negatiivOG will mehr alles! – Szene38
23. Februar 2019
Interview

negatiivOG will mehr alles!

Der Braunschweiger Trap-Hoffnungsträger Nr. 1 im Interview zu seinem Album „Schlechtes Karma“

negatiivOG setzt seine Zukunft seit 2015 permanent aufs Spiel. Statt auf ein geregeltes Leben in der Mitte der Gesellschaft geht er volles Risiko mit seiner Kunst. Foto: Matthias Leton

Das hier ist keine Gutmenschen-Musik. Das hier ist „Schlechtes Karma“. Foto: Matthias Leton

Dieser Typ flext hart. So hart. Authentisch, charismatisch, eigenständig. Stur, stylish und unbeirrbar geht negatiivOG seinen Karriereweg. Aktueller Höhepunkt: Sein neues Album „Schlechtes Karma“, dass nun erscheint. Ein tiefer, dunkel-dröhnender Bass. Fies giftschlangenzüngelnde Horror-Hi-Hats aus dem Drumcomputer. Mehrdimensionale Synthesizer-Flächen – und dazu diese originäre, lakonisch-lässige Stimme des 22-jährigen Trap-Hoffnungsträgers. Sein tiefenentspannter, dabei permanent treibender Flow und die minimalistische Grundinstrumentierung öffnen einen facettenreichen Raum in dem es viel zu entdecken gibt. Ein dauerhafter Egoboost, fies abgehangener Sex’n’Drugs-Talk. Da kann nicht jeder drauf. Das hier ist keine Gutmenschen-Musik. Das hier ist „Schlechtes Karma“. Jung, gefährlich, gesichtstätowiert, gutaussehend. negatiivOG hat das Zeug zum neuen deutschen Trap-Pop-Star. Sein großer Durchbruch dürfte nur eine Frage der Zeit sein. Szene38 sprach mit dem schlaksigen Dreadlockträger.

Félix, eine entspannte Akustikgitarre hätte man bei dir zum Auftakt deines Albums nicht erwartet. Was ist alles anders und neu an negatiivOG 2019?

Nicht viel, ich mach da weiter wo ich aufgehört hab.

Ist der Album-Opener „Unreif“ so etwas wie der ausgestreckte Mittelfinger an all jene die nicht an dich geglaubt haben?

Kann man schon so sagen.

Wie lange, wo und mit wem hast du am Album gearbeitet?

Seit circa vier Monaten arbeite ich an dem neuen Projekt. Zusammen gearbeitet habe ich mit Sin Davis, Edo Saiya, meinem Producer Skeeniboi, mit dem ich ebenfalls ein Feature auf dem Album habe, und allen anderen Beatproducern die mitgewirkt haben.

Was bedeutet der Albumtitel „Schlechtes Karma“?

Das was drin steckt. Gutes Karma werde ich mir damit wohl nicht gemacht haben.

Welche der neuen Tracks liegen dir besonders am Herzen und warum?

Wenn ich zwei nennen müsste, wären es „Unreif“ und „Fühlst“. Aber alle anderen sind auch Hits. Die beiden sind nur eventuell mit etwas mehr Aussage als der Rest.

In „Mach zu viel“ thematisierst du auch dein Gesichts-Tattoo. Warum hast du es dir an dieser Stelle stechen lassen und für was steht es?

Ich hab blaues Blut. Es steht für meine Familie.

Was haben deine Eltern dazu gesagt? Wie beurteilen Sie deinen Job und Lifestyle?

Die feiern mich und vertrauen mir (und meiner Intelligenz).

Tooly Black“ ironisierst du die Bewerbung um einen Ausbildungsplatz – und damit in einem geregelten Leben. Kannst du dir einen normalen Alltag mit früh aufstehen, zur Arbeit gehen etc. überhaupt vorstellen?

Ne man, deswegen mach ich das hier ja. Ging schon zu Schulzeiten nicht. Ich wusste direkt dass ich das nicht mein Leben lang machen kann.

100 E’s schon gefressen in meinem Leben, ich kann selber gar nicht glauben das ich heute noch hier steh…“, lautet eine Zeile in „Pipe up“. Warum liebst und verherrlichst du den Drogenkonsum?

Drogen sind schlecht, nehmt das nicht. Aber ich nehm‘ sie halt, deswegen rap‘ ich auch drüber. Meine Intention ist es nicht Jugendliche zum Drogenkonsum anzustiften, aber ich bin kein Social-Justice- Warrior, ich werd den Drogentalk nur wegen meiner Vorbildfunktion nicht einstellen.

Ich will Pussy in Designer…“ rappst du im Song „Keiner“. Was bedeuten dir Frauen? Was für ein Frauenbild vermittelst du in deiner Kunst?

Ich liebe sie so sehr, dass ich die ganze Zeit nur von Sex rappe. Nah aber ernsthaft, ich liebe Frauen, ohne die wär hier alles hässlich, verschwitzt und ne riesige eklige Würstchenparty. Wer mich als Frauenfeind sieht, ist sicherlich über 40 und hat keine Ahnung davon, was weltweit überhaupt abgeht in der Musikwelt. Leute wie die haben keine Ahnung von der heutigen Jugendkultur. Textinhalte wie meine sind lange keine Nische mehr und das nicht nur auf Frauen bezogen.

Luxusmarken sind ein wichtiges Thema in deinen Songs. Was bedeuten dir diese und was sind deine Lieblingsmarken?

Du kannst als Rapper nicht rumlaufen wie ein Dulli. Tun zwar trotzdem viele deutsche Rapper, aber einer muss es ja richtig machen. Ich mag viele, aber eine favorite Marke hab ich nicht unbedingt.

In „Quartett“ rappst du: „Ich spiele mit meinem Leben Roulette…“. Was meinst du genau damit?

Das ich nicht wie jeder andere den sicheren Weg des Lebens gehe, mit Ausbildungsplatz oder Studium oder was weiß ich. Ich setz meine Zukunft seit 2015 permanent mit meinen Entscheidungen aufs Spiel. Was ich mache ist nicht so einfach, wie es nach außen hin aussieht. Die Leute vergessen, dass es dafür keinen vorgefertigten Weg gibt. Dass du Erfolg haben wirst sehr unwahrscheinlich ist. Dass alle an dir zweifeln, alle schlecht auf dich einreden, und das über Jahre hinweg, bis du dann wirklich Erfolg hast und alle die Fresse halten. Und auch jetzt noch kann alles schief gehen. Das hat dieser Satz zu bedeuten.

Ist „Drecks Feds“ so etwas wie deine Antwort auf NWAs „Fuck the police“?

Ne. Das ja was ganz anderes. Die haben aus ganz anderen Gründen gegen die Polizei geschossen back in the day. Das letzte was ich tu, ist beim Texte schreiben an Lieder aus den 90ern zu denken. Wer den Beruf Polizist wählt und ganz normal auf Streife geht, ist für mich Schmutz. Wer es sich zur Lebensaufgabe macht Kleinkriminelle und Konsumenten wegen 2g Gras zu ficken ist einfach ein Dulli und verdient nen Disstrack.

Was möchtest du mit dem Album bei deinen Hörern auslösen?

Dass sie sich krass fühlen, wenn sie meine Musik auf den Kopfhörern hören. Meine Musik ist ein dauerhafter Egoboost, da geht’s nicht um Inhalt oder lyrischen Anspruch.

Was kaufst du dir von deiner ersten Million?

Wenn ich ne Mille hab, dann mach ich miese Geschenke an meine Eltern.

Wird es eine Album-Release-Show geben?

Nein, das nicht wirklich. Allerdings trete ich am 27.04.2019 live bei Gefangen in 38 im Stereowerk in Braunschweig auf. Dort werd‘ ich Tracks vom neuen Album spielen und zusammen mit den Leuten Party machen.

Was sind deine kurz- und langfristigen Zukunftspläne?

Ein geiles Leben führen ist immer noch das langfristige Ziel. Kurzfristig halt mehr Shows, mehr Videos, mein Team voranbringen, meine Firma größer machen, mehr gut essen gehen, mehr Taxi fahren, mehr alles.

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