Melbeatz: Die, die Kanye West eine Chance gab

Berliner Ausnahmeproduzentin gastiert bei "Dopebeatz" in der Pantone.

Melbeatz: Der Spiegel nannte sie die "First Lady" im Rap-Geschäft. Im September gastiert die Produzentin in Braunschweig. Foto: privat / oh.

Nicht ohne Grund wird sie in der Szene „Queen of Beats“ genannt: Abgesehen von den Fachmedien tritt die gebürtige Berlinerin Melanie Wilhelm kaum in Erscheinung. Wir fragen uns: Warum eigentlich?

Von ihrem Netzwerk können viele nur träumen: Mit der Musik kam Melbeatz durch ihren langjährigen Lebensgefährten Kool Savas in Berührung – kennengelernt hatten sie sich durch ihre gemeinsame Mitgliedschaft in einer Sprayergruppe. 1996 steigt sie bei M.O.R. mit ein, der Band von Savas, Justus und Fumanschu. Im gleichen Jahr lernt sie – eher zufällig – in New York den Berliner Produzenten DJ Desue kennen. Sie kommt auf den Geschmack. Zurück in Deutschland kümmert sich Savas um einen Sampler, bringt ihn mit in die gemeinsame Wohnung. Die Geschichte nimmt ihren Lauf.

Auch heute noch legendär: „Rapper’s Delight“

Ihre Beats landen auf Veröffentlichungen wie etwa dem „Berlin No. 1“-Sampler (2000) und Alben von Größen wie Shadow und Fuat – 2001 schließlich kümmert sie sich im Alleingang etwa um „Komm Her“ von Eko Fresh und „Der beste Tag meines Lebens“ von Kool Savas. 2004 erscheint ihr über Jahre vorbereitetes Album „Rapper’s Delight“: Die Aufnahmen für das legendäre musikalische Verbindungsstück zwischen der deutsch- und englischsprachigen Hip-Hop-Szene finden in Frankfurt, Berlin und auch New York statt. Ob Samy Deluxe, Jan Delay, Ol‘ Dirty Bastard oder Mobb Deep -für das Produzentenalbum kommen zahlreiche Größen zusammen. Kanye West, im Jahr 2004 bis dato eher „nur“ als Produzent bekannt, lässt Melbeatz auf eigene Produktionen rappen, gibt ihm eine Chance. Zehn Jahre später wird das Einkommen des US-amerikanischen Rappers laut Forbes auf mehr als 30 Millionen Euro geschätzt.

In den Folgejahren flogen ihr die Auszeichnungen (etwa mehrere JUICE-Awards in der Kategorie „Bester Produzent“) förmlich zu, bei einigen Kinofilmen wirkte sie an der Produktion mit. Das Engagement für deutsche Rapgrößen hielt parallel an. „Mit der Musik ist es genau wie mit dem Graffiti und da bin ich auch ein bisschen stolz drauf: Ich wusste beide Male nicht genau, was es ist, aber hatte so viel Spaß dabei, dass ich mir damit einen Namen gemacht habe“, kommentierte die Künstlerin ihr Schaffen gegenüber dem Broadly-Magazin der VICE.

„Probs“ als Frau in der Szene: Schultern breitmachen

Über abgebrochene Fingernägel sollte man sich in der Szene nicht ärgern: Um sich in der Hip-Hop-Szene als Frau zu behaupten, hilft sicherlich ein breites Kreuz. Angesprochen wird Melbeatz darauf oft. Die Berlinern dazu gegenüber Broadly: „Für mich war immer alles cool. Aber das kommt auch darauf an, wie du dich gibst. Schwesta Ewa wird von allen Jungs gemocht, weil die echt eine Stabile ist. Wenn du jetzt Tagebuch-Rapperin bist, hast du keine Chance.“ Ein bestimmter Schlag Frau sein schon erforderlich.

Am 10. September wird Melbeatz für ein exklusives DJ-Set in der Pantone gastieren. „Im deutschsprachigen Raum ist sie weit und breit die einzige Frau, die bisher mit herausragenden Beats, professionellen Produktionen und eigenem Sound überzeugen konnte. Mit ihren Beats legte sie den Grundstein für zahlreiche Hits“, freuen sich die Initiatoren der „Dopebeatz“-Party – das Point 54 Studio – auf den Besuch. Weitere Informationen, auch zum Vorverkauf, gibt es bei Facebook.


Melbeatz bei Soundcloud:

^