16. März 2015
Ausstellung

Illusionäre Räume und reale Baustellen in Wolfsburg

Facettenreiche fotografische Arbeiten von Barbara Kasten und Ulrich Hensel ab dem 21. März 2020 im Kunstmuseum

Alles so schön bunt hier: Im Zentrum von Barbara Kastens Werk stehen intensive Farbfotografien. Foto. Barbara Kasten/Kunstmuseum Wolfsburg

Wolfsburg ist mal wieder eine Reise wert. Ziel: das Kunstmuseum. Dort startet demnächst eine sehenswerte Doppel-Ausstellung: „Barbara Kasten. Works“ und „Ulrich Hensel. Zwischenwelten“ sind dort zu sehen. Und das Sehen wird hier ganz groß geschrieben. Beide Künstler konzentrieren sich in ihrem Oeuvre auf fotografische Arbeiten – jedoch auf ganz unterschiedliche Weise.

Barbara Kasten spielt mit Farbe, Licht und Schatten

Die im Jahr 1936 in Chicago geborene Künstlerin Barbara Kasten hat innerhalb der vergangenen fünf Jahrzehnte ein beeindruckendes Werk geschaffen. Bereits in den 1960er-Jahren beschäftigte sie sich mit Ideen des Bauhauses, mit Textilskulpturen und alternativen Fototechniken. Ihr zentrales Anliegen: das Medium Fotografie in ein malerisches  Konzept zu überführen. Wichtigste Medien sind für sie dabei Licht und Schatten. Die Pressemitteilung des Kunstmuseums beschreibt ihr Werk intellektuell verschwurbelt „als einen Grenzgang zwischen den abstrakten Potentialen des Mediums und der Unentrinnbarkeit seiner Referenzialität. Geschult am historischen Formenvokabular des Konstruktivismus oszillieren ihre Rauminszenierungen zwischen der grafischen Flächigkeit geometrischer Kompositionen und dem Spuk des illusionären Raumes der Fotografie“.

Illusion und Realität verschmelzen miteinander

Fakt ist: Die faszinierenden Arbeiten von Barbara Kasten befinden sich in den bedeutendsten Sammlungen (u.a. MoMA, New York; Tate Modern, London; Centre Pompidou, Paris). „Barbara Kasten. Works“ ist die erste Museumsausstellung der Künstlerin in Europa, die einen umfassenden Überblick bietet – von frühen Skulpturen über ihre Fotogramme und konstruktivistischen Fotografien bis hin zu neuen installativen Videoarbeiten. Besonders beeindruckend und echtes Eye Candy: Die großformatigen, intensiv-bunten Farbfotografien, in denen Illusion und Realität miteinander zu verschmelzen scheinen.

Obsession für ein einziges Thema: Ulrich Hensel sucht, findet und fotografiert Baustellen. Foto: Ulrich Hensel/Kunstmuseum Wolfsburg

Ulrich Hensel inszeniert Baustellen als fotografische Readymades

Sand, Steine und Stahlmatten. Dämmstoffe, Verschalungen, Wandmarkierungen und mehr. Der im Jahr 1946 geborene Düsseldorfer Künstler Ulrich Hensel arbeitet sich seit über zwei Jahrzehnten konzentriert an einem Thema und Motiv ab: Baustellen. Architekten, Stahlbauer, Handwerker und weitere im Baugewerbe Beschäftigte dürften begeistert sein von Hensels Fotografien. Denn das sind ihre täglichen Arbeitswelten, die der Künstler „Zwischenwelten“ nennt. Expressive abstrakte Gemälde, Halbreliefs und Skulpturen in urbanen Landschaften. Reduziert, sorgsam ausgesucht und authentisch. Im Museum werden die abgelichteten, eigentlich nur mäßig interessanten Baustellen, zu faszinierenden, nicht digital nachbearbeiteten, großformatigen Farbfoto-Kunstwerken.

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