Bunte Brötchentüte: Pop Meets Classic 2019

Konfettiregen und Teufelshörner, Knalltüten und Klassikbombast – ein Rückblick auf die 13. Auflage

Vielfalt war Trumpf bei Pop meets Classic 2019: Ein traditionsreiches Kulturorchester, ein blinder Pianist, ein „The Voice Of Germany“-Sänger, sportliche Cheerleader und langhaarige Hardrocker. Foto: Undercover

Die Volkswagen Halle Braunschweig bebte und brodelte auch bei der mittlerweile 13. Ausgabe von Pop Meets Classic. Einmal mehr ausverkauft. Einmal mehr Massenbegeisterung.

Eröffnung mit dem Supertramp-Hit „Logical Song“

Eröffnet wurde das erfolgreiche und vielfältige Musik-Bespaßungsspektaktel von Moderator und Sänger Markus Schultze. Früher moderierte er beim fast vergessenen Musiksender MTV und rockte in verschiedenen Bands. Bei Pop Meets Classic ist er seit Jahren smarter Conférencier der souverän durch den Abend führt und die Braunschweiger Seele streichelt. Zum Einstieg coverte er zusammen mit dem Staatsorchester Braunschweig und der Pop-Meets-Classic-Band (unter der Leitung von Christian Eitner) stimmig „The Logical Song“ von Supertramp (aus dem Kultalbum „Breakfast in America“ aus dem Jahr 1979). Ein 40 Jahre alter Hit, der noch immer „young and wonderful“ wirkt.

Rammstein-Cover und „The Voice Of Germany“-Sänger

Kurz danach der erste Überraschungsmoment des Abends: der Chor des Staatstheaters intoniert in Mönchskutten ganz sanft, dann stimmgewaltig, den Rammstein-Stadion-Kracher „Engel“ in einer originären A-Capella-Version an. Die infantilen Teufelshörner hätte man sich jedoch sparen können. Zwei Engel schießen auf einem Steg ins Publikum dazu heiße Feuerfontänen in die Halle – das sorgt auch optisch für Wow-Effekte.

Danach wurde es ganz gefühlvoll: Der Schöninger Musiker Fabian Riaz coverte den schwülstigen Genesis-Schleicher „No Son Of Mine“ aus dem schauderhaften „We can’t Dance“-Album. Anschließend legte er mit seiner Interpretation von „You Let Me Walk Alone“ von Michael Schulte, die er auch bei „The Voice Of Germany“ gesungen hatte, noch mal nach. Too much Kitsch. Ein guter Typ, der tausende leuchtende Lämpchen funkeln ließ und Gänsehaut-Stimmung bei vielen Besuchern erzeugte. Mich hat es nicht erreicht. Wenn schon Breitwand-Biografie-Kitsch, dann doch lieber Lukas Graham mit „7 Years“.

Blinder Pianist und Comedy-Animation

Im Anschluss ließ der Pianist Ray Ghiorgis u.a. mit „Hit The Road Jack“ das musikalische Erbe von Ray Charles aufleben. Das Besondere: Auch Ray Ghiorgis ist, ebenso wie sein großes Idol, blind. Ihm hätte man etwas mehr Zeit und Raum geben können.

Es folgte zum ersten Mal ein Gastdirigent: Staatsorchester-Dirigent Helmut Imig verließ die Bühne und seinen Platz nahm Rainer Hersch ein. Der britische Dirigent, Schauspieler, Autor und Komiker verwandelte die Volkswagen Halle in kürzester Zeit souverän zum Klassik-Ballermann. Mitsing-Spiele und knallende Brötchentüten, die Kanonenschläge simulierten, inklusive.

Viele unterschiedliche Künstler und Musikstile, eine atmosphärische Lightshow und glitzernder Konfettiregen, erwartet die Besucher auch im Jahr 2018 bei Pop meets Classic. Foto: Malte Schmidt
Viele unterschiedliche Künstler und Musikstile, eine atmosphärische Lightshow und glitzernder Konfettiregen, erwarteten die Besucher auch im Jahr 2019 bei Pop meets Classic. Foto: Malte Schmidt

Sportliche Cheerleader und langmähnige Hardrocker

In der zweiten Hälfte präsentierte das Staatsorchester Braunschweig, Josef Ziga und die Pop-Meets-Classic-Band mit einer neuarrangierten Version von „Praeludium & Allegro“ (Fritz Kreisler, Arr. Josip Skender). Die Cheerleader der Wildcats Sway Braunschweig wirbelten anschließend wild auf der Bühne. Die langmähnigen Glam-Hardrocker von Night Laser feuerten den Bon-Jovi-Mitgröhl-Klassiker „Living On A Prayer“ ab und legten mit „Laserhead“ nach. Der letzte Solist war der einstige NDW-Held Purple Schulz, der gemeinsam mit dem Staatsorchester Braunschweig und der Pop-Meets-Classic-Band seine 80er-Jahre-Hits „Sehnsucht“ und „Kleine Seen“ performte.

Zum Abschluss dann das große Finale mit allen teilnehmenden Künstlern. Im Konfettiregen performten sie u.a. den Led-Zeppelin-Klassiker „Stairway to Heaven“. Standing-Ovations und Begeisterung für eine bunte Brötchentüte bei der mal wieder für jeden Besucher etwas dabei gewesen ist. Für den einen mehr, den anderen weniger.

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