3. September 2015
Kunst & Kultur

„Ich mach‘ doch nur Spaß!“ – Enissa Amani verzaubert KulturImZelt-Publikum

Wenngleich niemand vor ihren derben Witzen gefeit ist: Einige Themen nimmt Enissa Amani sehr ernst. Für Flüchtlinge und ein weltoffenes Klima macht sie sich ausgesprochen stark. Foto: Facebook / facebook.de/enissa.amani / oh.

„Die süßeste Versuchung, seitdem es Comedy gibt“: Mit diesen Worten wird die deutsch-persische Komikerin Enissa Amani nicht nur vielerorts angekündigt, so beschreibt sie sich auch gerne selbst. Die hübsche Iranerin verzauberte am Dienstag das Publikum des KulturImZelt-Festivals mit ihrem aktuellen Programm.

„TV total“, „NightWash“ oder auch „RTL Comedy Grand Prix“: Die Kölnerin hat innerhalb kürzester Zeit einen kräftigen Sprung in der Comedy-Szene gemacht – dennoch ist sie sichtlich beeindruckt, als sie mit unterstützendem Saallicht auf das ihr entgegenstrahlende Publikum im großen Zelt des KulturImZelt-Festivals blickt. Die Show: Ausverkauft. „Die Geschichte von Enissa Amani ist wahrlich ein Aschenputtelmärchen“, hatte sie Initiatorin Beate Wiedemann zu Recht angekündigt. Ursprünglich den Journalismus im Blick – kam sie eher zufällig in die Stand-Up-Szene. Mit Erfolg.

Selbstbewusst lief sie in ihren zwei Showparts zu Rapklassikerin wie „Hypnotize“ von Notorious B.I.G. und „Ante Up“ von M.O.P. ein – die Botschaft: Die selbsternannte „Dschihad-Pocahontas“ hat es in sich. „Wie ist das Oberteil, zu nuttig für Braunschweig?“: Schnell machte sie klar, wohin die Reise geht. Nebst reichlich derben Witzen übrigens ausführlich in die Kultur ihrer Heimat. Eine Lehrstunde über Perser. „Kennt ihr Perser in Braunschweig…fahrt ihr hier viel Taxi?“ Ob Reiseeigenheiten („Die Flugzeuge, die die Russen aussortieren – kaufen die Iraner gerne noch auf“), kulturelle Eigenheiten („Wir sind der Hotspot für Nasen-OP’s“) bis hin zu ursprünglichen Jobplänen: „Eigentlich wollte ich ja Frauenrechtlerin im Iran werden…dann hätte ich allerdings den ganzen Tag frei gehabt.“ Auch der Berufswunsch „Terroristin“ hätte nach dem Abi im Raum gestanden, schmunzelte sie. „Man reist viel, hat viel mit Menschen zu tun. Der Nachteil: Auf mich warten 72 Jungfrauen. Was soll ich mit denen machen, Haare flechten? Schminktutorials?“ So tief die Schläge auch zwischendurch eingeflogen kamen – der Saal tobte. „Ich mach‘ doch nur Spaß!“, schob sie unregelmäßig ein und lächelte bezaubernd von der Bühne.

Auch politische Themen spielten eine Rolle. „Sind Nazis hier? Bitte mal die rechte Hand heben.“ NPD-Wahlplakate nahm sie als Steilvorlage mit in den Abend. Auf einem sei zu lesen: „Ist der Ali kriminell, in die Heimat aber schnell!“ Amani dazu: „Sie lachen – in Mecklenburg-Vorpommern gab es dafür Applaus.“ Kein Schimpfwort war zu hart, um es nicht ebenfalls zu integrieren. Der „Bastard“ wurde hier salonfähig, die „Bitches“ selbstverständlich.

Ein Gast schrieb ihr kurz vor der Show auf ihre Facebook-Fanseite. Anlass genug, um ihn während des laufenden Programms ausfindig zu machen. Er meldete sich zwar leider nicht – ihren passenden Scherzen tat dies keinen Abbruch. Überhaupt integrierte sie völlig selbstverständlich Gäste in ihr Programm. Echte Buddys eben. Der Abend muss, auch für Enissa Amani, so gemütlich gewesen sein, dass im Grunde gar kein Ende gewünscht war. Die geplante Showlänge wurde deutlich erweitert – wäre sie nicht irgendwann vom schlechten Gewissen eingeholt wurden, hätte sie vermutlich noch einige weitere Stunden das beeindruckend gemischte Publikum unterhalten. Mit hoher Pointendichte.

Zum Abschluss gab es noch eine Empfehlung für „RebellComedy“. Auch Amani ist Teil der jungen Stand-Up-Mix-Show, die am 20. September in der Brunsviga gastiert. Für all die Dschihad-Pocahontas-Fans: Es könnte es ein schnelles Wiedersehen in der Löwenstadt werden.

Auch interessant