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Hip-Hop 24/7 – Der Braunschweiger Rapper Eins A im Interview

Am 7. Juni erscheint seine EP „Gut gemacht“, die Stellung bezieht und Werte vermittelt

Braunschweig ist die Base von Eins A, auch wenn das Video zu seiner neuen Single „Gut gemacht“ in Catania auf Sizilien gedreht wurde. Foto Graziano Piazza

Als „Ruff, rugged und raw. Ehrlich und erwachsen“ beschreibt der Braunschweiger Rapper Eins A seinen Sound. Hauptberuflich gibt er mit dem sozialen Projekt „Rapflektion“ deutschlandweit Rap-Workshops. Eine gute und wichtige Sache. „Gut gemacht“ ist auch seine neue EP, die ab dem 7. Juni 2019 erhältlich ist. Szene38 sprach mit dem engagierten und kritischen Rap-Teacher.

In seinen Songs reflektiert der Rapper Eins A größtenteils alltägliche soziale, gesellschaftliche und selbstkritische Dinge. Foto: Graciano Piazza

Andreas, wie, wann und warum bist du zur Musik gekommen?

Ich denke bei vielen Musikern ist die Geschichte ähnlich. Man hört jeden Tag Musik und hat dann Bock mal selber was auszuprobieren. Gerade im Genre Rap, wo man viel mit Worten jonglieren kann, war dies sicherlich ein interessanter Punkt. Ich hab damals auch schon viel Rap gehört und man wollte es seinen „Idolen“ gleichtun. Ein Freund hatte damals dann seinen ersten Rap aufgenommen und das wollte ich dann als 16-jähriger Jungspund auch. So kam dann eins nach dem anderen. Man hatte zwar keine konkrete Zielverfolgung, aber die Leidenschaft zum Texten und Rappen war somit geboren.

Wie ist dein Künstlername entstanden und was bedeutet dieser?

Mein Künstlername gab mir damals ein Freund nachdem ich irgendeine scheinbar coole Aktion als Jugendlicher vollbracht habe. Ich weiß nicht mehr was es war, aber seine Worte waren darauf: „Das wahr voll Eins A!“ Mein Vorname beginnt auch mit A und fand ihn darum passend für mich anzunehmen. Wenn ich produziere nenne ich mich einfach nur Einsi.

Was bedeutet dir Hip-Hop und welche Rolle spielt er in deinem Leben?

Hip-Hop spielt in meinem Leben eine wirklich große Rolle, wobei das Element Rap im Fokus steht. Seitdem ich selber texte und rappe ist dadurch natürlich eine noch größere Liebe entstanden. Ich bin Gott sei dank noch mit Rap groß geworden wo die Rapper noch mehr Werte vermittelt haben als heutzutage und das war natürlich prägend für mich. Rapper wie Dendemann oder Nico Suave waren neben meinen Eltern meine ersten Lehrer in Sachen Ethik und Moral. Eimsbush oder Freundeskreis zeigten mir damals den Zusammenhalt der durch Hip-Hop entstehen kann. All das hat mir gezeigt wie groß Hip-Hop ist.
Hauptberuflich gebe ich mit dem sozialen Projekt „Rapflektion“ deutschlandweit Rap-Workshops, getreu nach dem Motto „Each one teach one“. Man kann also sagen dass Hip-Hop bei mir 24/7 präsent ist.

Wie würdest du deinen Sound beschreiben?

Ruff, rugged und raw. Ehrlich und erwachsen.

Wie viel Songs hast du bereits veröffentlicht?

Die genaue Anzahl an Songs weiß ich nicht, aber ich habe bis jetzt zwei Alben zusammen mit Akme veröffentlicht und eine EP mit dem Braunschweiger Produzenten Wllet. Am 7. Juni 2019 kommt meine neue EP „Gut gemacht“ mit Akme.

Um was geht es in deinen Songs?

Größtenteils um alltägliche soziale, gesellschaftliche und selbstkritische Dinge. Ich versuche über das zu schreiben was mich einfach im Alltag beschäftigt und welche Sicht der Dinge ich zu manchen Themen habe. Ich achte aber darauf nicht den Moralapostel zu spielen. Wenn ich schreibe setze ich mich aber auch automatisch mit mir auseinander und versuche in einen reflektierenden Prozess zu kommen. Klar, schreibe ich auch manchmal locker flockige Sachen, aber mir ist es schon wichtig auch was sagen zu können.

Wie wichtig ist es dir in deinen Texten Werte zu vermitteln?

Sehr wichtig. Jeder hat eine Verantwortung gegenüber seinen Nächsten. Ich kann Leute verstehen die sagen: „hey, wenn ich von der Arbeit komme und Musik höre, dann möchte ich auch mal abschalten und nicht noch das politisch korrekte Gebrabbel von einen Rapper hören!“ oder so ähnlich. Ich zum Beispiel bin ein sehr positiver, lebendiger und lustiger Mensch im Alltag und nutze die Musik dann eher um mich mit ernsten Sachen auseinander zu setzen. Was man beim Musik konsumieren meist nicht bedenkt ist, dass alles dich beeinflussen kann, sei es auch nur im Unterbewusstsein.

Die Wirkung von Musik sollte man also nicht unterschätzen?

Musik wirkt sich auf jeden Fall aus und das bei jedem. Wenn man dann mal bedenkt, dass man sich bspw. jeden Tag Texte über Gewalt, Sex und Drogen reinzieht, sehe ich dass schon kritisch. Ich finde zudem dass es gerade heutzutage wichtig ist mehr Verantwortung in seinen Texten zu übernehmen.  Bei meiner Arbeit mit Jugendlichen wo fast 90 Prozent der Schüler modernen Rap hören ist die Relevanz meiner These sehr deutlich erkennbar.

Wie wichtig ist dir Gesellschaftskritik?

Bei konkreter Gesellschaftskritik muss man sehr vorsichtig sein, da man schnell in die Phrasendrescherei rutscht oder alle über einen Kamm schert. Ist mir sicherlich auch schon passiert. Oftmals spiegelt sich dann auch gefährliches Halbwissen wieder und das mag ich nicht so. Ich versuche bestmöglich darauf zu achten Gesellschaftsthemen erst zu kritisieren wenn ich mich mit der Thematik auch auskenne oder wenn es sich um offensichtliche Tatsachen handelt.

Von wem oder was lässt du dich für deine Texte inspirieren?

Wie jeder authentische Rapper antworten würde: „Vom Leben!“

Wie wichtig ist Produzent Dario „Akme“ für deine Songs?

Akme und ich sind schon sehr lange befreundet und ich liebe seine Art zu produzieren. Wie er Samples flippt und wie gut er sich mit Drums auskennt. Er ist mein musikalisches Fundament und mitverantwortlich für meine musikalische Entwicklung. Wir haben einen eigenen Sound kreiert, sind stets auf einer Wellenlänge und das ist für mich einfach sehr viel Wert. Ohne ihn wär ich nicht der Rapper der ich heute bin.

Um was geht es in „Gut gemacht“?

Der Song handelt von Menschen und Rappern die uns eine authentische reelle Welt in ihren Texten und Videos vermitteln wollen ohne dabei die Auswirkungen ihres Handelns zu reflektieren. Es geht um Schwätzer und Schaumschläger, um Sexisten, um Gewalt- und Drogenverherrlichende Rapper die dreister weise noch meinen ein Vorbild für die Jugend zu sein. Doch in Wahrheit geht es ihnen nur darum sich selbst zu inszenieren.

Wo wurde das Video gedreht und was ist die Idee dahinter?

Das Video wurde in Catania auf Sizilien, Italien gedreht. Ich kenne die Hip-Hop Szene auf Sizilien sehr gut und bin mit vielen Größen dort eng befreundet. Bevor ich im April dorthin geflogen bin habe ich mich gefragt was wohl mein Freund Luka Elfo dazu sagen würde, wenn ich ihn frage warum auf Sizilien keine Rapper Pistolen in ihren Videos zeigen, obwohl sie mühelos das kriminelle Block- und Ghettoleben dort repräsentieren könnten. Im Gegensatz zu manchen Städten in Deutschland herrscht in Catania eine reale Problematik mit kriminellen Drogenbanden oder der Mafia die gerne auch mal von der Schusswaffe Gebrauch machen. Dadurch dass sie dort diese Realität erleben, werden Waffen automatisch nicht verherrlicht und stets als negativ betrachtet. Elfo ist momentan die wichtigste Stimme in Sachen Rap auf Sizilien und deswegen war es mir wichtig dass er ein kleines Statement von sich gibt.

Wer sind deine musikalischen Vorbilder?

Vorbilder würde ich nicht mehr sagen, da ich niemanden hinterher eifere. Inspiriert bin ich von der Attitüde her definitiv von Method Man, Sean Price von der Dopeness und musikalisch von Akme. Das sind die Grundpfeiler, wenn ich an reale MCs denke – und dieses Gefühl schwappt bei mir dann gerne über. Es gibt aber viele großartige Künstler die ich respektiere für ihre Musikalität. Ich werde im jeden Fall auch noch andere Sachen ausprobieren.

Wie beurteilst du deutschen Gangsta-Rap?

Nicht erwachsen. Ich finde man kann ja Gangster-Rap machen. Gehört ja auch zum Rap dazu. Ich finde es kommt aber immer darauf an, wie man etwas darstellt. In Deutschland ist leider alles zu überspitzt. Es gibt auf jeden Fall Rapper die kriminell waren oder sind und deren Authentizität möchte ich ihnen gar nicht absprechen. Jemand, der aber im Knast saß für seine Taten, dann raus kommt und immer noch unreflektierten Blödsinn erzählt, repräsentiert für mich nicht die Straße sondern seine Dummheit. Gangster-Rap sollte in meinen Augen nicht verherrlichen sondern auf soziale Missstände aufmerksam machen und erklären warum Menschen zu manchen Taten bereit sind. Bestenfalls hat man noch eine Lösung parat. Aber einfach stumpfsinnig darüber zu rappen dass man Leute verprügelt, Frauen erniedrigt oder gar vergewaltigt und das auch noch cool findet oder so ist einfach nur dämlich. Das Thema ist aber noch viel komplexer und ich kann hier leider nicht alle Punkte auflisten.

Welche Rolle spielt Braunschweig in deinem Leben?

Braunschweig ist die Base. Hier habe ich meine ersten Auftritte gehabt, mich austauschen können, großartige Menschen kennen lernen dürfen und viel Liebe erfahren. Ich bin erst seit kurzem richtig hierher gezogen, habe hier aber meine Jugend ausgelebt und mich musikalisch entwickeln können. Ich fühlte mich schon immer hier zu gehörig und habe als Künstler immer Braunschweig represented.

Was sind deine kurz- und langfristigen Ziele als Musiker?

Einfach immer Musik machen zu dürfen. Ich möchte bald mein erstes Album veröffentlichen, wo ich alles selber produziert habe. Möchte viele andere Künstler pushen dürfen und hoffe dass man zumindest deutschlandweit mehr Reichweite bekommt.

Wann und wo kann man dich das nächste Mal live erleben?

Am 28. Juni2019 spiele ich zusammen mit meinen Freund Koli beim Altstadtfest in Salzgitter Bad.

Deine Top 5 Rap-Alben?
  • O.S.T.R. – „Jazz w wolnych chwilach“
  • Method Man – „Tical 2000 Jugdement Day“
  • Redman – „Muddy Waters“
  • Eins Zwo – „Gefährliches Halbwissen“
  • Gangrene – „Gutter Water“
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