Ein Rapper, der in einer Agentur saß und meinte „Der könnte gut in die Rolle passen“ holte mich ins Boot. Ich war gerade auf Theatertour in Deutschland unterwegs, fuhr nach der Vorstellung direkt hin. Es war zehn Jahre her, dass ich Sido zuletzt gesehen hatte, allerdings unter anderen Vorzeichen. Nun standen wir gemeinsam vor der Kamera und alles war wieder gut.

Schaust du aktuell noch nach Filmprojekten?
Ich mache zurzeit mehr musikalische Sachen hinter den Kulissen. Songwriting, etwas für die Werbung – da kann ich noch nicht so viel zu sagen. Filmtechnisch kommt dafür auch etwas Schönes, ein deutscher Actionfilm. „American Showdown 8“, eine Actionkurzfilmreihe aus Berlin mit einigen sehenswerten Schauspielern.

Wie steht es mit einem neuen Album?
Ich arbeite tatsächlich an einem neuen Album. Ich habe bei NewDEF einen neuen Vertrag unterschrieben, habe schon etwa 16 Songs gemacht. Bis zum Sommer will ich das fertig bringen.

Ganz grundsätzlich gilt für mich: Mein Erfolg, oder wann ein Album herauskommt, ist nicht so wichtig. Wichtig ist vielmehr, dass es eine lange Halbwertszeit hat. Dass ich einen Flaschengeist schaffe, der immer in den digitalen Regalen der Leute steht. Der wahre Erfolg ist das Gefühl in meinem Herz. Und der Weg bis zur Veröffentlichung – das ist mein ganz eigener, roter Teppich.

Beginn von „It’s all good“ am 30. Mai ist 22 Uhr, Tickets gibt es im Vorverkauf für 12 Euro (bei Bergmann und Boardjunkies), an der Abendkasse für 14 Euro. Details sind auf www.facebook.com/itsallgoodent sowie bei der Facebook-Veranstaltung zu finden.

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