Der Braunschweiger Rapper Disa im Interview

Mit „Teilsteils“ veröffentlicht er seine starke neue Single auch als YouTube-Video

Disa steht für modernen Boombap mit stellenweise viel Metaebene und Dopness in den Lyrics. Foto: Privat

Linus, wie, wann und warum bist du zur Musik gekommen?

Meinen allerersten Kontakt mit HipHop-Musik hatte ich im Kinderzimmer. Bis ich etwa elf war, teilte ich mir ein Zimmer mit meinem sechs Jahre älteren Bruder. Natürlich hatte er die Macht über TV und Tapedeck. Wenn ich mich versuche an die Zeit zu erinnern, habe ich Mulder und Scully vor meinen Augen und höre Beats, die ich heute RZA bzw. dem Wu-Tang Clan zuordnen würde. Rückblickend hatte ich natürlich keinen Schimmer was das eigentlich war. Beeinflusst hat es mich aber sicherlich.
Vom Geld seiner Konfirmation kaufte sich mein Bruder zwei Plattenspieler plus Mixer. Da fing für mich eigentlich alles an. Mit 12 oder 13 Jahren gab ich mir den Namen Disasta. Ich zerstörte gefühlt alle Platten beim Scratchen und fand den Namen deshalb irgendwie passend und witzig.
Nach ein paar Jahren hat mir das nicht mehr gereicht und ich wollte selber Rappen, Beats bauen, Scratches machen, Produzieren…also besten alles auf einmal machen. Mit etwa 18 habe ich die Entscheidung getroffen mich auf Rap zu fokussieren.

Wie ist dein Künstlername entstanden und was bedeutet dieser?

Disa ist letztlich ein Überbleibsel aus dieser Zeit. Weniger sperrig auszusprechen, etwas weniger Disaster als früher aber immer noch ich natürlich. Klingt nach wie vor schlüssig, wenn ich so drüber nachdenke.

Wie würdest du deinen Sound beschreiben?

Das ist natürlich immer davon abhängig mit wem man auf der Produzentenseite zusammenarbeitet. Das letzte eigene Release, die 2018 erschiene EP „extra Aufgeräumt“, ist in Zusammenarbeit mit KidKapone entstanden und klingt nach unverstaubten in die heutige Zeit transportiertem Boombap, mit stellenweise viel Metaebene und (hoffentlich) Dopness in den Lyrics.

Wie viel Songs hast du bereits veröffentlicht?

Schwierig da eine klare Grenze zu ziehen . Also wenn man lange genug sucht findet man sicherlich so 30-40 Tracks im Netz. Auf Festplatten im Freundeskreis vermutlich nochmal locker das doppelte. Veröffentlicht via CDs, Streamingdiensten oder Youtube wurden etwa 20 Songs bis heute.

Teilsteils“ ist dein neuester Song. Was ist die Botschaft dahinter?

Schwierig. Als ich die Zeilen geschrieben habe, hatte ich nicht den Wunsch eine plakative Botschaft rauszuhauen. Ich denke der Song spricht von der Ambivalenz, die in mir in Interaktion mit einer noch ambivalenteren Umwelt wütet.

Wie wichtig ist die Gesellschaftskritik?

Als Bürger natürlich ultimativ wichtig. Wichtiger ist es allerdings nicht pauschal dabei zu werden.

Wo wurde das Video gedreht und welche Rolle spielt Braunschweig in deinem Leben?

Die Hauptspots waren der geliebte Basketballcourt am Amalienplatz und irgendein Hinterhof im Westlichen Ringgebiet. Mein guter Freund Eins A und ich sind einfach drauf los, haben passende Spots gesucht und einfach mal gemacht. Allerdings wusste ich vorher dass es ein Schwarzweiß-Video werden soll. Braunschweig ist die Stadt in der ich geboren, verwurzelt und aufgewachsen bin. Ich mag es sehr hier leben zu dürfen. Ich hege allerdings keine großen Stadtpatriotistischen Gefühle. Auf Sportebene freue ich mich natürlich trotzdem immer wenn Braunschweig oben steht.

Teilsteils“ klingt wie ein guter alter, knochentrockener Track der legendären Gang Starr. Gibt’s es Parallelen zum New-Yorker-Kult-Hip-Hop-Duo?

Nein eigentlich nicht. Ich habe in meiner Jugend gerne „Moment of Truth“ und Guru´s Jazzmatazz gehört. Primo war für mich der erste Produzent dem ich Instrumentals direkt zuordnen konnte wenn ich sie hörte. New York City ist, auch weil ich riesengroßer NBA-Basketballfan bin, eine ganz besondere Stadt für mich.

Wer sind deine musikalischen Vorbilder?

Ich habe immer versucht einen eigenen Style zu entwickeln. Für mich stand es nie zur Debatte Zeit darin zu investieren Flow- oder Reimschemata, die mich irgendwie mal geflasht haben nachzuahmen. Genauso wenig wie die Art Wörter zu betonen kopierenswert wäre. Ich finde das sinnlos.

Von wem oder was lässt du dich für deine Texte inspirieren?

99% von Beats und was für Stimmungswolken und Wörter sie in mir erzeugen. Der Rest ist Zufall.

Mit wem würdest du gerne einmal zusammenarbeiten?

Mit Gregg Popovic, einem der erfolgreichsten NBA-Basketballtrainer. Die Frage war vermutlich anders gemeint, aber da habe ich keine konkreten Namen im Kopf – oder so viele das es den Rahmen sprengen würde.

Wie würdest du dich und deinen Lifestyle beschreiben?

Entspannt und angespannt, überlegt und impulsiv, Gutmensch und Misanthrop, angepasst und unpässlich, glücklich und traurig, Leben und leben lassen, hinterfragend, optimistisch, suchend, ..

Was sind deine kurz- und langfristigen Ziele als Musiker?

Heutzutage gibt es mehr gute Rapper als jemals zuvor. Meine Antihaltung gegenüber dieser anbiedernden „Bitte gebt mirn Like und lasstn Comment da“-Mentalität bietet wenig fruchtbaren Boden für ein wachsendes Hörerforum in Socialmedia-Zeiten. Ziel muss es darum sein, besser als die Allermeisten in meiner Nische zu rappen, um den Leuten einen guten Grund zu geben meine Tracks zu hören und nicht andere. Dann wird von alleine geteilt und empfohlen.

Welche Songs stehen auf deiner All-Time-Top 5-Playlist?

Masta Ace „Acknowledge“
Nas „Illmatic“-LP
Methodman „Tical“-LP
Big Pun „Beware“
Eminem „Kill you“
Street Smartz „Don’t Trust Anyone“
Busta Rhymes „The Coming“-LP

^