125 Jahre Eintracht – Szene38
30. November 2020
Sport

125 Jahre Eintracht

Eine neue offizielle Vereins-Chronik und ein aufwändiges Magazin huldigen dem Traditionsverein, der in diesem Jahr sein Jubiläum leider nicht feiern kann

Glücksmoment: Am 26. April 2013 schoss Damir Vrančić am 31. Spieltag der Zweitligasaison 2012/13 das Braunschweiger Siegtor im Spiel gegen den FC Ingolstadt 04 und besiegelte damit die Rückkehr der Niedersachsen nach 28 Jahren in die Fußball-Bundesliga. Foto: Stefan Peters

Die Covid-19-Pandemie beschäftigt noch immer die Welt. Davon ist auch der Fußball schwer betroffen. Natürlich auch Eintracht Braunschweig. Und das gleich doppelt. Nicht nur das Eintracht-Stadion an der Hamburger Straße ist bei den Heimspielen leer, auch das 125-jährige Vereinsjubiläum können Verantwortliche und Fans, Trainer, Spieler und die vielen anderen Menschen die mit Eintracht zu tun haben, in diesem Jahr nicht feiern. Zumindest kann man aber im Jahr 2020 über Eintracht lesen und in Erinnerungen an bessere Zeiten schwelgen. Eine neue Chronik und ein neues Magazin machen es möglich. Wir sagen euch, was diese zu bieten haben.

125 Jahre Eintracht Braunschweig – die offizielle Vereins-Chronik (Verlag Die Werkstatt)

Einen kiloschweren Buch-Brocken haben die versierten Sportredakteure Hardy Grüne und Horst Bläsig mit der offiziellen Vereins-Chronik „125 Jahre Eintracht Braunschweig“ geschaffen. Herzlichen Glückwunsch! Das eigene Vorwort hat das fleißige Duo dabei aber anscheinend vergessen, beziehungsweise bewusst weggelassen. Dafür gibt es aber Grußworte von DFB-Präsident Fritz Keller und Braunschweigs Oberbürgermeister Ulrich Markurth. Außerdem von Ex-Eintracht-Präsident Sebastian Ebel und von Autor Axel Hacke. Zumindest auf letzteren hätte man sicher verzichten können.
Unterstützung bekamen Bläsig und Grüne für das über 300-seitige Hardcover-Werk (Preis 29,90 Euro) zudem vom umtriebigen Eintracht-Archivar Gerhard Gizler. Zusammen hat das Autoren-Trio die Geschichte des Traditionsvereins akribisch und chronologisch aufgearbeitet. Vorneweg gibt es ein Porträt von „Konrad Koch: Vater des deutschen Fußballs“ und dann geht es auch schon mit der Eintracht los: Die Gründung am 15. Dezember 1895 und wie Braunschweig zur Wiege des Fußballs in Deutschland avanciert. Das nächste Kapitel (1918 bis 1933) reflektiert den Stadionbau, Inflation und die Lokalkämpfe. Die Seiten sind mit vielen historischen Fotos bebildert. Viele davon (vor allem im vorderen Teil) waren bislang noch nicht in anderen Büchern zu sehen.

Der rote Löwe unterm Hakenkreuz

Eine besondere Zeit wird dann zwischen1933 und 1945 aufgearbeitet: „Der rote Löwe unterm Hakenkreuz“. Das Wirken von Eintracht in der NS-Zeit hat Vereinshistoriker Gizler bereits in einem anderen Buch untersucht, welches hier prominent mit Titelbild gezeigt wird. Solche Promotion gehört nicht in solch eine Chronik und müsste als (Eigen-)Anzeige gekennzeichnet werden. Gizlers Resümee auf die oft gestellte Frage, ob Eintracht denn ein Naziverein gewesen sei, wird mit einem „ja, aber…“ beantwortet. Eine mehrseitige Studie dokumentiert zudem die Zeit des Nationalismus im Spiegel des Eintracht-Nachrichtenblatts. Außerdem wird das Einzelschicksal des jüdischen Vereinsmitglieds Adolf Aronheim in einem Porträt reflektiert. Dieser hatte sich in der Anfangszeit der Eintracht in den verschiedensten Funktionen verdient gemacht.

Oberliga Nord, Meisterschaft und eine „Schnapsidee“

Zwischen 1945 bis 1963 erlebte Eintracht Braunschweig „Turbulente Jahre in der Oberliga Nord“. Diese sind zum Beispiel eng verbunden mit Legenden wie Werner Thamm, dem ein kurzes Porträt gewidmet ist. Außerdem gibt es in diesem Kapitel ein Interview mit dem ehemaligen Halbstürmer Winfried Herz. Richtig rund geht es natürlich dann im Kapitel 1963 bis 1973 „Zwischen Meisterschaft und Abstieg“. Porträts von Walter Schmidt, Lothar Ulsass und Jürgen Moll flankieren dieses wichtige Jahrzehnt. „Die Schnapsidee“ mit der Trikotwerbung und der Bundesligaskandal fehlen natürlich auch nicht. Es folgen 1973 bis 1986 mit den „Jäger-Meister-Jahren“. Bis zum Jahr 2020 werden die sportlichen Höhen und vielen Tiefen des Traditionsvereins unterhaltsam beschrieben. Eine Doppelseite widmet sich der Fan- und Städte-Freundschaft von Eintracht und Magdeburg. Auch die Eintracht-Fans kommen in der Chronik vor, jedoch auch nur auf einer Doppelseite. Ein elementares Thema dem in der offiziellen Vereins-Chronik viel zu wenig Platz eingeräumt wird – und das zudem nur oberflächlich behandelt wird. Es wird beispielsweise keine einzige Choreo mit einem Foto gezeigt. Dabei gab es über die Jahre unzählige aufwändige und spektakuläre Fan-Darbietungen im Eintracht-Stadion.
Das gleiche gilt auch für die vielen verschiedenen Vereinssparten, die wie „ein notwendiges Übel“ am Ende des Buchs in kurzen Texten abgehandelt werden. Auch hier hätte man deutlich mehr leisten können – und müssen. Als Anhang gibt es zudem von den Profi-Fußballern Tabellen sowie die Auflistung aller Trainer und Präsidenten. An Statistik- und Zahlen-Material hat die legendäre erste Eintracht-Chronik von Autor Stefan Peters aus dem Jahr 1998 mehr geliefert.
Die neue offizielle Vereins-Chronik 2020 ist deshalb ein zwiespältiges Produkt. Einiges hätte man sich ausführlicher thematisiert gewünscht, vieles kennt man bereits aus anderen Eintracht-Büchern. Nichtsdestotrotz bietet das wuchtige, kompetent verfasste Werk viel interessanten, kurzweiligen und komprimierten Lesestoff, an dem sich die Eintracht-Fans sicher lange erfreuen können.

 

 

125 Jahre Eintracht – Das Magazin (Braunschweiger Zeitung)

Auch ein neues Magazin beschreibt und zeigt die bewegte und bewegende Geschichte des Braunschweiger Turn- und Sportverein Eintracht von 1895 e. V.. Ebenfalls chronologisch und in verschiedene Zeitabschnitte gegliedert. 125 Jahre Eintracht – Das Magazin präsentiert einen umfangreichen historischen Streifzug durch die wechselhafte fußballerischen Jahre des Traditionsvereins von 1895 bis 2020. Die Bundesligagründung 1963, die Deutsche Meisterschaft 1967, die legendären Europapokalspiele und umkämpften Derbysiege, werden natürlich reflektiert. Aber auch die umstrittene „Jägermeister-Zeit“ der 70er/80er Jahre sowie die zehnjährige Lieberknecht-Ära mit der kurzzeitigen Rückkehr in die Bundesliga im Jahr 2013.
Die eher sachlich geschriebenen historischen Kapitel werden zudem jeweils von unvergesslichen emotionalen „blau-gelben Momenten“ flankiert und abgerundet. Diese erschienen bereits im Sportteil der Braunschweiger Zeitung. Außerdem werden auch alle anderen Sparten der Eintracht (von unter anderem Basketball, Handball, Hockey, Tennis, Steeldart bis hin zu Wasserball) in dem 164-seitigen Magazin vorgestellt. Diese erscheinen auch als eine begleitende Serie in der Neuen Braunschweiger. Das Premiummagazin 125 Jahre Eintracht Braunschweig (erhältlich für 12,50 Euro in den Service-Centern der Braunschweiger Zeitung und im regionalen Zeitschriftenhandel) punktet mit informativen Texten, zahlreichen imposanten Fotos und einem schönen Cover mit Gold-Druck. Das hat sich die Eintracht verdient.

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