15. April 2022
Ausstellung

Kunst: Diese Fahrt nach Schöningen lohnt sich

Beim Schöninger Kunstverein stellt ein ganz besonderes Duo aus.

Eine Meisterschülerin und ein Fotograf stellen in der Brauhof-Galerie in Schöningen aus. Kunstliebhaber sollten sich von der Kleinstadt nicht abschrecken lassen. Foto: choreo.info/Tanja Reeve

Vater und Tochter stellen in Schöningen gemeinsam aus – hat es das bereits gegeben? Der Vorstand des Kunstfördervereins überlegt im Kollektiv. „Liebespaare haben schon mal zusammen ausgestellt, aber Vater und Tochter, das fällt mir jetzt nicht ein“, legt sich Silvia Thoma, Vorsitzende des Vereins, schließlich fest.

„Gegenüber“: Hannah Kohn und Klaus G. Kohn stellen in Schöningen aus

Beim Betreten der Galerie blicken Porträts von älteren Menschen die Besucher an. Ein Mann hält eine Handvoll Krawatten, ein knalliger Hut bedeckt den Kopf einer Frau. Alle stehen sie vor einem niedersächsischen Ackerpanorama. Im Alltag würde man im Supermarkt an ihnen vorbeigehen. Doch in den Schöninger Galerieräumen treffen sie die Blicke der Betrachter, als wollten sie etwas intimes sagen. „Ich wollte Lebensgeschichten abbilden. Für jeden ist etwas anderes im Leben wichtig“, erklärt der Fotograf.

Klaus G. Kohn aus Braunschweig will mit seiner Kunst die Verletzlichkeit der Menschen einfangen und ihre Lebensgeschichten erzählen. Foto: Tanja Reeve
Klaus G. Kohn aus Braunschweig will mit seiner Kunst die Verletzlichkeit der Menschen einfangen und ihre Lebensgeschichten erzählen. Foto: Tanja Reeve

Hannah Kohn entlädt sich

Der Fotograf ist ein Beobachter, er lässt die zerbrechliche Umwelt wirken. Anders ist das bei Hannah Kohn. Sie wirkt selbst auf die Leinwand. Die Acrylfarben schreien auf der Leinwand. Die Künstlerin malt nicht mit dem Pinsel, sie benutzt ihre Hände direkt. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt sie diese Wahl so: „Es ist so viel direkter. Es ist ein Zwischenmedium weniger.“ Sie zieht Parallelen zu Höhlenmalereien, die oftmals ebenfalls direkt mit der Hand gemalt worden seien: „Ich finde es spannend, was die Handabdrücke für eine Emotionalität darstellen können.“ Farben und abstrakte Formen dominieren ihre Werke – nicht nur auf der Leinwand, sondern auch auf der Textilkunst.

Acrylfarbe auf Leinwand von Hannah Kohn. Foto: Tanja Reeve

Am 24. April um 11 Uhr wird die Ausstellung „Gegenüber“ eröffnet. Bis zum 15. Mai öffnet die Galerie im Braufhof 12 donnerstags von 16 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 13 Uhr sowie 16 bis 18 Uhr. Alles Weitere beschreibt der Schöninger Kunstförderverein auf seiner Webseite.

Kunst in der Kleinstadt – und dann auch noch im ehemaligen Zonenrandgebiet. Lohnt das?

Ja natürlich, sagt Silvia Thoma, Vorsitzende des Kunstvereins. „Hochwertig muss sie sein, die Kunst“, sagt sie über die Auswahl der Künstlerinnen und Künstler. Jedes Jahr bewerben sich mehr Fotograf*innen, Maler*innen und Künstler*innen als der Verein Ausstellungstermine hat.

In der Galerie hat zuletzt die Berlinerin Claudia Hauptmann ausgestellt. In ihren Malereien geht es laut Schöninger Verein um „psychologische und sozialkritische Themen“.

Auch für unerfahrene Galeriebesucher wollen die Schöninger Kunstförder*innen da sein. Gegenüber der Braunschweiger Zeitung sagt Silvia Thoma: „Schwellenangst ist bei uns ein riesen Thema“, schildert Silvia Thoma. Die Galerie sei nicht nur einer vermeintlichen Elite vorenthalten, betonen die Ehrenamtlichen.

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