Project X: War wohl nix

Ein Kommentar zu "geheimen Hauspartys".

So wurde im vergangenen Sommer die "Project XXL"-Party im Kennelbad gefeiert. Foto: Archiv / Philipp Ziebart.

Es klingt so verlockend: An einem noch geheimen Ort steigt DIE Hausparty des Jahres. Von der jeder Feierwütige schon immer geträumt hat – sicherlich auch mit entsprechenden Filmszenen aus dem Hollywood-Streifen „Project X“ im Hinterkopf. In den vergangenen Monaten wurden in der Region38 zahlreiche dieser Partys angekündigt. Daraus geworden ist wenig bis gar nichts.

Vorab: Sicherlich fanden einige Partys tatsächlich statt, darunter sei etwa die „Project XXL“-Party im Juni des vergangenen Jahres im Kennelbad zu nennen. Doch der Hype, den der Kinostreifen aus dem Jahr 2012 ausgelöst hat, überspült die sozialen Netzwerke geradezu mit entsprechenden Veranstaltungen – dessen Location stets noch streng geheim ist. Oftmals sogar über den Termin hinaus, denn im Stile der Flughafen BER-Eröffnung wird dieser verschoben, verschoben, verschoben.

CO2 Kanone, Bierbong, Red Cups…die Partys werden oftmals mit ähnlichen an den US-Hype erinnernden Eigenheiten beworben. Die Party des Jahres! Deines Lebens! Also, wenn du dich daran erinnerst.

Am Samstag wird etwa „PROJECT GIFHORN“ an einer noch geheimen Location in Gifhorn gefeiert. Zumindest theoretisch. Der Termin wurde bereits mehrmals verschoben, die zugehörige Facebook-Seite besteht seit Anfang 2015 – gefeiert wurde noch nicht. Auch die hunderten Interessierten, die für das Facebook-Event zugesagt haben, sind mittlerweile nicht mehr sonderlich optimistisch. „Ey, ganz ehrlich, so oft wie die Zeit geändert wird, bezweifele ich, dass die Party überhaupt stattfinden wird“, schreibt Tim Lang. „Alles Laberköppe“, schreibt Benjamin Jarche. Mussten früher aufwendig Plakate und Flyer gedruckt sowie verteilt werden (im Falle einer Absage wieder eingesammelt) – ist heute mit einem Klick alles weg. Ob Party oder Festival: Innerhalb von Sekunden verschwinden Ankündigungen aus dem World Wide Web.

Ob die jeweiligen für die vergangenen Monate angekündigten Hauspartys an etwaigen Genehmigungen, der Finanzierung oder aus anderem Grund scheitern – ist unbekannt. So oder so schaden sie den Veranstaltern, die ernsthaft Nachtschwärmer für ihre Veranstaltungen begeistern wollen. Und das wird nicht leichter: Wird die Facebook-Gemeinde beispielsweise täglich von neuen Events überrollt.

Nutzer sozialer Netzwerke mögen nicht immer gleich jeden Veranstalter, jeden Kontext eines Events intensiv durchleuchten, so möglicherweise Gefallen an Terminen finden, die scheinbar schon vorab zum Scheitern verurteilt sind. Doch die Hartnäckigkeit, mit der die „Partys des Jahres“ mittlerweile schon seit Jahren immer wieder angepriesen wird – ist zeitgleich beeindruckend, nervig und traurig.

^