15. August 2022
Festival

Metal pur: Das war beim Helmfest los

In Büddenstedt bebt der Acker. Wir haben Veranstalter und Fans des zweiten Helmfestes einen Nachmittag lang begleitet.

Büddenstedt , 2. Helmfest 2022 , Festival , Event , Bands , Band Godslave , 13082022 , Foto: regios24/Michael Uhmeyer

von Niklas Eppert

Der Metal lebt in Büddenstedt. Vergangenen Donnerstag hatte das Helmfest offiziell eröffnet. Ein Verein hat mit Hilfe von Ehrenamtlichen dieses aus einer Schnapsidee unter Metalfans gegründete Festival auf die Beine gestellt. Wir haben das Team in den Stunden vorm Beginn begleitet. Zwischen Hitze, Bier und Metal-Legenden.

Der Weg zu dem Acker, der am Wochenende beben soll, ist steinig. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ein schmaler, von Bäumen eingerahmter Weg hinter dem Friedhof führt einen Hügel hinauf, hinter dem Helmstedts Miniatur-Wacken liegt. Auf den Acker, und damit auf die Stände, Zelte und die Bühne, brennt unerbittlich die Augustsonne. Es ist trocken und staubig.

Doch wer das nicht mag, hat den Metal nie geliebt, wie eine Szeneweisheit besagt. Hier aber, der Eindruck kommt schnell, lieben sie die schwere Musik wirklich.

Helmfest: Von der Schnapsidee zum Festival

Verantwortlich für das Festival ist der Helmfest e.V., genauer sein vierköpfiger Vorstand. Rebecca Börner-Pach ist dessen erste Vorsitzende und irgendwie Mädchen für alles. Als wir uns zum Interview setzen, wird sie mehrmals unterbrochen. Am Bierwagen fehlen Getränke, es gibt zu wenig Papiertücher. Immer ist sie Ansprechpartnerin. Sie lächelt dabei. Manchmal sei es anstrengend, gibt Börner-Pach zu. „Aber die Vorfreude überwiegt.“

Spitznamen gehören zum Metal wie Gitarren und Schlagzeug. Für Magic Harry, Tigga, Marc, Lars, Dino und Asterix ist das nichts neues. Foto: Niklas Eppert

Die Idee für das Helmfest kam ihr und ihren Freunden nach einem Festivalbesuch. „Wir machen nach jedem Rock Harz Restetrinken“, erzählt sie und schmunzelt hinter ihrer Brille hervor. „Irgendwann hat Björn im Suff eine Facebookseite für das Helmfest erstellt.“ Die Leute folgten, fragten welche Bands kämen. „Das nahm irgendwie eine Eigendynamik an. Da mussten wir liefern.“ Die 36-Jährige lehnt sich mit ihrem Küchentuch um den Hals auf der Bank zurück. Aus ihrem Walkie-Talkie dröhnen gedämpfte Stimmen. Die Vorstandsarbeit hört nie auf. Sie muss noch Brötchen schmieren.

Ein familiäres Erlebnis

Nur einige Meter weiter beginnen die ersten Camper ihre Lager aufzuschlagen. Dino, Tigga und Asterix sind damit schon fertig. Was sich anhört wie ein wilde Mischung aus Cartooncharakteren, sind eigentlich gesetzte Männer mittleren Alters. Sie alle kommen aus der Region, stehen mit beiden Beinen im Leben. Sie genießen das Festival, gerade wegen seiner Größe von nur einigen hundert Besuchern.

„Man kennt die Gesichter schnell“, erklärt Dino durch seinen blonden Schnurrbart. „Und“, ruft sein Kumpel Magic Harry, „hier gucken wir uns auch die kleinen Bands an.“ Auf großen Festivals sei das kaum mehr möglich, meint Dino. „Da rennst du kilometerweit zur Bühne.“ Auf dem Helmfest ist das anders. Nur ein Zaun und wenige Meter trennen Zeltplatz und Bühnenbereich. Es sei familiär. Man kennt sich, man schätzt sich. Trotz der überschaubaren Größe kommen die Besucher bereits aus ganz Deutschland, wie die Kennzeichen beweisen. Auf dem Helmfest wird noch neben den Auto gezeltet. Heute eine Seltenheit auf Festivals.

Eines der Highllights neben der Musik: Ein Wikingerdorf. Foto: regios24/Michael Uhmeyer

Legenden auf dem Büddenstedter Acker

Die hektische Soundkulisse von Lieferwagen und stöhnenden Bühnenbauern wird plötzlich durchbrochen. Von der Bühne dröhnen ein Schlagzeug, eine E-Gitarre, und ein Bass stimmt ein. Füße tippen unwillkürlich auf den Boden, Köpfe bewegen sich zum Schlagen der Drums. Der Headliner hat seinen Soundcheck begonnen: Die Szeneveteranen von AirForce sind da.

Godslave rocken das Helmfest. Foto: regios24/Michael Uhmeyer

Kurze Zeit später sitzen drei der vier Bandmitglieder Backstage im Zelt. Der Sänger kommt später, sitzt noch im Flugzeug. Chop, Tony und Doug sehen mit ihren faltigen Gesichtern und dem schütteren Haar aus wie eine Gruppe netter, älterer Herren. Der Schweiß läuft ihnen übers Gesicht. Aber das kennen sie, sagen die drei. Doug Sampson, der Drummer, trommelte einst für Iron Maiden. Einer Band, die heute Legendenstatus besitzt. Als AirForce sind sie seit Jahrzehnten zusammen auf Tour.

Beim Helmfest sind sie Headliner, ein seltenes Vergnügen. Sie können eben beides. Zehntausende genauso wie ein paar hundert Fans. Für sie ist es nach zwei Jahren Pandemie die Rückkehr zur Normalität, hier auf dem Acker in Büddenstedt. „Das Festival hat Potenzial“, sagt der 65-jährige Sampson. „Es ist sehr gut organisiert, irgendjemand ist immer ansprechbar. Und“, fügt er hinzu, „auch Wacken hat mal so angefangen.“

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