14. März 2022
Lifestyle

Hier muss jeder Stich sitzen: Tattoo-Messe in Braunschweig

Tätowierer zeigen, was sie drauf haben, Tätowierte drücken ihre Kreativität in ihren Wünschen aus: Beides kommt bei der Tattoo-Messe zusammen.

Christina Müller lässt bei der Tattoo-Messe in Braunschweig ihren rechten Unterarm mit einem Tiger bemalen. Foto: Katharina Keller

Christina Müller lässt bei der Tattoo-Messe in Braunschweig ihren rechten Unterarm mit einem Tiger bemalen. Foto: Katharina Keller

Von der lauten Musik und den vielen Zuschauern zeigen sich die Tätowiererinnen und Tätowierer unbeeindruckt – und das sollten sie lieber auch: Denn sie bringen an diesem Wochenende zum ersten Mal im Lokpark Farbe unter die Haut, mal großflächig, mal überschaubar. Und da muss jeder Stich perfekt sitzen, schließlich lässt sich ein solches Tattoo nicht so einfach rückgängig machen.

Am Sonntagmittag hat sich vor dem Eingang schon eine kleine Schlange gebildet, alles dauert dieser Tage etwas länger, muss doch erst noch der Impfstatus kontrolliert werden. Die meisten Besucher wollen sich gleich tätowieren lassen – oder zumindest Inspiration finden. „Viele Tätowierer kommen aus Braunschweig, einige aber auch von weiter weg“, berichtet Pressesprecher Dirk Boris Rödel. So hätten viele Spaß, auch mal spontan zu zeichnen – „das ist doch Oldschool, so wie bei den Matrosen früher“, findet Rödel, der den Leuten rät, sich die Arbeiten anzuschauen: „Es muss passen“.

In der Halle selbst sind zwei lange Bahnen aufgebaut, Tisch an Tisch. Die Künstler stellen ihre Arbeiten vor – Wannados werden diese auch genannt. Das sind Werke, die die Tätowierer gerne ausprobieren würden. Auf Folien sind da realistische Dinge zu sehen wie Tiere, Herzen. Aber auch Fabelwesen. Meist sind es kleine Zeichnungen, sodass auch viele Besucher an die Reihe kommen können.

Bild für das gesamte Bein

Anders gelagert ist dieser Fall: Miriam Voges aus Liebenburg hat gemeinsam mit Tätowierer Saeed Panahandegar, der sein Studio in der Braunschweiger Kastanienallee hat, ein Bild für das gesamte Bein entworfen. Die 17-Jährige liegt auf einer Liege. Die Wade ist schon bunt bemalt, natürlich ist die Haut gerötet. Am Samstag starteten die beiden das Großprojekt, das mehrere Stunden dauert. Am ersten Tag war Panahandegar fünf Stunden nur damit beschäftigt, am Sonntag kommen noch einmal sechs, sieben Stunden obendrauf, schätzt Voges am Mittag. Die beiden Arme der jungen Frau sind bereits verziert – Blumen auf dem einen, Elefanten und ein Spruch auf der anderen Seite. „Der ist für meine Mama, sie ist der wichtigste Mensch in meinem Leben“, berichtet Voges. Mama Doreen ist mitgekommen. Ohne Einverständnis der Eltern wäre eine Tätowierung auch nicht möglich für Minderjährige.

Tattoos erzählen Geschichten

Es sind Geschichten, die die Tattoos erzählen sollen, berichtet Miriam Voges indes. Auch Mama Doreen ist tätowiert. Und dann geht es auch schon weiter. Panahandegar füllt die Farben ab, zieht sich die Handschuhe über, schmiert Creme auf den Handrücken und verreibt diese vorsichtig auf die gestochene Haut. Das Surren der Maschine ist hier wie sonst in Studios üblich kaum zu hören, die Musik ist zu laut. Miriam Voges indes schaut auf ihr Handy, um sich abzulenken, während die Tinte aufgetragen wird. Das schmerzt.

Von etwas weiter weg kommen Ufuk Palaz und Özgür Kücükbasa. Die beiden sind aus der Türkei zur Messe angereist. Während der eine gerade einen Entwurf für eine Kundin zeichnet, ist der andere beschäftigt und bemalt Jessica Muschick, die ihr zweites Tattoo bekommt. Auf dem Schlüsselbein entsteht ein springender Delfin, aber nicht etwa aus dem Wasser kommend, sondern aus einem Blumenmeer. „Tattoos machen glücklich, man kann verewigen, was man im Leben nicht verlieren möchte“, sagt die 22-Jährige aus der Wedemark. Die neu bemalte Stelle wird währenddessen in Folie eingewickelt. Und dann bekommt die junge Frau noch Tipps zur Pflege für die kommenden Wochen: nicht baden, viel eincremen und so weiter.

„Es ist wie eine Sucht“

„Wiederholungstäter“ sieht man im Lokpark viele. Auch Christina Müller ist eine. Auf ihrem rechten Unterarm ist so einiges zu entdecken: eine Blume und Hundepfoten beispielsweise. Hinzu kommt heute ein Tiger. „Dann ist wirklich nicht mehr viel Platz auf dem Unterarm“, sagt die Wolfenbüttelerin schmunzelnd. Ziemlich fix bekam sie einen Termin für ihr Vorhaben. „Ich hatte gehofft, dass es heute klappt – und nun bin ich sehr glücklich, dass es wirklich angeht“, sagt sie, ehe Özgür Kücükbasa den Entwurf auf die Haut drückt. Mit Anfang 20 ließ sie sich das erste Tattoo machen – „dann habe ich aber jetzt erst mit Anfang 50 weitergemacht. Es ist wie eine Sucht: Es schmerzt und man macht es trotzdem immer wieder.“

Autorin: Katharina Keller

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