19. Oktober 2018
Interview

Sex, Drogen & Trap

negatiiv OG, einer der größten Trap-Hoffnungsträger der Region, im exklusiven Interview

Der 22-Jährige hat Trap im Blut und noch einige illegale Substanzen mehr. Foto: negatiiv OG.

Er hat bereits 150 Songs auf Spotify und Soundcloud veröffentlicht, mehrere elektrisierende Videos auf YouTube gepostet und zelebriert einen ziemlich abgefuckten, kompromisslosen Lifestyle: negatiiv OG, geboren in Hildesheim, aufgewachsen in Bockenem, seit kurzem wohnhaft in Braunschweig, produziert, lebt und feiert Trap mit allen Höhen und Tiefen, Risiken und Nebenwirkungen.

Mit Kumpels abhängen, Sachen reinballern, aber dabei produktiv sein. negatiiv OG will alles oder gar nichts. Sein Erfolg ist nur eine Frage der Zeit. Foto: negatiiv OG.

 

Trap – die Falle

Ein musikalisches Genre für das DJ Screw in den 90er den Grundstein legte. Er verlangsamte bei seinen Remixen das Tempo auf 60 bis 70 Beats per Minute, was mit sicher auch mit seiner Lieblingsdroge, verschreibungspflichtigen Codein-Hustensaft zu tun hat, der vor allem in Houston auf Partys konsumiert wurde. Im Jahr 2003 fing Südstaaten-Rapper T.I. dieses ganz spezielle, intensive Lebensgefühl unter dem Einfluss von Purple Drank, Lean, Sizzurp, Syrup oder Texas Tea, wie das populäre Opiat auch bezeichnet wird, auf seinem Klassiker-Album „Trap Muzik“ ein, dass dem Genre seinen Namen. Die „Trap„, zu Deutsch „Falle“, ist der Ort, wo Drogen hergestellt werden und anschließend ihren Besitzer wechseln.

Trap-Rap populärer denn je

Acts wie Lil Wayne und Gucci Mane ebneten dem Genre mit ihren zahlreichen Trap-Mixtapes schließlich den Weg, aber erst Waka Flocka Flame schaffte mit seinem Debüt „Flockaveli“ den Prototypen für die heutigen Trap-Produktionen. Bei Trap-Rap geht es vor allem um den Beat: Ein schleppender Bass in düster-aggressiver Atmosphäre,  verkrampfend-stotternde Hi-Hats und ratternde Snare Rolls. Dazu kommen kranke, krasse, drogenverherrlichende und frauenfeindliche Texte. Seit einigen Jahren ist der Sound auch in Deutschland angekommen und wird auch in unserer Region immer größer und größer. Szene38 sprach mit negatiiv OG, dem größten Trap-Hoffnungsträger der Region. Word up!

„Es gibt in Deutschland halt nur noch keinen der wirklich solche Dinge auf solchen Beats sagen kann, wie ich und sich dabei ernst nehmen kann.“

 

Félix, wie, wann und warum bist du zur Musik gekommen?

Das kam 2014 durch einen Freund aus Hannover. Wir haben öfter an Wochenenden gechillt, Joints geraucht und uns die Zeit damit vertrieben auf Beats zu freestylen. Auf die Idee hat er mich gebracht. Dadurch entstand dann die Idee Texte zu schreiben, mir ein Mic zu kaufen und anzufangen eigene Tracks zu recorden. Da er eine GoPro hatte, haben wir irgendwann angefangen Musikvideos zu drehen, die aber nie fertig geworden sind. Zum Glück (lacht). So hat das angefangen.

Wie würdest du deinen Sound beschreiben?

US-beeinflusster neuer Trap.

Wo, wie und mit wem produzierst du deine Songs?

Meine Tracks recorde ich fast alle bei mir zuhause in der Wohnung. Mir steht sonst auch das Homestudio von meinem Mastering Engineer Skeeni in Braunschweig zur Verfügung, wo ich die meisten Features mit Sin Davis aufgenommen habe. Aufnehmen und abmischen hab ich mir selbst beigebracht. Meine Beats kriege ich von Producern aus dem Internet, früher immer von YouTube geleased, mittlerweile schicken mir aber viele Producer ihre Beats zu.

Wie viel Songs hast du bereits veröffentlicht?

Wenn ich Spotify und Soundcloud zusammenzähle bestimmt zwischen 100 und 150. Unreleased habe ich aber noch einige weitere Hundert.

Wie bist du zu deinem Künstlernamen gekommen?

Irgendwann als ich noch in der 8. oder 9. Klasse war hat mir ein Homie gesagt, ich soll mir „Call of Duty“ holen, damit wir zusammen zocken können. Das hab ich dann getan, und aus irgendeinem Grund hieß er ingame Positiv, und weil ich nicht wusste, wie ich mich nennen soll, hab ich mich halt negatiiv genannt. Zwei Kiddys halt. Ich habe mit ihm nichts mehr zu tun, aber der Name ist seitdem mein Aka in allem, was ich mache.

Wenn es um seine Zukunft geht spielt negatiiv OG „Roulette auf Russisch“, wie er auf seinem Hit „Fat Cap“ rappt. Aber vielleicht wird der 22-Jährige irgendwann so reich wie Mr. Burns. Foto: negatiiv OG.

Wer sind deine musikalischen Vorbilder?

Dats a lot. Das hat 2013 mit Chief Keef und Juicy J angefangen. Juicy J ist immer noch eine Legende, und von ihm habe ich viel meiner textlichen Ekligkeit. 2011 aber auch schon ASAP Rocky gehört. „Live Love Asap“ ist eines der besten Tapes die es je gab. Aber wenn es um den neuen Sound geht, dann Rich The Kid (vor allem 2016), Young Thug, Smokepurpp, Lil Uzi Vert, Migos, Playboi Carti, Young Dolph, NAV, Lil Tracy, Lil Baby, Shoreline Mafia, u.v.m. Man kann mich zu jedem neuen Trap Artist in Amerika fragen – ich kenne alle, und wenn mir was gefällt, höre ich es. Nur, wenn es um Deutschland geht, kann ich dir niemanden nennen. Gehen alle komplett am Leben vorbei.

Von wem oder was lässt du dich für deine Texte inspirieren?

Von meinem Real Life, meinen Freunden, Zielen und der Musik die ich höre.

Warum geht es darin so viel um Sex und Drogen?

Ich mag Sex und ich mag Drogen und ich nehme von Beidem nicht zu wenig.

Mit wem hast du bisher kollaboriert?

Sin Davis, Sevi Rin, Edo Saiya.

Mit wem würdest du gerne einmal zusammenarbeiten?

Ami-Features mit Deutschen sind immer eine schwere Sache, aber wenn ich mit jemandem wie Lil Tracy oder Young Thug zusammenarbeiten könnte, würde ich es natürlich straight machen.

Wie würdest du dich und deinen Lifestyle beschreiben?

Mein Lifestyle ist halt relativ abgefuckt, das weiß auch jeder der mich kennt. Aber es ist alles gut, denn meine Freunde sind auch alle so. Wir sind quasi ein Haufen produktiver Hänger. Also wir hängen, ballern uns Sachen rein, aber sind währenddessen produktiv und haben das gleiche Ziel.

Du lebst worüber du in deiner Musik sprichst.

Ja, das hat sich über die letzten fünf Jahre in diese Richtung entwickelt. Alle anderen, die jetzt mit ähnlichem Sound um die Ecke kommen, fanden das Trap Ding wahrscheinlich einfach nur cool und wollten da auch mitmachen, aber wenn sie mit mir chillen würden, wäre ihnen der Lifestyle auf einmal zu krass. Die sind nicht echt. Deswegen gibt’s heute auch so viele neue Rapper, die sich selbst in ihren Texten nicht zu Ernst nehmen. Weil sie wissen, sie leben nicht wirklich so. Aber gerade, weil sie sich selbst nicht so ernst nehmen, habe ich auch nichts gegen diese Rapper. Es gibt in Deutschland halt nur noch keinen der wirklich solche Dinge auf solchen Beats sagen kann, wie ich und sich dabei ernst nehmen kann. Das ist einfach so, ich kann auch verstehen, wenn Leuten das zu abgefuckt ist und sie das nicht feiern, und ich würde auch niemals jemanden wie mich als Vorbild nehmen. Aber ich weiß, dass Leute, die sowieso schon diesen Lifestyle leben, sich mit meiner Musik identifizieren können.

Welche Rolle spielen Outfit, Frisuren, Tattoos & Co. für dich?

Ist wichtig. Ich will nicht aussehen, wie jeder andere 0815-Typ. Mein Aussehen verkörpert meinen Lifestyle. Jeder der Ahnung hat und mich in der Öffentlichkeit sieht, wird anhand meines Aussehens direkt wissen, was ich für Musik höre. Außerdem ist es Status – als Trap Artist kannst du nicht herumlaufen wie ein Larry.

Was erwartest du von der „Gefangen in 38“-Veranstaltung im Stereowerk Braunschweig?

Das ein Haufen Leute, die die neue Musik feiern, auftauchen und zusammen mit meinem Team und mir komplett ausrasten.

Was sind deine kurz- und langfristigen Ziele als Musiker?

Ich habe nur langfristige. Deutschland ist uncool und ich will das, was wirklich cool ist, in Deutschland cool machen. Ich will der Erste sein, der diesen Sound hier an den Start bringt. Ich will meiner Family ein geiles Leben ermöglichen und selbst ein geiles Leben führen. Thats it. Nothing much.

„Purple Lean aus dem Schuhkarton” – negatiiv OG bekommt öfter mal Post aus Übersee … Foto: negatiiv OG.

 

negatiiv Ogs All-Time-Top 5-Playlist?

1. Juicy J – “Know Better”
2. Rich The Kid – “Runnin Threw It”
3. Young Thug – “Hercules”
4. Smokepurpp – “Houdini”
5. Gucci Mane – „First Day Out Tha Feds”

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