Das Braunschweiger Restorchester live im Schloss

Tragikomik und Feinsinn: Das Orchester spielt einen Mix aus Chanson, Tango und Polka - Interview mit Frontmann Jens Müller.

Die Songs von Jens Müller blicken auf unseren Alltag mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Eine ganz spezielle Mischung aus Nachdenklichkeit und Schmunzeln. Foto: Privat

Bei der Veranstaltungsagentur Undercover war Jens Müller fast zwei Jahrzehnte lang im Presse- und Marketingbereich tätig. Seit einiger Zeit beschreitet der Braunschweiger nicht nur beruflich, sondern auch musikalisch neue Pfade. Neben seiner Mitarbeit als Bassist bei den Cover-Spezialisten Silent Radio, ist Müller mit seinem Restorchester produktiv. Anfang März wird das dritte Album mit renommierten Berufsmusikern live eingespielt. Wir unterhielten uns mit dem Sänger, Texter und Gitarristen.

Jens, wie würdest du das Restorchester 2019 in ein paar Worten beschreiben?

Nach dem mitreißenden Konzert im Roten Saal vor zwei Jahren mussten wir einfach hierher zurückkommen. Ein tolles Ambiente, das perfekt zu unserer Mischung aus Songs zwischen Chanson, Polka und Tango mit feinsinnigen, tragikomischen Texten passt.

Was ist das Besondere am neuen, dritten Album?

Voriges Jahr, als die Stücke entstanden, war es ja ein sehr langer und heißer Sommer. Und durch die geöffnete Balkontür wehten ab und zu Gipsy-Jazz und Charleston aus dem Park herein. Irgendwie hat sich das in den Songs nieder geschlagen, – die sind diesmal noch heißblütiger und beschwingter. Zudem ist die Klangpalette noch bunter geworden, da ist alles dabei von Banjo bis Glockenspiel und von Singender Säge bis Ukulele. Ganz besonders freue ich mich, dass unser Bandkollege von Silent Radio, Rainer Tacke, bei einigen Songs als Gast an der Geige dabei sein wird.

Warum wollt ihr es diesmal live in einer großen Bandbesetzung aufnehmen?

Nach „Auf der Durchreise“ und „Alles muss raus“ wird das neue Album das erste, das von vornherein in der großen Bandbesetzung aufgenommen wird. Beim letzten Mal hatte ich die Songs bereits vorab allein aufgenommen, erst dann stießen die anderen dazu und ergänzten ihre Parts. Nach den mitreißenden gemeinsamen Auftritten wollte ich einfach diese tollen Musiker näher einbinden und ihnen mehr Freiraum geben.

Welche Vor- und Nachteile ergeben sich daraus?

Musiker wie Lars Plogschties am Schlagzeug, Sebastian Brand am Kontrabass, Michael Mau an Gitarre und Banjo oder Geza Gal an Trompete und Akkordeon sind als sehr renommierte Berufsmusiker einfach sehr stark eingebunden in vielen Projekten, zudem kommen sie aus unterschiedlichen Städten wie Lüneburg und Göttingen. Wenn man die dann schon mal alle zusammen zum Proben hat, dann will man auch gleich Nägel mit Köpfen machen (lacht).

Auf dem Vorgängeralbum „Alles muss raus“ drehten sich die Texte um die kleinen und großen Fluchten aus dem Alltag, um Ängste und um Erwartungshaltungen. Um was geht es in den neuen Songs?

Ich hab diesmal über 30 Lieder geschrieben, aus denen sich jetzt 12 herauskristallisiert haben, die irgendwie ein Ganzes ergeben und sich direkter, zupackender und sehr aktuell anfühlen. Die letzten zwei, drei Jahre waren weltweit sehr politisch bewegte Jahre, – das hat sich auch in meinen Texten niedergeschlagen.

Welche Rolle spielen diesmal Melancholie und Komik?

Meine Lieder haben eigentlich immer diesen Blick auf den Alltag. Und zwar mit einem lachenden und einem weinenden Auge, diese Mischung aus Nachdenklichkeit und Schmunzeln. Auch wenn sie jetzt politischer sind, – platte Parolen wären mir zu flach.

Was erwartet ihr, was den Besucher am 2. März?

Es wird ein mitreißendes Konzert, bei dem eben auch ganz nebenbei aufgenommen wird. Da muss aber niemand Angst haben. Das wird eine ganz lockere Angelegenheit. Wir sind schon den ganzen Tag davor im Roten Saal zum Proben und dann gut eingespielt. Klatschen und tanzen ist trotzdem erlaubt.

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