6. Juni 2017
CheckOut

Das war los bei Rock am Ring

Zwischen Tanzwut und Terrorismus: Rock am Ring sorgte dieses Jahr wieder für Eilmeldungen – ein Nachbericht

Rock kennt keinen Hass: Auch nach der Unterbrechung ging Rock am Ring fröhlich weiter. Foto: Wikimedia Commons

Rock kennt keinen Hass: Auch nach der Unterbrechung ging Rock am Ring fröhlich weiter. Foto: Wikimedia Commons/ Leonhard Kreissig

Dichtgedrängt bis auf den letzten Platz stehen die Rock Am Ring-Besucher vor der Mainstage. Die Sonne geht gerade unter, die Broilers verlassen die Bühne. Jetzt kommt er endlich, der Headliner: Rammstein! „Du, du hast, du hast mich!” raunt ein Festivalgänger seiner Freundin in freudiger Erwartung ins Ohr. Doch dann kommt alles anders: Plötzlich betritt Veranstalter Marek Lieberberg gemeinsam mit dem Sicherheitsbeauftragten (hier geht’s zum Video) die Bühne. Alle wissen: Wenn Lieberberg kommt, ist irgendwas passiert, wie letztes Jahr, als das Festival wegen heftiger Unwetter abgebrochen wurde.

Terror oder Tanzwut?

Der Sicherheitsbeauftragte verkündet: Wegen einer terroristischen Bedrohung muss das Festival-Gelände vorerst geräumt werden. Alle Fans sollen die Anlage möglichst geordnet durch die Notausgänge verlassen. Klingt nach Massenpanik. Doch Angst? Bei den Besuchern keine Spur! Sie skandieren: „Scheiß Terrorismus!” oder: „Eins kann mir keiner nehmen und das ist die pure Lust am Leben!”

Bei vielen überwiegt eher der Frust, weil sie vor allem wegen Rammstein gekommen sind und den ganzen Tag an der Hauptbühne standen, um ihre Idole hautnah zu erleben. „Rammstein zu sehen, war einer meiner Lebensträume, der jetzt vorerst unerfüllt bleibt”, erzählt ein Fan niedergeschlagen.

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Alles entspannt bei der Räumung: Fans verlassen geordnet das Festivalgelände. Foto: Joschka Büchs.

Eine Stunde später ist das Gelände geräumt, über 80.000 Menschen sind sicher und unbeschadet bei ihren Zelten und Pavillons, Gruppen haben sich wieder zusammengefunden. Einige öffnen schon wieder ein Dosenbier. Bis zum nächsten Morgen wird gemutmaßt: „Wenn die das Festival jetzt wieder abbrechen, fahre ich nie wieder zu Rock am Ring”. Dann gegen 11 Uhr die Erlösung: Die Konzerte können wie geplant weiter gehen.

Ausgelassene Stimmung an Tag 2

Der Cloud-Rapper Rin eröffnet um 14 Uhr am zweiten Tag. Er ist erst seit Kurzem durch zwei Hits bekannt geworden, trotzdem kann die Menge fast jeden seiner Texte mitrappen und feiert jeden Track so euphorisch, dass es sogar noch eine Zugabe gibt und einen Song zwei mal spielt. Highlight des Tages sind die Beatsteaks. Sie schaffen es, die Energie ihrer Auftritte in mittelgroßen Hallen auch auf die Menge von fast 60.000 Menschen zu übertragen. Beinahe jede Band lobt die Coolness der Besucher angesichts der Lage am Vortag: „Wir lassen uns nicht von Arschlöchern unterkriegen” stellt Broilers-Leadsänger Sammy Amara zufrieden fest. Seine Band hatte als letzte Gruppe vor Rammstein gespielt und ihren Auftritt abgebrochen. Am Samstag spielte sie nochmal eine Stunde.

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Die Beatsteaks brachten einen der stärksten Auftritte des Festivals auf die Bühne. Foto: Joschka Büchs

Marteria stellt Rekord auf

Das Rock am Ring schreibt noch einige schöne Geschichten: Marteria, der wie Rammstein am Freitag nicht aufgetreten war, legt am Sonntag ein einstündiges Power-Konzert hin. Er tritt am gleichen Tag, keine dreieinhalb Stunden nach dem Auftritt, bei Rock im Park auf. Er ist der erste Artist, der auf beiden Festivals an einem Tag spielt. Als letzte Band auf der Mainstage betreten System of a Down die Bühne. Als Gitarrist und Sänger Daran Malakian das erste Riff anspielt, rastet die Masse komplett aus. Alle springen und die ersten Moshpits bilden sich binnen weniger Sekunden.

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Am letzten Tag kam sogar ein bisschen Romantik beim Sonnenunteragang am Festivalgelände auf. Foto: Katharina Pleis.

Schlussakkord

Rock am Ring ist und bleibt ein besonderes Festival. Und das nicht nur, weil es beinahe wieder abgebrochen wurde, sondern weil die Stimmung trotzdem unverwüstlich positiv blieb. Trotz Drohung blieb der Terror zum Glück nur Theorie. Dass die Räumung so ruhig von statten ging, ist auch der guten Organisation der Veranstaltung zu verdanken. Trotzdem wird Marek Lieberberg sich wohl Forderungen nach Geldrückzahlungen gefallen lassen müssen, denn der wohl größte Teil der Besucher hatten sich ihr Festival-Ticket hauptsächlich wegen Rammstein gekauft …

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