24. August 2015
Kunst & Kultur

„Das hat etwas Verbindenes“: KulturImZelt startet in Saison 2015

Foto: Falk-Martin Drescher.

Zurück im Bürgerpark: Ab dem 24. August ist "Kultur im Zelt" wieder Foto: Falk-Martin Drescher.

Zirkuszelte haben ihre ganz eigene Magie. Ihre Anziehungskraft und Ausstrahlung ist sicherlich auch ein bedeutender Teil des KulturImZelt-Festivals, das ab Donnerstag (27. August) wieder in den Braunschweiger Bürgerpark begrüßt.

Bereits seit dem Jahr 1999 initiiert der Verein Kulturzelt Braunschweig alljährlich ein breit gefächertes Programm, von Jazz, Pop über Klassik, Kabarett bis hin zu Theater oder Zirkus. Mehr als 10.000 Besucher zog es bereits im ersten Jahr an, in diesem Jahr werden es über 40.000. Neben Größen wie Roger Cicero, Joja Wendt, Götz Alsmann, MIA. und Christoph Maria Herbst stehen auch regional bis bundesweit aufstrebende Newcomer auf den Bühnen. Zu nennen ist dabei etwa Enissa Amani, die hübsche deutsch-persische Komikerin, die zurzeit mit Auftritten bei Shows wie NightWash und TV total für reichlich Lacher sorgt. Außerdem bietet der Verein im Rahmen der „Newcomer- und Regio-Bühne“ gleich 21 Musikern und Bands die Möglichkeit, sich vor größerem Publikum zu präsentieren. You & Me, Chiara Novak sowie Peter der Wolf und seine Freunde haben in der Region etwa schon fleißig von sich hören lassen, aus Göttingen beispielsweise reist die vielversprechende Blech-Blas-Party-Rap-Kombo Flooot an.

Ein Besuch vor Ort während der Aufbauphase. Blickt Initiatorin Beate Wiedemann auf die Zirkuszelte, wirkt sie zufrieden. „Wir haben in diesem Jahr ein Zelt ohne Innenmasten, von keinem Platz aus gibt es Sichtbehinderungen.“ Auch in anderen Punkten wurden Ausstattung und Technik des Festivals weiter optimiert. Neue Konstruktionen im Bühnenumfeld verstärken ein uneingeschränktes (Sicht-)Erlebnis zusätzlich. Rund 1.100 Gäste – abhängig von der Bestuhlungsart – werden die Veranstaltungen genießen können.

Premium-Blick: Das große Zirkuszelt kommt ohne Innenmasten aus.
Premium-Blick: Das große Zirkuszelt kommt ohne Innenmasten aus.

Welche Abende entfalten ihre Wirkung in der Kulisse eigentlich am besten? „Beispielsweise die mit Künstlern wie Axel Prahl – das hatte etwas von ‚Zirkuszeltmusik'“, erklärt Wiedemann. In diesem Jahr seien es Acts wie 17 Hippies, LaBrassBanda und auch Varieté im Zelt. Ingsesamt haben alle Abende ihren ganz eigenen Charme. Die Initiatorin selbst ist etwa vor allem Fan der „leisen Geschichten“. Auf die Sängerin Anna Ternheim sowie die Puppen-Impro-Show „Pfoten hoch!“ freue sie sich persönlich sehr.

Seit der Premiere von KulturImZelt sind die Besucherzahlen um 400 Prozent gewachsen. 40.000 Besucher – eine beeindruckende Zahl. Wiedemann dazu: „Wir sind immer wieder erstaunt, wie sich das Festival über die Zeit entwickelt hat.“ Die große Nachfrage, sie ist auch das Ergebnis von stetem und engagiertem Einsatz. Vor derartigen Menschenmengen haben die Veranstalter, bei aller Routine, großen Respekt. Aus vergangenen Ereignissen, auch dem Schloss-Spektakel, ziehen sie ihre Konsequenzen. „Wir machen uns darüber viele Gedanken.“ Das Sicherheitskonzept wurde nochmals feinjustiert. Bei all den Zuschauerströmen, Beschwerden lese sie stets selbst: „Kritik geht mir schon nahe. Schießlich wollen wir, dass alle zufrieden nach Hause gehen.“ Erfreulicherweise treten die Gäste ihren Heimweg für üblich mit einem Lächeln an. „Es gab auch schon Abende, da standen Besucher mit Tränen in den Augen vor mir“, freut sich Wiedemann.

Um das jährliche Festival herum hat sich im Laufe der Jahre mehr als ein reiner Fankreis entwickelt – zu verdanken ist das vor allem dem Förderverein. Bei der jährlichen Previewveranstaltung können die Mitglieder erstmals einen Blick auf das neue Programm werden („Hier wird das Programm auf Herz und Nieren getestet“). Zudem sorgen Grillabende und auch Führungen hinter die Kulissen von KulturImZelt für eine noch stärkere gemeinschaftliche Atmosphäre, für die Zukunft ist unter anderem – auf Einladung von André Sarrasani – eine Fahrt nach Dresden geplant. Der Theater- und Zirkusveranstalter stellt nicht einfach „nur“ die Zeltstadt für KulturImZelt bereit, er hat in den vergangenen Jahren auch einige Impulse zum Braunschweiger Format hinzugesteuert, steht beratend zur Seite.

Trotz der umfangreichen Organisation - die gute Laune lassen sich die Initiatoren nicht nehmen. Zu sehen sind (v.l.): Silke Behrens (Geschäftsführerin), Beate Wiedemann (künstlerische Leitung) und André Sarrasani.
Trotz der umfangreichen Organisation – die gute Laune lassen sich die Initiatoren nicht nehmen. Zu sehen sind (v.l.): Silke Behrens (Geschäftsführerin), Beate Wiedemann (künstlerische Leitung) und André Sarrasani.

Für Beate Wiedemann ist KulturImZelt mehr als ein Festival: Ein Ort für Gemeinschaft. „Ich mag es, wenn Menschen zusammenkommen, gemeinsam Spaß haben und einen schönen Abend verbringen. Das hat etwas Verbindenes.“ Nicht unwichtig ist dabei auch die Entscheidung der Bestuhlungsart. Führten sie vor einigen Jahren die Möglichkeit ein, sich (anstatt der Reihenbestuhlung) an Tische zu setzen – stießen sie zunächst auf Gegenwind. Spätestens nach drei Jahren setzte ein Umkehrschub ein: Die Gäste ziehen es seitdem gar vor, sich an Tische zu setzen, womöglich auch mit fremden Gesichtern. „Jetzt sind davon alle begeistert“, freut sich Wiedemann.

In puncto Gastronomie wurde in diesem Jahr noch einmal am „Line-Up“ gearbeitet, auch, um das Festival tagsüber für Gäste ohne Abendveranstaltungs-Ticket zu erhöhen. Neben bewährten Partnern wie dem Rokoko und Axel Griebsch ist etwa Broterbe Gaues zu nennen, Foodtrucks werden bei einigen Veranstaltungen ebenfalls vor Ort sein. Kulturelle Vereine werden eingebunden – ebenso die Lebenshilfe.

Wenngleich KulturImZelt 2015 unmittelbar bevor steht: Für die nächsten Jahre gibt es schon weitere Planungen und Ideen. „Wir denken über mehrere strukturelle Veränderungen nach“, so Wiedemann. Im kommenden Jahr werde eine eigene App an den Start gehen, mit vielen Informationen zum Festival und aktuellen Nachrichten zu den Terminen. Das Wichtigste sei dabei, so Wiedemann: „Wir glauben uns nie sicher.“ Ob Planungen im Line-Up oder grundsätzliche Veränderungen – es wird viel gesprochen, recherchiert, hinterfragt. Und manchmal, ja manchmal, „ist es auch ein Gefühl“. Es gibt ihnen Recht.

Auch interessant