1. Juli 2020
Ausgehen

Betrunken in Braunschweig

Einzigartiges Projekt zur Ausnüchterung stark alkoholisierter Menschen im Polizeigewahrsam vom Städtischen Klinikum, der Polizei und der Stadt

Wer stark alkoholisiert in Braunschweig aufgegriffen wird, kann zukünftig in der Polizeiinspektion Braunschweig in der Friedrich-Voigtländer-Straße 41 ausnüchtern. Foto: Michael Jarmoluk/Pixabay

Gemeinsam mit der Polizeiinspektion Braunschweig und dem Städtischen Klinikum hat die Stadt Braunschweig ein Pilotvorhaben zur Ausnüchterung von stark alkoholisierten Menschen im Polizeigewahrsam entwickelt.

Jährlich 60.000 Euro

Dieses ist auf zunächst zwei Jahre angelegt und soll ab dem 1. Oktober 2020 beginnen. Vorgesehen im städtischen Haushalt sind dafür jährlich 60.000 Euro. Das Ziel: Künftig sollen nur diejenigen alkoholisierten Patienten im Krankenhaus behandelt werden, die auch eine medizinische Therapie benötigen. Personen, die lediglich ausnüchtern müssen, sollen dies unter ärztlicher Überwachung im Polizeigewahrsam tun. Bisher war es so, dass Menschen, die insbesondere nachts und am Wochenende aufgrund von starker Alkoholisierung Hilfe benötigten, überwiegend ins Krankenhaus eingeliefert wurden und dort dann zur Ausnüchterung blieben.

Ein paar bunte Drinks zu viel, können ja mal vorkommen… Foto: Annca/Pixabay

Niedersachsen weit bisher einmalige Lösung

„Es handelt sich um eine Niedersachsen weit bisher einmalige Lösung zur Verbesserung des Ressourceneinsatzes auf Seiten des Klinikums und bei der Polizei“, erläuterte Erster Stadtrat Christian Geiger. In den vergangenen Jahren sind zunehmend mehr alkoholisierte Personen ins Klinikum eingeliefert worden, die keine besondere medizinische Behandlung benötigten. „ Die Ersteinschätzung, wo die Patienten am besten behandelt werden, treffe der Rettungsdienst“, so Geiger weiter.

Zunehmende Übergriffe und Gewalt gegenüber Klinikpersonal

Dr. Thomas Bartkiewicz, Ärztlicher Direktor des Städtischen Klinikums, geht davon aus, „dass etwa 50 Prozent der stark alkoholisierten Personen, die im Klinikum derzeit noch behandelt werden, im Polizeigewahrsam ausreichend aufgehoben wären“. Zumal Menschen unter Alkoholeinfluss zunehmend Übergriffe und Gewalt gegenüber dem Klinikpersonal zeigten und zum Teil andere psychiatrische Notfallpatienten im Klinikum Braunschweig bedrohten. Auch Waffengewalt spiele dabei zunehmend eine Rolle. Zum Schutz der Mitarbeiter mussten bereits diverse Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden.

Gewahrsam in der Polizeiinspektion Braunschweig

Vorgesehen ist, dass im Polizeigewahrsam der Polizeiinspektion Braunschweig in der Friedrich-Voigtländer-Straße 41 ein für die Aufgaben des ärztlichen Dienstes geeigneter Bereich eingerichtet wird, erläuterte Inspektionsleiter Axel Werner. In der Pilotphase von zwei Jahren solle dass Polizeigewahrsam an bestimmten Zeiten am Wochenende und bei Bedarf (z.B. Silvester, Himmelfahrt, Schoduvel usw.) mit einem Arzt besetzt sein. Werner: „Aus Sicht der Polizei Braunschweig erwarten wir durch das Projekt eine deutliche Entlastung durch den Wegfall von Fahrten Betrunkener. Oder auch unter dem Einfluss berauschender Mittel stehender Menschen in ein Krankenhaus zur ärztlichen Begutachtung im Hinblick auf deren Gewahrsamsfähigkeit. Ich freue mich sehr, dass es uns gemeinsam in verhältnismäßig kurzer Zeit gelungen ist, dieses in Niedersachsen einzigartige Projekt auf den Weg zu bringen.“ Wer in Polizeigewahrsam ausnüchtert muss übrigens eine Gebühr von etwa 70 Euro zahlen.

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