25. Januar 2020
Sport

Braunschweigs erste Skateboardschule

Die skateacademy38 bietet Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene in der Skateboardhalle Walhalla - Interview mit den Gründern

Wer cool ist, geht skaten. Diese Formel gilt für Jugendliche seit Jahrzehnten. In Braunschweig kann es jung und alt jetzt "richtig" lernen. Foto: skateacademy38

Timo Ventroni und Sandro Eiselt rollen seit mittlerweile 40 Jahren durch die regionale und nationale Skateboardszene. Nun haben sie sich einen Traum erfüllt: Mit der skateacademy38 haben sie Braunschweigs erste Skateschule eröffnet. szene38 unterhielt sich mit den beiden.

Timo, Sandro, wann und wie seid ihr, damals zum Skaten gekommen?

Timo: An sich bin ich relativ unspektakulär zum Skaten gekommen, ca. im Alter von 10 oder 11 Jahren. Ein paar Jungs aus dem Freundeskreis kamen mit den ersten Skateboards einfach mal vorbei und ich hab dann direkt gesagt ich möchte das ausprobieren. Dabei habe ich mich direkt ganz gut angestellt und war sofort angefixt. Dann hatte ich nach kurzer Zeit ein eigenes „Supermarkt Skateboard“ und schon war es um mich geschehen!

Sandro: Angefangen habe ich eigentlich mit Eishockey gemeinsam mit meinem großen Bruder. Dadurch kamen  im Sommer die Inliner an die Füße. Mit meiner Familie war ich dann das erste Mal in einer richtigen Skatehalle, in der I-Punkt Halle in Hamburg, und habe dort die ersten professionellen Skater gesehen – das hat mich direkt umgehauen und für mich stand fest: ich will das auch lernen! Mit 12 Jahren war ich schon fast sowas wie ein Spätzünder.

Wie habt ihr es gelernt und wie lange habt ihr gebraucht, um gut fahren zu können?

Timo: Das „Wie“ habe ich recht simpel gehalten: Ich habe so gut wie jeden Weg, egal ob zur Schule, zu Freunden, zum Einkaufen für Mutti – selbst zum Fußballtraining, mit dem Skateboard zurückgelegt. Dadurch gewinnst du einfach Sicherheit auf dem Board, ein gutes Brettgefühl und du lernst das Verhalten des Boards unter deinen Füßen besser kennen. Die technischen Schwerpunkte und das Trickrepertoire kamen dann einfach mit der Zeit, aber hauptsächlich im Park gemeinsam mit anderen Skatern, die schon weiter waren und dir hier und da ein paar Tipps geben konnten. Sowas wie eine Skateschule gab es ja damals noch nicht ; ) Nach knapp 1,5 bis 2 Jahren war ich dann recht sicher auf dem Board unterwegs und konnte schon eine handvoll Tricks.

Sandro: Ich hatte das Glück, auf einem alten Bauernhof aufzuwachsen. Dort hatten wir eine überdachte Fläche, wo wir (mein Bruder und ich) mit unserem Vater ein paar Rampen zusammen gebaut haben. Da habe ich dann auch meinen ersten „Drop in“ gelernt – von einer zwei Meter hohen Rampe, in kompletter Motocross Montur. Ich habe dann schnell die anderen Skater aus der Umgebung kennengelernt und wir haben uns regelmäßig auf dem Penny Parkplatz in Groß Schwülper getroffen um gemeinsam zu skaten. Nach den ersten drei Monaten konnte ich den „Ollie“ über kleine Hindernisse, ab da war ich dann schon recht sicher auf dem Board unterwegs.

Im Halfpipe Skaten (auch Vert genannt) geht es um möglichst gewagte Sprünge in der Vertikalen. Foto: skateacademy38

Welche Tricks beherrscht ihr am besten?

Timo: Ohne, dass es zu fachmännisch wird, ist der Varial Kickflip irgendwie mein Lieblingstrick, in verschiedenen Ausführungen. Als besonderen Trick würde ich das crossfooded standing nennen. Dabei machst du einen Trick und landest mit den Füßen über Kreuz auf dem Board. Obwohl technisch anspruchsvoll, machst du dir damit nicht unbedingt Freunde in der Szene – ehrlich gesagt ist es schon fast verpöhnt. Es sieht einfach nicht schön aus…

Sandro:  Meine Paradedisziplinen sind Switch- und Nollietricks. Dabei „ziehst“ du den Trick quasi mit dem „verkehrten“ Fuß. Vergleichbar ist es, als würdest du mit der schwachen Hand werfen oder schreiben oder beim Fußball mit dem schwachen Fuß schießen.

Was fasziniert euch bis heute an dieser Sportart?

Timo:  Für mich ist es eine der wenigen Möglichkeiten, komplett abzuschalten und den Kopf frei zu kriegen. Ich kann immer etwas Neues lernen und es wird nie langweilig oder eintönig. Ich habe einfach die Garantie, wenn ich mein Board unter den Füßen habe – dann habe ich Spaß.

Sandro: Mich fasziniert, dass ich den Sport überall machen kann. Ich schnapp mir einfach mein Board und kann loslegen und egal in welchem Land oder welchem Skatepark, wir sprechen dieselbe Sprache.

Wie wichtig sind Schuhe und (Marken-)Klamotten beim Skateboarding?

Timo:  Bei Schuhen finde ich es grundsätzlich schon wichtig auf Skateboardmarken zu setzen, da sie die Expertise und Erfahrung haben, was ein Skateschuh können muss, wo er halten soll. Bei allem Anderen geht es um den persönlichen Style, der individuell ist wie jeder Einzelne und dabei auch alles akzeptiert wird…

Sandro:  … bei den Schuhen Stimme ich Timo zu!  Was den Rest angeht, es gibt tatsächlich einige Profiskater die in 2nd Hand Shops einkaufen. Oder Skatepunks, die mit Kutten und zerschnittenen Hosen fahren. Feel free!

Wie viel sollte man für ein gutes Skateboard investieren?

Timo/Sandro: Um das Skateboardfahren kennen zu lernen reicht ein Einsteigerset für ca. 50€. Wer Gefallen daran findet und wirklich professionelles Equipment haben möchte, sollte mit 100 bis 150€ rechnen. Wie fast überall gilt: Nach oben gibt es keine Grenzen.

Style und Tricks sind wichtig. Beim Skateboardfahren sollte man aber vor allem Lust darauf haben immer etwas Neues zu lernen.
Foto: skateacademy38

Was macht einen guten Skateboarder aus?

Timo: Ich bin der Meinung, dass Style ein absolut wichtiger Faktor ist. Es geht für mich nicht immer darum, das größte Trick-Arsenal zu haben. Wer einfach einen schönen Style hat, die Basic Tricks z.B. einfach super hoch zieht, ist auch ein guter Skater. Hauptsache, du hast immer Lust etwas Neues zu lernen.

Sandro: Das Thema Style unterschreibe ich. Wenn du es professionell betreiben willst, musst du den Sport leben und einfach der Typ dafür sein. Schwer in Worte zu fassen…

Die heutige Skateboardkultur wurde in den 70er Jahren in Venice Beach, Kalifornien erfunden. Wie viel von diesem Outsider-Lifestyle ist davon heute noch vorhanden?

Timo/Sandro: Der Lifestyle ist immer noch der gleiche geblieben. Es ist sehr familiär, locker und wir nehmen uns alle nicht zu ernst. Wir haben immer Spaß, auch wenn wir neue Leute aus der Szene treffen. Im Gegensatz zu früher ist Skateboarding populärer und angesehener geworden und zieht sich durch so gut wie alle sozialen Schichten. Aktuelles Beispiel ist, dass Skateboarding in diesem Jahr zum ersten Mal eine olympische Disziplin ist.

Wie würdet ihr die Skate-Szene der Region beschreiben?

Timo:  Ich denke, das richtige Wort ist: unterschätzt. Im Verhältnis zur Größe der Stadt haben wir eine recht große Szene und vor allem eine wahnsinnig gute „Skatepark Dichte“. Was viele nicht wissen ist, dass wir mit der Skatehalle in der Böcklerstraße (S.C. Walhalla) etwas haben, wofür uns vermeintliche Weltstädte wie Köln oder München beneiden – nämlich auch in den ungemütlichen Jahreszeiten im Trockenen und Warmen skaten zu können!

Sandro: Im Vergleich zu früher ist die Szene deutlich gewachsen. Früher gab es nur den Prinzenpark und dort haben wir fast immer die gleichen Gesichter gesehen. Wenn du heute in einen der vielen Skateparks Braunchweigs fährst, triffst du oft neue Gesichter.

Warum habt ihr eine Skateboardschule in Braunschweig eröffnet? Was sind eure kurz- und langfristigen Ziele?

Sandro: Hier mache ich mal den Anfang! Generell gebe ich schon länger Skateboardkurse und habe auch ein Skatecamp in Münster geleitet. Die Idee einer Skateboardschule bzw. der skateacademy38 ist für mich nicht neu, den Gedanken dazu hatte ich bereits vor einigen Jahren schon. Mir hat da nur der richtige Partner an meiner Seite gefehlt, den ich mit Timo gefunden habe! Außerdem finde ich, dass der Nachwuchs aus der Region die Möglichkeit haben sollte, Skateboardfahren „richtig“ zu lernen. Zu unserer Zeit gab es sowas nicht und wir konnten nur bei den Älteren abschauen oder nachfragen – wenn sich denn einer getraut hat.

Timo: Ich bin da irgendwie reingeschlittert und hatte am Anfang gar keine Vorstellung, aber Sandro hat mich mit jedem Gespräch mehr und mehr begeistert! Ergänzend zu Sandro´s Worten kann ich nur sagen, dass ich mir einfach gerne so etwas früher für mich gewünscht hätte. Nicht nur, um Skateboardfahren zu lernen, sondern auch um schneller Kontakte aus der Szene zu finden. Kurzfristig ist unser Ziel, die skateacademy38 in der Umgebung bekannt zu machen und in den Ferien möglichst viele Kurse neben unserem Hauptberuf geben zu können. Auf lange Sicht wäre es schön, wenn wir unser Hobby zum (Haupt-)Beruf machen können und damit den Nachwuchs in der Szene fordern und fördern.

Rollen statt scrollen: Skateboardfahren ist sozialer und authentischer als jedes „soziale Medium“ es je sein könnte. Foto: skateacademy38

Warum sollte man lieber Skateboard fahren statt Serien zu schauen, Games zu zocken oder seine Zeit in den sozialen Medien zu verbringen?

Timo/Sandro: Wir finden, dass es in der digitalen Welt, in der wir heute leben, einfach wichtig ist, auch mal „offline“ zu gehen. Beim Skaten bist du mit Gleichgesinnten unterwegs und hängst automatisch nicht so viel am Handy, weil du gar nicht den Gedanken daran verschwendest. Du bist körperlich aktiv und das in einem Umfeld, dass sozialer und authentischer ist, als jedes soziale Medium je sein könnte. Du lebst in deiner eigenen Welt, die schöner und spannender ist als jede Serie. Also, lieber mehr rollen als scrollen!
Weitere Infos gibt es unter www.skateacademy38.de

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