14. Mai 2022
Ausgehen

Auf der Jagd nach der Wandernadel: Die schönsten Wanderungen im Harz

222 Stempelstellen gibt es im Harz. Doch wo soll man mit wandern anfangen? Welche Orte sind die spektakulärsten? Wir stellen einige der schönsten Wanderziele vor:

Die Harzer Wandernadel muss man sich verdienen: per pedes. Doch die Auswahl an Wanderungen ist gewaltig und der Harz ein weites Land: 222 reguläre Stempelstellen der Wandernadel gibt es. Glücklicherweise hat das nördlichste Mittelgebirge der Republik auch tausende Fans auf der ganzen Welt. Fragt man diese nach ihren liebsten Wanderungen, erhält zwar sehr unterschiedliche Vorschläge, ein paar sind allerdings auffallend häufig darunter. Diese sollen hier vorgestellt werden.

1. Die Wolfswarte bei Torfhaus (Stempelstelle 135)

Von der Wolfswarte zwischen Torfhaus und Altenau blickt man weit ins Land. Wer die schroffen Felsen erklimmt, wird mit Aussichten bis zum Brocken belohnt. Foto: Nils Behrend

Nördlich von Braunlage, zwischen Torfhaus und Altenau, stoßen sich die Felsen des Bruchbergs aus dem Gehölz. Scharfe Klippen ragen hier in die Landschaft und weisen den Blick zu ihren großen Brüdern, Brocken und Wurmberg. Diesen Ort nennt man seit jeher Wolfswarte. Solche Orte gibt es im Harz einige – früher lauerten die Harzer Jäger hier den namensgebenden Raubtieren auf. Die bekannteste ist aber diese, die man schon von Altenau aus erspähen kann.

Es verwundert nicht, dass dieser Ort sich großer Beliebtheit bei Wanderern im Harz erfreut. Von Altenau ist die Wanderung etwas weniger beschwerlich, zieht sich aber in die Länge. Von Torfhaus ist der Weg steiler, dafür kürzer und für erfahrenere Wandersleute geeignet. Über Wurzelwerk und Steine geht es durch die – gelichteten – Wälder. Am Ende, auf 900 über Normalnull, werden Wanderer mit Aussichten belohnt, wie man sie an wenig anderen Stellen im Harz finden kann.

 

 

2. Die Teufelsmauer & das Hamburger Wappen bei Blankenburg (Stempelstelle 74)

Die Felsformation zwischen Blankenburg und Timmenrode erinnerte die Menschen an die drei Türm im Stadtwappen der Hansestadt Hamburg. Foto: Michèle Förster

Zwischen Blankenburg und Timmenrode zieht sich die Gesteinsformation hin, welche gemeinhin als die Teufelsmauer bekannt ist. Schlägt man nach in den zahlreichen Büchern zur Harzer Sagenwelt, wird ersichtlich: Wenn nicht der namensgebende Leibhaftige der Erbauer der bizarren Felsenkonstruktion war, dann müssen es eben Riesen gewesen sein, die hier weiland in den Klüften und Höhlen gehaust haben sollen.

Die drei Felstürme, die man nördlich von Timmenrode nach kurzer Wanderung erreicht, erinnerten die Menschen an das Wappen von Hamburg und wurden entsprechend benannt. Wer steile Wege und Höhen nicht fürchtet, sollte den „Kammweg“, der hier Richtung Blankenburg verläuft, beschreiten. Er belohnt die Abenteuerlustigen, wie so oft im Harz, mit grandioser Aussicht.

 

3. An der Queste (Stempelstelle 212)

Auf dem Berg über dem Dorf Questenberg steht ein uraltes Symbol an die Sonne. Seit jeher pflegen die Menschen hier zu Pfingsten ganz besondere Traditionen. Foto: Harzer Wandernadel

Dem Harz wird so manche Verbindung zum Übernatürlichen und zum Vorchristlichen nachgesagt. Hexenflug und Geisterspuk. In Questenberg leben nicht einmal 300 Menschen und doch fällt der Name des Weilers häufig, wenn man nach den Lieblingswanderungen im Harz fragt. Die Lage im Tal der Nasse, die Burgruine und natürlich die sogenannte Queste, hoch über dem Dorf, sind eine Verbindung in eine andere Zeit.

Man kann verstehen, warum dieser Ort auf viele Menschen eine Anziehung ausübt. Der Stamm auf dem Questenberg – manche lesen es als keltisches Sonnensymbol – erinnert ein wenig an den Horrorklassiker „The Wickerman“ von 1973. Der Ursprung der Tradition hat sich mit den Jahren verschleiert – die Rituale aber gibt es immer noch. Jedes Jahr zu Pfingstmontag ziehen die Menschen vor Sonnenaufgang hoch zur Queste und flechten den Ring aus Birken- und Buchengrün an den Stamm.

 

4. Die Steinerne Renne (Stempelstelle 28)

Das Gasthaus Steinerne Renne. Es thront über der Kluft, welche die Holtemme hier in Jahrtausenden in den Harz geschnitten hat. Foto: Christoph Matthies

Nördlich des Brockens stürzt die Holtemme zu Tale. Dieser Strom bahnt sich selbstbewusst über Kaskaden, Felsen, Stromschnellen und Stürze seinen Weg hinab bis nach Hasserode, den Stadtteil von Wernigerode, der auch der bekannten Brauerei seinen Namen gibt. Irgendwann vereint sie sich mit der Bode – doch hier, im Nordteil des Harz, hat sie über die Jahrmillionen ein beschauliches Tal gefräst: Steinerne Renne sagt man dazu. Und mitten in dieser Renne finden Wanderer das Gasthaus, das zum Einkehren einlädt und mit seiner Architektur bereits erahnen lässt, warum man Wernigerode auch die bunte Stadt am Harz nennt.

Vom Bahnhof in Hasserode nehmen trittsichere Wanderer den Pfad am Wasserwerk entlang direkt durch die Schlucht. Wer sich nach der obligatorischen Einkehr noch fit fühlt, hat hier ein gutes Basislager auf dem Weg zum gewaltigen Ottofelsen oder zu den Hohensteinklippen.

 

 

5. Der Heimberg von Wolfshagen (Stempelstelle 109)

Der Heimberg bei Wolfshagen. 100 Jahre lang wurde hier Diabas-Gestein gefördert, heute ist die Grube ein imposantes Denkmal an jene Zeit. Wen erinnert der steile Felsen noch an einen Kino-Klassiker von Steven Spielberg? Foto: Harzer Wanderadel

Schon wieder ein Ort, der Cineasten inspiriert. Denn der Felsen, der bei Wolfshagen hinter Goslar wie ein überdimensionierter Findling in dem renaturierten Steinbruch klotzt, erinnert ein bisschen an den „Devil’s Tower“ in Wyoming, auf dem die „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ (1977) einst stattfand.

Als unheimlich wird der Felsen und der Wanderweg, der einmal ringsherum führt, aber nicht beschrieben. Dagegen aber als besonders schön. Eine Erinnerung an den Steinabbau, der hier fast exakt 100 Jahre lang stattgefunden hat. 1987 endete die Förderung. Dafür begann die umfassende Renaturierung, die Wanderer heute genießen können. Statt Diabas-Gestein für Gräber, Statuen und Mausoleen, werden dem Felsen heute nur noch Panoramablicke über die Seenlandschaft abgewonnen. Die Gruben, die sich mit der Zeit mit Wasser gefüllt haben, geben dem Stein zusätzlich einen märchenhaften Look.

 

 

6. Das Kreuz des deutschen Ostens (Stempelstelle 122)

Das Kreuz oberhalb von Bad Harzburg. Hier lohnt es sich, innezuhalten und sich auf die Geschichte zu besinnen. Es steht heute für Verständigung und Versöhnung zwischen den Völkern. Foto: Harzer Wandernadel

Die Geschichte unseres Landes ist voller Widersprüche und einer Menge Leid. Das Kreuz bei Bad Harzburg ist eine Landmarke, an der Wanderer diese Geschichte reflektieren können. In den 50er Jahren war es als Mahnmal durch den Bund der Vertriebenen errichtet worden. Nachdem es im Jahr 1998 einem Orkan zum Opfer gefallen war, wurde es 2000 neu aufgestellt. Heute mahnt es ausdrücklich zu Versöhnung und Verständigung zwischen den Nationen.

Es ist daher auch wegen seiner historischen Bedeutung eine der besonderen Wanderungen, die man im Harz erfahren kann. Er lädt ein, die politischen Verwerfungen des vergangenen Jahrhunderts zu reflektieren. Denn nur ein Kilometer Luftlinie ist es vom Kreuz bis zur ehemaligen Zonengrenze, die Europa, Deutschland und den Harz in der Mitte zerschnitt. Wandern soll bekanntlich helfen, den Kopf frei zubekommen. Daher: aufsteigen, innehalten und nachdenken.

 

 

Wie funktioniert das Stempelsammeln im Harz?

Die 222 Stempel der „Harzer Wandernadel“ sind überall im Mittelgebirge verteilt. Eine Übersicht verschaffen sich Wanderer am Besten auf der offiziellen Webseite der Wandernadel. Dort gibt es nicht nur Tipps und Hinweise, sondern auch eine Übersichtskarte und aktuelle Informationen zu den Wanderwegen. Dort findet man auch eine Übersicht mit Vertriebsstellen, an denen man einen Wanderpass zum Stempelsammeln bekommen kann:
www.harzer-wandernadel.de

Die Stempelstellen sind mit den markanten dunkelgrünen Kästen bestückt. Darin findet man den begehrten Stempel und kann ihn sich an der richtigen Stelle in den Pass einstempeln.

Die Stempelstellen findet man an historisch Orten, Naturdenkmälern, Aussichtsplätzen, Gaststätten, geologischen Besonderheiten und vielen weiteren Stellen.

Wer alle 222 Stempelstellen besucht hat, darf sich Harzer Wanderkaiser oder -kaiserin nennen. Auf dem Weg dahin gibt es wohlgemerkt Zwischenstufen: 50 Stempel küren zum König, mit 111 Stempeln darf man sich das Abzeichen des Harzer Steigers ans Revers heften. Beim Erwandern der Stempelstellen können die Wanderer aber in ihrem individuellen Tempo vorgehen: Es gibt kein Zeitlimit beim Sammeln der Stempel.

Wer sich das Abzeichen auch materiell bestätigen lassen möchte, kann sich unter Vorlage seines vollen Stempelheftes eine seinem Titel entsprechende Wandernadel übermitteln lassen. Auf der Webseite der Harzer Wandernadel werden die wandernden Majestäten zusätzlich vermerkt.

Manche Stempelstellen liegen nah beieinander – eine kluge Routenplanung lohnt sich daher. Entsprechendes Kartenmaterial und GPS-Daten bekommen Wanderer an vielen Orten im Harz oder auch auf der Webseite der Harzer Wandernadel.

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