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René Wadas, Pflanzenarzt aus Börsum bei Braunschweig, im Interview

Der Bestsellerautor präsentiert in seinem neuen Buch wichtige Tipps und Tricks zum Umgang mit Pflanzen

René Wadas weiß ganz genau was gegen Blattläuse, Raupen und Pilzerkrankungen hilft. In den meisten Fällen verzichtet der regionale Pflanzenexperte dabei ganz auf Chemie. Foto: Rowohlt Verlag

Gärtnern liegt im Trend. Die weiter wachsende Stadtbevölkerung verspürt das tiefe Bedürfnis nach Naturerfahrung. Nach einem eigenen, individuellen Garten oder einem Gemeinschafts- und Nachbarschaftsgarten. Nach einer begrünten Terrasse oder einem Balkon, um dort selbst zu gestalten und zu pflegen, um ökologische Nahrungsmittel anzubauen und zu ernten. Laut dem Bundesverband Deutscher Gartenfreunde sank das Durchschnittsalter der Pächter in Kleingartenanlagen in den vergangenen Jahren deutlich. Auch der heimische Anbau von Obst, Kräutern und Gemüse wird im städtischen Raum immer beliebter. Küchen- und Biogärten sind  ein beliebtestes und heiß diskutiertes Thema in Blogs.

„In der Stadt ist die Arten- und Pflanzenvielfalt größer als auf dem Land.“ René Wadas kennt sich aus. Foto: Rowohlt Verlag

Doch im Gemüsebeet, Schrebergarten oder auf dem Balkon blüht und gedeiht längst nicht immer alles so, wie man es sich wünscht. Doch was kann man für seine Schützlinge tun, wenn diese mit Schädlingen kämpfen oder an einer Pflanzenkrankheit leiden? René Wadas rufen!

Der sympathische und leidenschaftliche Pflanzenarzt aus Börsum bei Braunschweig, weiß was seine grünen Patienten brauchen. Er weiß, was gegen Blattläuse, Raupen und Pilzerkrankungen hilft. In den meisten Fällen verzichtet Wadas dabei ganz auf Chemie. In seinem neuen Praxisbuch hat er seine wichtigsten Tipps und Tricks zusammengestellt, klar gegliedert von der Wurzel bis zur Blüte. Hier wird jeder Hobbygärtner zum Pflanzenversteher. Szene38 unterhielt sich mit dem Pflanzenexperten mit zwanzigjähriger Berufserfahrung.

Herr Wadas, wann und warum sind Sie als Berliner in unsere Region gekommen?

Bis zu meinem 14ten Lebensjahr habe ich in Berlin gelebt und bin dann mit meinen Eltern nach Cremlingen gezogen. Dann ging es weiter nach Börsum – seit meinem 17ten Lebensjahr bin ich hier. Ohne Dorf möchte ich nicht mehr leben. Ich liebe die Natur, unser 5.000 Quadratmeter großes Grundstück und den Garten.

Ihr erstes Buch „Hausbesuch vom Pflanzenarzt“ landete voriges Jahr überraschend auf der Spiegel-Bestsellerliste auf Platz 3. Was ist der Grund des Erfolgs?

Es war noch niemals da, dass ein Buch über Pflanzenschutz so gut angekommen ist. Ich habe einfach versucht das Thema verständlich aufzubereiten. Es sind authentische Geschichten aus dem Garten-Leben. Ich bin das Sprachrohr zwischen den Universitäten und Kleingärtnern.

Sie haben bei vielen Menschen anscheinend einen Nerv getroffen: Echte Erde statt digitaler Daten, Pflanzen statt Computer & Co.?

Es zieht zwar immer mehr Menschen in die Stadt, aber der Bio-Gedanke ist bei vielen groß. Die wollen auf ihrem kleinen Balkon oder Dachterrasse ihr eigens Grün haben und ihr eigenes Gemüse anbauen. Der Trend geht nicht mehr zur schönen Geranie, sondern zum Kräuterbeet, wo man was ernten kann. Wer das tut, möchte das mit dem Naturgedanken machen und keinen chemischen Pflanzenschutz verwenden.

Macht Gartenarbeit zufriedener?

Mich schon. Ich bin täglich im Garten – auch wenn es meist die von anderen Leuten sind. Ich gestalte und  verändere gerne etwas. Nach einem stressigen Tag, tut es einfach gut, mit einer Hacke durch meine Beete zu gehen und den Kopf abzuschalten. Mit der Erde zu arbeiten oder einfach nur auf einer Bank zu sitzen und Löcher in die Luft zu starren. Pflegen, pflanzen, topfen. Da komme ich absolut runter. Man muss sich dem Rhythmus der Pflanzen anpassen. Das entschleunigt.

Wie würde Sie die Pflanzenvielfalt in unserer Region beschreiben?

In der Stadt ist die Arten- und Pflanzenvielfalt größer als auf dem Land. Man kann sich auch kaum vorstellen, dass der Stadt-Honig gesünder ist als der Land-Honig. Warum: Im Land gibt es eine Monokultur.  In der Stadt gibt es wilde Ecken, Unkrautflächen. In den Pflastersteinen und Fugen wachsen Unkräuter. Das ist gut so. Das findet man auf dem Land nicht mehr. Bis zum Feldrand wird der Acker angepflügt – da gibt es nicht mehr viel Platz und Lebensraum für wilde Natur. Für Vielfalt. Aber das ist es, was unsere Insekten benötigen. Vor allem Wildbienen, die wir brauchen um unsere Pflanzen befruchten.

Was kann der Einzelne dagegen tun?

Die Kleingärtner sollten ihre Gärten nicht zu akkurat halten, sondern auch einige Stückchen wild wachsen lassen. Auch ein Komposthaufen mit Gartenschnitt oder totes Holz sind gut für Insekten. Auch Bauernhöfe mit dampfenden Misthaufen eignen sich – doch die gibt es ja kaum noch. Heute gibt es vor allem abgeschottete Schweinezuchtställe in die keine Fliege mehr reinkommt. Auch heimische Pflanzen und Gehölze, die Bienen- und Insektenfreundlich sind, sollte man anpflanzen. Zum biologischen Gärtnern gehört ein intaktes Gleichgewicht. Das perfekt zu schaffen ist schwierig, aber man kann es unterstützen und seine Möglichkeiten ausschöpfen. Wir schaffen es aber nur in der Gemeinschaft. Nur dann kann man etwas bewirken. Auch für die Zukunft unserer Kinder.

„Bei der Stadt Wolfenbüttel habe ich damals meine Gärtnerlehre absolviert – und dann gemerkt: Pflanzen können viel mehr.“ Und dieses Wissen gibt der Pflanzenarzt nun weiter. Foto: Rowohlt Verlag

Wie sieht Ihr eigener Garten aus?

Er ist nicht perfekt. Überall gibt es wilde Ecken. Wir haben einen kleinen Tümpelteich mit Goldfischen und einem Mühlstein über den das Wasser läuft. Pinsel- und große, seltene Nashornkäfer laufen herum. Es gibt eine Kräuterspindel mit Salbei und Tymian, Himbeer- und Johannessträucher. Wir haben aber auch gepflegte Beete und schöne Rabatten. Auf einem Gemüseacker wachsen zudem Kartoffeln, Zwiebel und Bohnen zur Selbstversorgung. Alles, was ich an Pflanzenstärkung und -pflege empfehle, probiere ich mit meiner Familie selbst aus.

Sie betreiben außerdem auch ein Pflanzenkrankenhaus.

Ja, in einer alten Gärtnerei in Kissenbrück in Wolfenbüttel. Da habe ich in der Saison zweimal in der Woche Sprechstunde – Montag und Dienstagnachmittag und probiere viele Mittel aus. Da kommen Leute aus der Nähe, aber auch von weit her, um ihre kranken Pflanzen gesund pflegen zu lassen. Das wird sehr gut angenommen. Die Beratung ist kostenlos. Man kann mich aber auch für Privatbesuche als Pflanzenarzt buchen.

Was sind die häufigsten Krankheiten?

Pflanzen sind für viele Insekten unwiderstehlich.  Die ist grün und schmackhaft. Das ist das Schicksal jeder Pflanze, das sie von irgendwelchen Kleintierchen gerne gefressen werden. Natürlich gibt es Pilzkrankheiten, wie den Mehltau, was sehr oft vorkommt. Aber den kann man leicht bekämpfen. Man nimmt einfach einem Teil Milch und sechs Teile Wasser –  und der geht ganz schnell weg. Umso öfter man Pflanzen mit natürlichen Mitteln stärkt, umso besser ist die Wirksamkeit. Vieles ist aber auch Wetterabhängig. 2018 war ein warmes Insektenjahr. Falls es 2019 feucht wird, wird es dagegen ein Pilzjahr. Es ist immer unterschiedlich. Ich gucke in Büchern nach, was alte Kräuterfrauen wie beispielsweise Hildegard von Bingen für uns Menschen aufgeschrieben haben – und beziehe dieses Wissen dann auf die Pflanzen. Dieses Wissen hole ich einfach nur hervor, probiere und kombiniere.

Was befindet sich in Ihrer grünen Pflanzenarzt-Tasche?

Ein Gerät mit dem ich den PH-Wert oder die Leitfähigkeit der Pflanze im Boden messe. Ich muss dem Besitzer visuell zeigen: da ist kein Dünger drin. Dann habe ich natürlich Erste-Hilfe-Produkte, wie meinen Rosenzauber drin. Und 20 Millionen kleine Helfer – Mikroorganismen, die dafür sorgen , dass der Boden reaktiviert wird oder Pflanzen widerstandsfähig werden. Eine Schere und eine Lupe habe ich ebenfalls dabei.

Sind Sie ein Aufklärer und Kämpfer für die wilde Natur?

Eigentlich bin ich nur Biogärtner (lacht). Meine Aufgabe ist es, von A nach B zu wandern, jede Fernsehshow zu besuchen, um dieses biologische Gärtnern den Menschen näherzubringen. Zu zeigen: Was kann man tun. Und das natürlich auch zum Ärger der Industrie. Man muss nicht immer Schädlingsmittel kaufen, sondern kann auch bestimme Pflanzen beispielsweise gegen Blattläuse, Raupen oder Pilzerkrankungen im Garten einsetzen. Ich lerne auf diesem Weg auch immer selbst. Mein eigener Garten ist ein tolles Lernfeld. Aber auch Mitarbeiter von Gärtnereien, Gartencentern und Baumärkten, in denen ich in ganz Deutschland Schulungen mache, inspirieren mich. Kleingärtner mit fünfzigjähriger Erfahrung auch. Vieles an meiner Arbeit ist Learning by doing. Ich sammele und sauge Wissen auf.

Man sollte immer hinterfragen, was man tut.

Ja, das machen wir schon bei Lebensmitteln, aber auch im Garten muss man das machen. Beispielsweise beim Düngerkauf sollte man draufgucken, was drin ist. Und wenn alle aufhören Blaukorn zu kaufen wird dieser von der BASF hergestellte Mineraldünger irgendwann nicht mehr produziert. Wir entscheiden, was wir kaufen. Erst dann wird sich alles  ändern. Denn die Industrie verkauft nur das, was sie verkaufen kann. Wenn keiner mehr Glyphosat, das meistverkaufte Unkrautvernichtungsmittel der Welt, dass jede Pflanze tötet, die nicht gentechnisch so verändert wurde, verlangt, wird es verschwinden. Daran muss man arbeiten.

Früher gab es keine Gartencenter und Unkrautvernichtungsmittel. Wie haben unsere Urgroßeltern ihre Gärten betrieben?

Die hatten keine Chemie, aber ein besseres Verständnis für die Pflanzen. Die wussten oft was Wurzel, Stängel, Blatt, Blüte und Frucht bedeuten – wie und wo sich Pflanzen im Garten wohlfühlen. Wie man diese richtig zusammenstellt und ihnen bei Schädlingsbefall hilft. Ich muss zugeben: Früher, in meiner Ausbildung als Gärtner, habe ich auch Gifte ausgebracht. Ohne Handschuhe. Doch irgendwann habe ich gemerkt: Da ist irgendetwas nicht in Ordnung.

Was hat Sie damals an der Gärtner-Ausbildung gereizt?

Eigentlich sollte ich ja mal Klempner, Gas- und Wasser-Installateur, werden. Aber das Leben und Arbeiten im Grünen hat mir immer schon Spaß gemacht. Bei der Stadt Wolfenbüttel habe ich damals meine Gärtnerlehre absolviert – und dann gemerkt: Pflanzen können viel mehr. Die wachsen ja nicht dumm herum, sondern senden Schwingungen aus. Die finden beispielsweise einen Menschen gut oder nicht gut. Manchmal habe ich das Gefühl, das Pflanzen mich verstehen und ich sie. So im Unterbewusstsein. Da besteht eine Verbindung. Ich glaube, wir sind alle miteinander. Wir können nicht ohne Pflanzen. Die gab es ja schon Millionen Jahre vor den Menschen. Ohne Pflanzen würde es uns nicht geben. Aber ohne Menschen gibt es noch die Pflanzen. Wir brauchen sie, aber sie uns nicht.

Welche Intelligenz besitzen Pflanzen?

Sie können schmecken, riechen und fühlen. Sie können beispielsweise über ihre Wurzeln kommunizieren und haben mehr Sinne als der Mensch. Nur sie sind anders als wir. Sehr viel langsamer. Und das macht es schwer sie zu verstehen. Japanische Wissenschaftler haben zum Beispiel entdeckt, dass ein Baum eine Art Herzschlag hat. Der Herzschlag geht aber alle zwei Stunden in denen sie ihre Pflanzensäfte pumpen. Man sieht dann wie die Zweige etwas nach unten gehen und sich wieder aufbauen. Bäume senden Schwingungen aus – diese haben die gleiche Frequenz wie unser Herz. Es ist bewiesen: Wenn sie einmal die Woche durch den Wald spaziergehen gehen, bekommen sie doppelt so viele Abwehrkräfte. Sie leben auch länger. Krankenhäuser sollten deshalb auch immer im Grünen stehen. Patienten sollten in die Natur gucken und nicht auf Beton.

Wie kommunizieren Pflanzen noch mit uns?

Pflanzen sprechen mit den Menschen. Zum Beispiel wenn eine Pflanze trocken ist, lässt sie ihre Blätter hängen. Das ist ein Zeichen, dass sie Wasser benötigt. Wenn sie ein mitfühlender Mensch sind, dann gießen sie diese. So hat die Pflanze das  erreicht, was sie wollte. Das gleiche gilt bei Nährstoffmangel. Sie reagieren übrigens auch auf streicheln: Wenn sie ihre Tomatenpflanzen jeden Tag ein bisschen streicheln, werden diese stabiler als die, die sie nicht gestreichelt haben. Wenn sie mit ihnen sprechen werden diese auch besser. Es funktioniert.
Ich hoffe, dass wir momentan in einer Art Wandel leben. Was uns Menschen im Moment fehlt, ist der Respekt. In jeglicher Art. Es fehlt uns der Respekt zur Natur, zu den Tieren, den Menschen und Religionen. Alles, was passiert auf dieser Welt, muss im Rahmen bleiben. Man sollte mit offenen Augen durch die Welt gehen.

Der Pflanzenarzt schaut demnächst höchstpersönlich in unserem BZV Medienhaus vorbei. Foto: Rowohlt Verlag

Vortrag und Pflanzen-Check

„Lassen Sie mich durch, ich bin Gärtner….“ lautet der Titel des Vortrags von Pflanzenarzt René Wadas. Darin verrät er Tipps und Tricks im Umgang mit Garten- und Balkonpflanzen und hilft Hobbygärtnern mit ihren „Sorgenkindern“. Es können Pflanzenteile oder auch Fotos erkrankter Pflanzen zur Begutachtung mitgebracht werden. Am 23. Mai 2019, 19:00 Uhr, ist er erstmals zu Gast im BZV Medienhaus. Der Eintrittspreis liegt bei 11,90 EUR normal – mit Payper Card bei 9,90 EUR ermäßigt. Hier kommt ihr zum Vorverkauf.

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