Lichtparcours 2020 in Braunschweig – Szene38
16. April 2020
Ausstellung

Lichtparcours 2020 in Braunschweig

Autos, Straßenlaternen und Springbrunnen in der Oker: Farbintensive Auseinandersetzung mit dem Wasserlauf und seinen 24 Brücken im Sommer

Auto in der Oker: Der Künstler Bjørn Melhus lässt bunte Lichter und pumpende Beats aus einem versenkten Kleinwagen erleuchten und ertönen. Foto: Stadt Braunschweig/ Michaela Heyse

Aufgrund der Corona-Epidemie und der notwendigen Einschränkung des öffentlichen Lebens können derzeit Veranstaltungen, Ausstellungen und kulturelle Formate nicht in gewohnter Form stattfinden. Trotz dieser schwierigen Situation will das städtische Kulturdezernat im Sommer 2020 dennoch den Lichtparcours 2020 in Braunschweig durchführen.

Reminiszenz an den ersten Lichtparcours 2000

Für das Ausstellungsformat von Lichtkunst im öffentlichen Raum Braunschweigs arbeiten Künstlerinnen und Künstler zurzeit gemeinsam mit dem Kulturdezernat an der Realisierung. Im Mittelpunkt des Lichtparcours 2020 steht –  auch als Reminiszenz an den ersten Parcours im Jahr 2000 – die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Wasserlauf der Oker und seinen 24 Brücken. Kraftvolle, farbintensive, abstrakte Installationen kontrastieren den in Städten von Werbung durchdrungenen öffentlichen Raum.

Müßiggang, Stillstand und Kontrollverlust

In diesem Jahr thematisieren Bjørn Melhus, das Künstlerkollektiv Bar du Bois und das Künstlerpaar Lotte Lindner & Till Steinbrenner die Gegenbilder einer Leistungsgesellschaft. Eine Gesellschaft in der Müßiggang, der Stillstand oder der Kontrollverlust als notwendiges Ventil der Regulation verhandelt werden. Bar du Bois, will einen gemeinschaftlichen Ort schaffen, „der dem Rausch huldigt“. Bjørn Melhus Arbeit „The Beat goes on“ präsentiert einen in die Oker gerollten Kleinwagen aus dem bunte Lichter, passend zum Bass von 90er-Jahre-Techno-Beats, aufleuchten.

Straßenlaternen in der Oker: Ihr Licht spiegelt sich in der Dunkelheit poetisch auf der Wasseroberfläche. Foto: Stadt Braunschweig/Michaela Heyse

Straßenlaternen in der Oker

Auch die Arbeiten von Johannes Wohnseifer und des Berliner Künstlerkollektivs Fort & Anna Jandt sind Teil verschiedenster szenischer Erzählungen. Die von Johannes Wohnseifer konzipierte Skulptur No Sleep besteht aus in einen künstlichen Schlaf versetzten, ausgemusterten Laternen aus dem Braunschweiger Stadtraum. Mit Hilfe einer Lichtsteuerung werden die verschiedenen Schlafphasen simuliert. Eine ähnliche animistische Idee verfolgen auch Fort & Anna Jandt mit ihrer Arbeit Hellsinki. Hierfür versenkt das Kollektiv Straßenlaternen in der Oker, welche nur noch mit ihren leuchtenden Köpfen aus dem Wasser herausschauen. Insbesondere bei Dunkelheit, im Zusammenspiel von Licht und spiegelnder Wasseroberfläche, entfaltet sich der zunächst verstörende Eindruck von Hellsinki zur poetischen Assoziation.

Benjamin Bergmann hat eine Art dystopischen Springbrunnen erschaffen. Über den Rand, des in die Oker gesetzten Schuttcontainers, ergießt sich Wasser. Foto: Benjamin Bergmann

Springbrunnen aus einem Schuttcontainer

Die Skulptur Aqua Alta von Benjamin Bergmann greift dieses Narrativ der Versenkung erneut auf. Sein Beitrag ist eine Art dystopischer Springbrunnen aus einem in die Oker gesetzten Schuttcontainer, über dessen Rand sich Wasser ergießt. Der Titel bezieht sich auf das alljährliche Hochwasser in Venedig und verweist auf deutlich spürbare Zusammenhänge geographischer und klimatischer Veränderungen. Thematiken, die auch bei den künstlerischen Arbeiten von Sven-Julien Kanclerski anklingen. Der aus einem Patchwork verschiedener recycelter Materialien zusammengefügte stranded drifter von Sven-Julien Kanclerski referiert auf im Ozean treibendes Plastik, welches gleich an drei Standorten entlang der Oker seine Form findet.

Brücken-Bespielung: Martin Groß lässt auf digitalen LED-Scrollingboards Texte, Zitate und Transkripte in unterschiedliche Richtungen und Geschwindigkeiten strömen. Foto: Martin Groß

Entwürfe und Visualisierungen der Kunstwerke

Aktuell ist die neue Homepage www.lichtparcours.de online gegangen. Dort findet man Entwürfe und Visualisierungen der finalen Kunstwerke, welche zwischen dem 13. Juni und dem 9. Oktober der Öffentlichkeit präsentiert werden sollen. Zum anderen werden mögliche Routen für den Lichtparcours 2020 vorgestellt. Darüber hinaus sind auf der Lichtparcours-Homepage die aktuellen Entwicklungsstände der einzelnen Arbeiten zu entdecken.
Hier gibt es Tickets: www.konzertkasse.de/lichtparcours

Auch interessant