26. August 2022
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GROSS FORM ART: Neue Kunstwerke in Magniviertel und Kultviertel

Nach dem Projektstart der Urban Art Gallery im vergangenen Jahr entstehen in dieser Woche gleich drei neue Kunstwerke unterschiedlichster Künstler parallel.

Der Hannoveraner Künstler Kartel ist diese Woche im Magniviertel unterwegs. Foto: Andreas Rudolph.

Nach dem Projektstart von GROSS FORM ART im vergangenen Jahr entstehen in dieser Woche gleich drei neue Kunstwerke parallel: Seit dem 22. August arbeiten internationale Künstler an verschiedenen Hausfassaden in der Innenstadt.

„Natürlich haben wir auf ein großes Interesse gehofft. Das tolle Feedback über die Social Media Kanäle, das Interesse und die vielen positiven Gespräche mit den Passanten haben uns aber selbst etwas überrascht. Wir sind begeistert und freuen uns riesig!“, sagt Christoph Schulz, Vorstandsvorsitzender der Braunschweigischen Landessparkasse, die das Projekt im vergangenen Jahr mit auf den Weg gebracht hat und in diesem Jahr als Hauptsponsorin begleitet.Gleich drei namhafte Künstler arbeiten seit dem 22. August in Braunschweig, unter anderem aus Polen und Barcelona, die vormals grauen Hausfassaden in der Wallstraße und im Magniviertel zu großflächigen Kunstwerken. Bei der Künstlerauswahl wurden verschiedene Positionen aus dem Genre „Postgrafitti Art“ berücksichtigt. Neben grafisch angelegten Werken sind auch collagenhafte und illustrative Arbeiten zu sehen.

Die jeweiligen Botschaften und Intentionen jedoch greifen ganz unterschiedliche Themen auf – zum Beispiel die Industrialisierung – zu sehen im Werk des Künstlers M CITY in der Wallstraße. Für ihn sind die Stadtbezirke, die etwas abseits liegen, umgeben von Hochhäusern, Fabriken, Schornsteinen und Kränen, eine große Inspiration für seine künstlerische Arbeit. Dieser Einfluss ist unübersehbar. Gianni Caruso, Marketingleiter der SOLVIS GmbH, die dieses Kunstwerk als Sponsor möglich gemacht hat, ergänzt: „Der Entwurf hat uns von Anfang an begeistert. Die vielen verschiedenen Details, die sich zum Teil erst auf den zweiten Blick zeigen, sind besonders eindrucksvoll.“

Hochhäuser, Fabriken, Schornsteine und Kräne sind eine Inspiration für die künstlerische Arbeit von M-City: Er bringt arbeitet an einem riesigen Kunstwerk in der Wallstraße. Foto: Andreas Rudolph.

Die Wahrnehmung der Stadt radikal verändern – das ist das übergeordnete Ziel von MARTÍ SAWE. Seit Montag gestaltet er gemeinsam mit einem befreundeten Künstler die Mauer gegenüber des Conti Parkhauses im Kultviertel. Mit vielen Farben, abstrakten Figuren und dem Kontrast zwischen Farbrolle und Graffiti wertet das Ergebnis die ansonsten eher schlichte Umgebung der Wallstraße deutlich auf.

Auch der Künstler KARTEL startete in dieser Woche im Magniviertel mit seiner Arbeit. Nachdem die große Wand in der Kuhstraße in den letzten Tagen baulich vorbereitet wurde, entsteht nun ein Kunstwerk rund um Till Eulenspiegel. Die Wahl der Jury fiel aufgrund des regionalen Bezugs bei Künstler und Motiv bewusst auf den Hannoveraner Artist. Auch hier begeistert der Kontrast der Farben und Formen mit der romantischen Umgebung des Magniviertels.

Sammelbegriff Street Art vs. Postgrafitti Art

Häufig fallen im Zusammenhang mit dem Projekt GROSS FORM ART die Begriffe Graffiti, Urban oder Street Art. Für viele sind die Grenzen zwischen den verschiedenen Stilrichtungen und Kunstkategorien nicht klar von einander zu trennen.

„Das ist etwa so, als würde man die Begriffe Popmusik und Klassik nicht von einander unterscheiden, da es sich in beiden Fällen um Musik handelt,“ erklärt Christian Siebke, künstlerischer Leiter des Projektes. Die richtige Nutzung der Begrifflichkeit ist den Verantwortlichen wichtig: „Urban oder Street Art versteht sich schließlich als ein Sammelbegriff, eben auch z.B. für urbane Häkelkunst oder die kreative Gestaltung von Stromkästen. Im heutigen Sprachgebrauch wird „Street Art“ vor allem als trendiger Begriff verwendet.“ GROSS FORM ART versteht sich hingegen als Projekt zur Vermittlung zeitgenössischer Kunst aus dem Bereich der Postgraffiti Art. Hierbei handelt es sich m eine junge Kunstbewegung, die ihren Ursprung im Graffiti hat, sich in den letzten 30 Jahren aber von dem illegalen Bemalen von Zügen und Häusern emanzipiert hat. Der Anspruch ist es, sich künstlerisch mit den Codes und Techniken des Graffiti auszudrücken.

Die Hauswand als Leinwand – ein großes Dankeschön

Besonderer Dank gilt den Eigentümern der Fassaden sowie Sponsoren, Freunden und Unterstützern des Projektes. Hierbei sind vor allem die Braunschweigische Landessparkasse, die Öffentliche Versicherung Braunschweig, die SOLVIS GmbH und die Braunschweigische Stiftung zu nennen. „Ebenso ist es uns aber auch ein Anliegen, ein großes DANKE an diejenigen auszusprechen, die die Umsetzung im organisatorischen Sinne erst möglich machen. Dem Institut für persönliche Hilfen e.V., dem Verein für gemeindenahe sozialpsychiatrische Hilfen – Der Weg e.V. in der Wallstraße und der Magni-Bar in der Kuhstraße. Ohne diese ganz praktische Hilfe wären die Kunstwerke nicht möglich gewesen.“ – erklärt Organisatorin Christiane Nagel von der Art Braunschweig gGmbH.

Nun hofft GROSS FORM ART auf einen positiven Förderbescheid der NBank für das Programm „Perspektive Innenstadt“. Wichtig sei weiterhin, dass die Partner und Sponsoren dem Projekt auch auch in 2023 die Treue halten, um noch viele weitere Wände gestalten zu können. Klar ist aber schon heute: Das Projekt ist auch im kommenden Jahr auf der Suche nach begeisterten Immobilieneigentümern, ohne die GROSS FORM ART nicht umzusetzen wäre. „Es gibt noch alle Wände voll zu tun“, so die Initiatoren.

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