26. Juli 2022
Sport

Leichtigkeit statt Lustlosigkeit – Luftakrobatik in Braunschweig 

Warum Sport kein gequältes Aufraffen zum Workout sein muss, für wen Aerial Sportarten eine Alternative sein können und wie Kraft und Ästhetik dabei zusammenwirken, erklärt Aerial Hoop Trainerin Isabo Hübner aus Braunschweig.

Isabo beim Training am Hoop im PoleRoom Braunschweig. Bildnachweis: privat.

Wir kennen die Gründe, warum Sport gut für uns ist. Ob ein Workout zu Hause, im Fitnessstudio, Mannschaftssport oder joggen gehen – Regelmäßige Bewegung wirkt sich positiv auf die physische und mentale Gesundheit aus. Nach dem Sport werden Endorphine ausgeschüttet, die Zufriedenheit und Selbstbewusstsein stärken. Obwohl uns die positiven Aspekte bekannt sind, reichen diese oft einfach nicht aus, um den inneren Schweinehund zu überwinden und der verlockenden Abendroutine auf der Couch eine Trainingseinheit vorzuziehen. 

Mit Spiel zum Ziel

Mit den begehrten Glücksbotenstoffen werden wir leider erst nach dem Training belohnt – und wenn die Motivation des vermeintlich repräsentativen Sommerbodys nicht ausreicht, bleiben wir doch lieber in der kuscheligen Komfort-Zone und versuchen es morgen noch einmal. 

Was wäre, wenn es noch einen weiteren Faktor neben Vernunft, Verpflichtungsgefühl und dem Wunsch, einem gesellschaftlich-kreierten Ideal zu entsprechen geben würde? So simpel, aber effektiv – Spaß. Denn wer etwas gerne tun, kann die Wahl zwischen zu Hause bleiben und losgehen viel leichter treffen. 

Auch für Trainerin Isabo Hübner standen Spaß und die Neugier auf etwas Neues im Vordergrund, als sie sich 2015 für ihren ersten Polesport Kurs im PoleRoom Braunschweig anmeldete. Seit Jahren bestand ihr Interesse, den akrobatischen Sport auszuprobieren, jedoch gab es damals noch keine Angebote in ihrem Umkreis. 

Mittlerweile bieten zwei Studios in Braunschweig verschiedene Sportarten der Luftakrobatik an. Dazu gehören seit einiger Zeit neben Poledance und -fitness zudem Aerial Hoop, auch Luftring genannt und Aerial Silk, beziehungsweise Vertikaltuch. Im Unterschied zu anderen Sportarten spielen hier Körperspannung und -beherrschung eine große Rolle. „Wir arbeiten mit Stretching, Kraftübungen und der richtigen Technik auf neue Tricks und Figuren hin. Somit kann eine Trainingseinheit gesünder und abwechslungsreicher sein als manch eine exzessive Workout-Session, die auf stumpfen Wiederholungen ohne angemessene Vorbereitung der Muskeln basiert“, erklärt die Trainerin. 

Isabo in der Figur „Ballerina“. Foto: Moving Art Images (Andreas Liedl).

Ästhetik im Aerial Hoop

Immer bestrebt, sich weiterzuentwickeln und Neues zu lernen entdeckte Isabeau 2018 mit der Erweiterung des Kursprogramms um Aerial Hoop und Silk im PoleRoom ihre Leidenschaft für den Luftring. Seit 2020 ist sie selbst als Trainerin tätig und verbindet in ihren Kursen akrobatische und tänzerische Elemente mit Musik zu gefühlvollen Choreografien. „Neben den statischen Figuren ist das Kreieren von Choreografien, die wir gemeinsam in meinem Kurs trainieren eine schöne Abwechslung. Im Tanz können wir Emotionen und Gefühle ohne Worte ausdrücken. Neben dem Spaß an der Sache sind auch der Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung im Studio wesentliche Faktoren, um am Ball zu bleiben“, begeistert sich die ehemalige Balletttänzerin, die ihren Kursteilnehmer:innen auf freundschaftlicher Ebene begegnet. „Wir motivieren uns alle gegenseitig und feiern jeden Fortschritt.“

So akrobatisch und dynamisch die Figuren der Luftakrobatik aussehen, müssen nicht zwingend bestimmte Fähigkeiten vorhanden sein, um mit dem Sport anzufangen. „Natürlich ist es vorteilhaft für einige Figuren, schon ein bisschen Kraft vor allem in den Armen und im Oberkörper zu haben, jedoch bauen sich die Muskeln auch mit der Zeit im Kurs auf“, erklärt die Trainerin. Durch die Aufteilung der Figuren in verschiedene Level von Anfänger bis Profi kann auf die individuelle Fitness und die Muskelkraft der Teilnehmer:innen eingegangen werden. Während des Trainings werden neben den Händen und ihrer Griffkraft auch die Arme, die Schultern sowie der Rücken und der Bauch besonders beansprucht. Je nach Figur und fortschreitendem Niveau werden auch die Beinmuskeln gefördert. Ein einstündiges Training im Kurs steht einem intensiven Ganzkörper-Workout also in nichts nach und neben der Muskelkraft werden auch Flexibilität und Koordination aufgebaut.

Vielfältiges Kursprogramm

Ob Tanzen und Kraftübungen an der Stange, Akrobatik im Luftring oder Schweben im Vertikaltuch das Richtige ist, kann individuell ausprobiert werden. Jede Disziplin impliziert unterschiedliche Chancen und Herausforderungen. „Der Polesport beispielsweise bietet viele Möglichkeiten, unterschiedliche Tanzstile und Kraftübungen zu erlernen. Jedoch wird der Halt an der Stange schwieriger, je stärker die Haut und vor allem die Hände zum Schwitzen neigen. Beim Aerial Silk steht die richtige Wickeltechnik im Fokus und am drehenden Hoop ist Schwindelfreiheit von Vorteil“, erklärt Isabo. Ihr liebstes Trainingsgerät ist der Luftring, auch wenn sie zusätzlich noch weiterhin verschiedene Tanzstile an der Pole ausprobiert. 

Für die Auswahl des passenden Kurses spielt auch der eigene Wohlfühlfaktor eine Rolle: Während die Figuren am Hoop und Silk aufgrund der schmerzenden Druckpunkte meist in langer Sportkleidung ausgeführt werden, ist für den Halt an der rutschigen Stange die nackte Haut notwendig. Auch die öffentliche Wahrnehmung der Sportarten ist unterschiedlich. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Polesport teilweise immer noch als ‚Ausziehen an der Stange‘ wahrgenommen wird, anstatt als forderndes Krafttraining. Aerial Hoop-Choreografien erinnern Außenstehende eher an eine aufwendige, kraftvolle Zirkusdisziplin. Was aber letztendlich passend ist, sollte jeder für sich selbst herausfinden und entscheiden“, schildert die Trainerin.

Für die Zukunft wünscht sich Isabo, dass sich „noch mehr Jungs und Mädels für den relativ unbekannten Sport, der in Städten wie Las Vegas schon lange Normalität ist, interessieren und begeistern können.“ Dann wären auch Wettbewerbe und Veranstaltungen wie Aerial Sport-Festivals und Messen keine Seltenheit mehr in Deutschland.

Über den PoleRoom: Im PoleRoom können sich alle Geschlechter und Generationen sowie Kinder ab fünf Jahren für eine Schnupperstunde bequem online anmelden. Wer den Sport für sich entdeckt, kann sich mit ungebundenen Karten oder einem Abonnement für die gewünschte Trainingseinheit im Kursplan eintragen. Neben der Luftakrobatik werden auch Stretching Kurse und Functional Training angeboten. Weitere Informationen findest Du unter https://www.poleroom.de oder auf Instagram unter @poleroom_bs .

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