5. Februar 2021
Interview

Fit bleiben – mit virtuellen Live-Kursen

In einem Interview erzählt uns Evelyn Bruns, Fitnessökonomin und Sport- und Gesundheitsmanagerin, von ihrer sportlichen Idee.

Live-Sport für Zuhause. Foto: Jonathan Borba / Unsplash

Live-Sport für Zuhause. Foto: Jonathan Borba / Unsplash

Die Pandemie und der entsprechende Shutdown verändern weiterhin unsere alltäglichen Routinen. Kein Friseur, keine Freizeitaktivitäten und auch kein Fitnessstudio. Seit Wochen müssen die beliebten Sportzentren (mal wieder) geschlossen bleiben, wo doch gerade jetzt – unfreiwillig – genügend Zeit für eine sportliche Ablenkung vorhanden wäre. Es ist also wenig überraschend, dass auf Social-Media-Plattformen wie TikTok, Instagram und YouTube die Fitness-Tutorials für Home Workouts nur so boomen. Pamela Reif & Co. zeigen euch effektive Übungen für Zuhause und zum Nachmachen. Doch live und in Farbe sind diese nicht.

Evelyn Bruns, M.A. in Sport- und Gesundheitsmanagement, ist Fitness-Trainerin bei Roto-Fitness. Sie hat uns in einem Interview erklärt, warum diese Videos auch Risiken mit sich bringen können und wie ihre Idee die Lösung dafür ist.

Evelyn, stell‘ dich und deine Arbeit doch bitte mal vor. 

Ich bin 31 Jahre alt und habe 2008 mit meiner Arbeit im Fitnessstudio und dem Studium angefangen. Mittlerweile ist der Sport zwar nur noch mein Nebenberuf, aber ein wichtiger Bestandteil meines Alltages. Neben administrativer Unterstützung und Social-Media-Aktivitäten arbeite ich im Fitnessstudio in Königslutter hauptsächlich als Kurstrainerin. Nach fast 13 Jahren habe ich viele Kursausbildungen abgeschlossen und viele Trends mitgemacht.

Auch ihr seid von den pandemiebedingten Maßnahmen betroffen. Vorschläge wie Einzeltermine & Co. sind nicht erlaubt. Kannst du uns erklären, warum ihr als Fitnessstudio genau geschlossen haben müsst?

Tatsächlich wurden wir erst gestern auf einen interessanten Beitrag aufmerksam gemacht, dessen Thematik auch uns betreffen könnte und mit der wir uns deshalb auseinandersetzen werden. Deswegen können wir dazu erstmal noch nichts weiter sagen. Wir hoffen aber, dass auch wir unser Studio stundenweise an Einzelpersonen untervermieten können.

Welche Einbußen machen sich bei euch bemerkbar?

Aufgrund dessen, dass unsere Mitglieder monatelang unsere Leistungen nicht in Anspruch nehmen konnten, sind leider vergleichsweise viele Kündigungen eingegangen. Es ist auf Dauer natürlich auch schwer zu sagen, ob und wann Fitnessstudios oder generell auch andere Einrichtungen wieder dauerhaft öffnen dürfen. Außerdem hoffen wir natürlich, dass im Laufe des Jahres keine erneute Schließung auf uns zukommt. Das hängt von den unberechenbaren Infektionszahlen ab.

Verträge für Fitnessstudios werden in der Regel mit einer längeren festen Laufzeit abgeschlossen – so auch bei euch. Beschweren sich Mitglieder bei euch bezüglich der Beitragszahlungen?

So weit lassen wir es gar nicht erst kommen. Wir bieten unseren Mitgliedern zum einen die Möglichkeit, die „verpassten Monate“ kostenfrei an die ursprüngliche Laufzeit anzuhängen. Zum anderen stellen wir auch Gutscheine über die entsprechende Summe aus, die die Mitglieder frei nutzen können, sprich entweder für sich selbst, um eigene Zahlungen aussetzen zu können oder aber für Freunde, die somit kostenfrei mit trainieren können – natürlich, wenn es wieder sicher ist.

Außerdem haben wir für die extremen Monate Dezember und Januar keine Mitgliedschaftsbeiträge eingezogen. Unserer Meinung nach liegen hier die finanziellen Belastungen mit dem Geschenkekauf im Dezember und mit den jährlichen Abzügen im Januar sowieso schon über den Durchschnitt. Da möchten wir es unseren Kunden nicht noch schwerer machen.

Das klingt nach weiteren Kosten und Einbußen eurerseits …

Ja, das stimmt. Um ehrlich zu sein, können wir auch noch nicht sagen, wie es im Februar und März aussehen wird. Die Entscheidung um eine Lockdown-Verlängerung steht auch noch aus.

Bietet ihr euren Mitgliedern im Zuge dessen sportliche Alternativen an? Und wenn ja, welche?

Tatsächlich ja: Wir geben virtuelle Live-Kurse seit November. Und nein, wir filmen nicht nur die Übungen ab und laden sie zum Streamen irgendwo hoch, sondern trainieren live und face-to-face vor einem Bildschirm.

Live-Kurse – kannst du das genauer erklären?

Gern. Wir möchten mit unseren Trainingsvideos und Tanzchoreographien einen gewissen qualitativen Standard für unsere Mitglieder und den sozialen Kontakt halten. Unserer Meinung nach ist dieser mit reinen Streaming-Videos nicht gegeben.

Wir veranstalten unsere Live-Sessions per Zoom. Quasi veranstalten wir eine Videokonferenz und nutzen diese für Sport. So kann der Trainer, in diesem Fall ich, direkt eingreifen und Tipps geben. Denn falsche Ausführungen einer Übung können ernsthafte, gesundheitliche Konsequenzen mit sich bringen, weswegen direkte Korrekturen so wichtig sind. Diese sind bei YouTube-Videos & Co. nicht möglich. Für Zoom gibt es selbstverständlich auch eine Instruktion von mir, damit alles glatt geht und sodass hier auch die Scheu vor dem Digitalem genommen wird.

Dadurch ist auch eine engere Connection zu euren Mitgliedern gegeben …

Absolut! Durch die zwar digitale, aber dennoch direkte und persönliche Kommunikation ist ein ganz anderes Gefühl gegeben, als bei vorgedrehten Übungen allein vor dem Bildschirm. Quasi ein Stück mehr Alltag.

Zudem können nicht nur Mitglieder unseres Studios an den Live-Kursen teilnehmen. Auch Interessierte ohne Mitgliedschaft können sich gern bei unseren Kursen eintragen! Die Anmeldung erfolgt über unsere Social-Media-Kanäle. Bei Fragen sind wir natürlich auch darüber oder eben über die üblichen Kontaktmöglichkeiten zu erreichen.

Was kostet eine Session?

Die Live-Kurse sind im Mitgliedschaftsbeitrag inklusive. Und auch für alle Nicht-Member sind diese erst einmal kostenlos und freuen uns über jeden Teilnehmer, der bei uns mitmachen möchte. Wir möchten erstmal sehen, wie sich das Projekt weiter entwickelt. Über kleine Spenden für die Mühen würden wir uns natürlich sehr freuen.  Aber in erster Linie möchten wir so viele Menschen wie möglich motivieren.

Welche Kurse bietet ihr genau an?

Wir entscheiden von Woche zu Woche individuell, wie der Kursplan aussehen soll. Wir bieten unter anderem folgende Kurse an: Body Complete, Strong, Fatburner, Zumba und Langhanteltraining, Yoga und mehr. Seit neuestem haben wir auch einen neuen Trend mit aufgenommen – und zwar Hula Hoop.

Und wie sieht das bisherige Feedback aus?

Super! Die Kurse sind tatsächlich besser besucht, als anfangs gedacht. Das bringt natürlich direkt einen größeren Spaßfaktor und auch eine höhere Motivation – sowohl bei uns als auch bei den Teilnehmenden.

Wie schätzt du die Langzeitfolgen ein?

Sicherlich bringt die gesamte Situation gesundheitliche Folgen mit sich. Klar, bei falschen Ausführungen können körperliche Gefahren entstehen. Aber man sollte nicht vergessen, dass auch die Psyche darunter leidet, wenn die sozialen Kontakte fehlen. Zu zweit oder unter Freunden, unter Gleichgesinnten oder im Team macht der Sport am meisten Spaß. Es ist es nicht von der Hand zu weisen, dass der körperliche Erfolg von der Motivation abhängt.

Last but not least: Was wünschst du dir am meisten?

Gesundheit. Ich wünsche mir am meisten, dass all‘ unsere Mitglieder von Jung bis Alt die aktuelle Zeit gesund überstehen und wir uns alle bald wiedersehen. Natürlich wünsche ich mir auch, dass unser Studio bald wieder öffnen kann – aber das ist die wirtschaftliche Sicht. Denn was ist ein Fitnessstudio ohne seine Mitglieder? Und die Rückkehr des alltäglichen Lebens hängt von den Infektionszahlen ab. Also wünsche ich mir schlichtweg für uns alle – Gesundheit.

Roto-Fitness Königslutter

Website: www.roto-fitness.de

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