40 Jahre Titanic – das endgültige Jubiläum – Szene38
2. September 2019
Szene-News

40 Jahre Titanic – das endgültige Jubiläum

Das subversive Satiremagazin feiert mit Zonen-Gaby, einer Ausstellung und einem großen Titelbild-Buch

Dieses Bild hat sich eingebrannt in das kollektive Bewusstsein deutscher Bürger:„Schafft auch in Deinem Zimmer die wohnliche Atmosphäre gepflegter Zoni-Abneigung“. Foto: Titanic

Deutschland, Anfang November 1989. Eine kalte, ungemütliche Zeit. In wenigen Tagen fällt die Berliner Mauer. Jenes Grenzbefestigungssystem der Deutschen Demokratischen Republik, das mehr als 28 Jahre wacker Stand hielt.

Berühmtes (Titanic-Titel-)Bild: Zonen-Gaby

Zehntausende DDR-Bürger reisen noch immer auf abenteuerlichsten Wegen nach Westdeutschland ein. Sie wollen nur noch weg. Da hin, wo alles bunter und besser ist. Über jene turbulenten Tage, historischen Wochen und unvergesslichen Monate ist viel berichtet worden. Ein Bild dieser angespannten Zeit hat sich ganz besonders in das Bewusstsein der DDR- und BRD-Bürger eingebrannt: Zonen-Gaby. Eine Frau in Jeans-Jacke lächelt auf der Titelseite der November-Ausgabe 1989 des „endgültigen Satiremagazins Titanic“. Sie hat rot leuchtende Minipli-Haare und hält eine geschälte Gurke in der linken Hand. Eine Träne rollt ihr über das Gesicht. Auf dem Cover steht: „Zonen-Gaby (17) im Glück (BRD): Meine erste Banane.“

„Schmäggd eschd läggo, die Bonone!“

Die Frau mit der großen Gurke wurde zum Star. Zeitungen in der ganzen Welt druckten das Titanic-Titelbild nach. Das Motiv hatte einen Nerv getroffen. Die Titanic-Redakteure brachten Deutschland zum Lachen, obwohl vielen nicht danach zumute war. Fernsehbilder, auf denen zu sehen war, wie Bundesdeutsche an über Ungarn ausgereiste DDR-Bürger Bananen verteilten, brachten sie auf die Cover-Idee.
Zu Wendezeiten hing Zonen-Gaby-Poster in unzähligen Partykellern und Studentenzimmern der noch geteilten Republik. Berlin-Touristen kaufen gerne die Postkarte. Noch heute kann man das Din-A1-Poster im Titanic-Online-Shop kaufen („Schmäggd eschd läggo, die Bonone!“). Übrigens heißt Gaby eigentlich Dagmar und hat damals aus Spaß das Fotoshooting gemacht. Sie wohnt in einem Vorort von Worms und arbeitet als medizinisch-kaufmännische Angestellte in einer Klinik. Bis heute ist ihr Foto das mit Abstand berühmteste, am häufigsten nachgedruckte Titanic-Titel. „Schafft auch in Deinem Zimmer die wohnliche Atmosphäre gepflegter Zoni-Abneigung“, bewirbt es die Titanic.

Untergang der DDR und (RMS) Titanic

Die DDR und auch die (RMS) Titanic sind untergegangen, das Satiremagazin lebt noch immer. Es hat viele Höhen und Tiefen erlebt, ist aber noch immer Stramm auf Witz-Kurs. Oberhalb und unterhalb der Gürtellinie. Mit Cartoons, Briefen an den Lesern und vom Fachmann für Kenner. Mit Kolumnen, Kritik, steilen Behauptungen, treffenden Analysen und packender Polemik. Aktuell: „Pro und Kontra Regenwald niederbrennen“.
Martin Sonneborn war früher mal „Titanic“-Chef, wirkt heute als streitbarer EU-Parlamentarier. Auch Bernd Fritz, eine weiterer „Titanic“-Boss, hat Spuren in der Weltgeschichte hinterlassen. Er wurde bekannt als schummelnder Buntstift-Lecker aus der ZDF-Show „Wetten, dass…?“. Heute leitet Moritz Hürtgen als Chefredakteur das Magazin. Hürtgen erklärte: „Titanic ist das Magazin, das es mithilfe falscher und echter Fakten sowie Fake-Vermutungen jedem erlaubt, seine eigene Wahrheit zu finden“.

Krude Kolumnen, harte Kritik, steile Behauptungen, treffende Analysen und packende Polemik seit 40 Jahren. Foto: Titanic

40 Jahre Titanic – Magazin, Buch und Ausstellung

Im Oktober wird das endgültige Satiremagazin Titanic 40 Jahre alt. Mit der Ausgabe 11/1979 brachten Vertreter der „Neuen Frankfurter Schule“ das Heft erstmals an den Kiosk. Mit der Ausgabe 10/2019 schließt die Titanic-Redaktion am 27. September den 40. Jahrgang ab – und feiert Jubiläum. Die Oktoberausgabe werden die Leser mit einigen Extras und Sonderaktionen überrascht. Am 2. Oktober 2019 eröffnet im Caricatura-Museum Frankfurt nach einem großen Festumzug über den Krönungsweg in der Frankfurter Altstadt die Ausstellung „40 Jahre Titanic – die endgültige Titelausstellung“. Deren Schwerpunkt liegt auf den legendären Titelbildern des Magazins. Erstmals sind diese alle – inklusive Vorstufen, Entwürfen etc. – in einer Ausstellung zu besichtigen.
Pünktlich zur Ausstellung erscheint zudem beim Kunstmann-Verlag der Band „40 Jahre nur verarscht – Das endgültige Titelbuch“. Dieses dokumentiert, wie die Ausstellung, erstmals alle Cover und deren Entstehungsgeschichte. Bei WortArt erscheint zudem das Hörbuch „40 Jahre Titanic. Der endgültige Satire-Soundtrack“.

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