Pfau: Eine neue, alte Ära

Am Wochenende will der Club im Gieseler Turm ein neues Kapitel einläuten. Dazu im Interview: DJ Seerious.

Bringt die "alte Pfau-Familie" wieder zusammen: DJ Seerious. Foto: privat / oh.

Im Jahr 2008 eröffnete im Gieseler Turm, unmittelbar über dem damaligen Merz gelegen, der Pfau Club. „Extravagant, elegant, edel“: Das Konzept in den ehemaligen Räumlichkeiten des Vibes ging nur bedingt auf – das Interesse war nicht so groß wie erhofft. Aus einer Nischenveranstaltung in dem Club, der „I Love RnB“-Party, wurde schließlich Potential für ein gänzlich neues Konzept: Der Braunschweiger Evren Songürer alias DJ Evolution schaffte es mit weiteren DJs der Stadt, so auch DJ Seerious, Woche für Woche mit Hip-Hop, RnB und Co. das Pfau zu einer beliebten Anlaufstelle zu machen.

Diese Zeiten allerdings sind vorbei – nach mehrmaligem Inhaberwechsel hat sich nicht nur das Publikum, sondern damit einhergehend auch das Konzept verändert. Nun soll es „back to the roots“ gehen. Die Familie will wieder zusammenkommen. Kaya Szczotkowski alias DJ Fourteen, der künftig wieder regelmäßig am Start sein wird, erinnert sich zurück: „Es war eine sehr persönliche Atmosphäre. Man war cool mit den Leuten an der Bar, mit den DJs, alle konnten sich riechen. Man kannte gefühlt jeden Gast, die Leute waren wirklich entspannt.“

Zurück im Pfau: DJ Fourteen. Foto: Florian Koch / oh.
Zurück im Pfau: DJ Fourteen. Foto: Florian Koch / oh.

Der Braunschweiger hatte seine Anfänge als DJ im Pfau, für ihn eine besondere Situation. „In den Räumlichkeiten habe ich hinsichtlich des Auflegens meine ersten Gehversuche gemacht.“ Er merkt an, dass sich seine Sets im Stil von denen bei den Formaten „Code of the Streets“ und „It’s all good“ abgrenzen werden. „Gefeiert wird zu Musik, die man eben gerne hört wenn man auf eine Black-Music-Party kommt.“

Zurück zum „alten Wohnzimmer“

Ebenfalls maßgeblich am neuen Kapitel im Pfau beteiligt ist Sascha Beer, im Nachtleben unterwegs als DJ Seerious. Er zeichnet sich für Veranstaltungen, Programme und die Bookings verantwortlich. Mit ihm unterhielt sich szene38 vorab im Interview.

Sascha, ihr wollt das „alte Wohnzimmer“ wieder aufleben lassen. Was bedeutet das?
Die Wiederbelebung eines schönen Gefühls. Ich hatte damals meine schönste Zeit in Braunschweig – alte Liebe rostet eben nicht. Klar gab es auch das Jolly Joker, in dem ich partytechnisch groß geworden bin, aber schon immer mochte ich mehr das „Clubbige“ mehr. Teilweise war ich in anderen Städten auflegen und bin danach trotzdem noch ins Pfau gefahren, um die „Pfau-Familie“ sehen zu können.

Wie ist das „alte Pfau“ damals entstanden?
Das alte Pfau ist damals durch einen Zusammenschluss von DJs aus Braunschweig entstanden, also DJ Fourteen, DJ Crazy Cutz, DJ Evolution und meiner Wenigkeit. Später kam noch DJ HuriKane aus Hannover dazu. Ein weiterer Faktor, der zum Erfolg beigetragen hat, war die Veranstaltungsreihe „I Love RnB“. Ich hatte die Idee dazu, DJ Evolution hatte damals schon den Kontakt zur damaligen Betreiberin Natalie Pfaue – schloss uns zusammen. So machten wir gemeinsames Ding.

Wie wurde das Pfau in deinen Augen zuletzt betrieben?
Fehler muss man sich eingestehen. Das Clubgeschäft ist ein langfristiges Geschäft, Fehler erkennt man meist erst Jahre später. Der größte Fehler war bei einem laufenden Laden nicht mehr auf die Türqualität und den Anspruch an Veranstaltungen und DJs zu achten. Es hat für mich den Anschein gemacht, als wollten die ehemaligen Betreiber sich nur die Taschen voll machen. Leider klappt das nur für ein bis zwei Jahre – dann werden die Ausmaße sichtbar.

Es soll wieder persönlicher werden: Im Interview spricht DJ Seerious über einige Ideen. Foto: Archiv / Timo Schneider.
Es soll wieder persönlicher werden: Im Interview spricht DJ Seerious über einige Ideen. Foto: Archiv / Timo Schneider.

Ihr schreibt von neuen Partykonzepten. Was bedeutet dies genau?
Wir gehen mit der Zeit, das wurde leider vernachlässigt. Moderner „Stuff“ eben. Ansprechende Grafiken, altbewährte DJs, aktuelle Musik. Vielleicht lassen wir die ein oder andere bekannte Partyreihe wieder aufleben, holen größere  DJs oder sogar auch Liveacts, die in das Konzept passen.

Man liest außerdem von einer neuen Türpolitik…
Wir achten in Zukunft drauf, dass die Tür wieder ein Auge auf das gewünschte Clientel hat. Wir wollen das Pfau nicht mit Menschen füllen, um einen volle Tanzfläche ergattern zu können und dabei die Qualität der Partycrowd missen. Es soll wieder ein gutes Mischverhältnis zwischen Frauen und Männer. Freitags haben Frauen ab sofort freien Eintritt.

Gibt es grundsätzliche Veränderungen an der musikalischen Ausrichtung?
Eine musikalische Konzeptanpassung wird definitiv stattfinden. Wir wollen tiefer in die Materie gehen, den Gästen neue Musik an Herz legen. Wenn die DJs unter sich zusammen halten, ist das ein leichtes Spiel. Letztendlich sind urbane Clubsongs immer noch ein hochgefragtes Nischengut.

Am Wochenende läutet ihr das „neue Kapitel“ ein. Was ist geplant?
Sicherlich fragen sich die Braunschweiger, warum gerade mitten in der Sommerpause? Wir nutzen die Zeit im Sommer, um den Gästen zu zeigen, dass es wieder wie früher werden kann, so dass wir in der Wintersaison richtig Gas geben können. Dies ist alles nur ein Vorgeplänkel für mehr.

Am Freitag (1. Juli) wird zu „Famous“ mit DJ HuriKane geladen, am Samstag (2. Juli) zu „One Dance“ mit DJ Seerious und DJ Fourteen. Gestartet wird jeweils um 23 Uhr, der Eintritt beträgt an beiden Abenden 7 Euro. Weitere Informationen sind auf facebook.de/pfauclubbraunschweig zu finden.

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