27. September 2016
Konzert-Tipps

Zwischen Lady Gaga und The Walking Dead

Tattoo-Model Zombie Boy feiert Weltpremiere in Hameln

Zombie Boy ist Laufsteg- und Fotomodel - jetzt steht er auf der Bühne. Foto: Christopher Morrison

Seine Augen starren aus tiefschwarzen Höhlen. Auf seinem kahl rasierten Kopf gibt eine geöffnete Schädeldecke Einblicke in die menschliche Anatomie. Das Tattoo-Model Rick Genest, aka Zombie Boy, sieht aus wie eine verwesende Leiche – und wurde damit weltweit bekannt. Gruselig, könnte man meinen. Bis er anfängt zu reden – und seinen kleinen Sprachfehler offenbart; er lispelt leicht. Seltsam, denkt man dann und wundert sich ein wenig. Bis man seine gespaltene Zunge sieht.

Im Oktober kann man sich Zombie Boy live in Hameln ansehen – dort, nur 90 Minuten von Braunschweig entfernt, feiert er Weltpremiere auf dem Autumn Moon Festival. Und zwar als Performance-Künstler.

Wie der Zombie zu seinem Namen kam

„Ich bin auf der Straße aufgewachsen – auf Dächern und unter Brücken“, erzählt Genest im Vogue-Interview  über seine Jugendjahre. In seiner kanadischen Geburtsstadt Montreal schlug er sich in den 80er Jahren als Straßenpunk und Hausbesetzer durchs Leben, geriet dabei immer wieder in Konflikte mit der Polizei. Nach ersten Tätowierungen im Teenager-Alter wurde die Sucht nach mehr Farbe unter der Haut immer stärker. Ein Tattoo-Artist in seiner Heimat erkannte Genests bedingungslose Bereitschaft, sich unter die Nadel zu legen – und verwandelte den Horrorfilm-Begeisterten in ein lebendes Skelett wie aus The Walking Dead.

Wie ein Zombie auszusehen, sei für ihn eine gewisse Art der Rebellion gegen den Tod, erzählt Genest. Und dem ist er selbst schon von der Schippe gesprungen. Nachdem dem damals 15-Jährigen ein Gehirntumor entfernt wurde, nannten ihn seine Freunde nur noch „Zombie Boy“.

Neben seinen Tattoos, für die er sogar ins Guinessbuch der Rekorde aufgenommen wurde, hat der 31-Jährige eine Zungenspaltung, ein Bridge- und zwei Septum-Piercings.

Der Untote bereist die Welt

Vermutlich wäre die Geschichte des ausgefallenen Tattoo-Freaks an dieser Stelle zu Ende gewesen. Wenn nicht der Stylist von Lady Gaga (ihrerseits bekannt durch delikate Auftritte in Fleischkostümen) auf Genest aufmerksam geworden wäre und sein Model-Potenzial erkannt hätte.

Anfang 2011 läuft Genest also seine erste Modenschau für den französischen Designer Thierry Mugler in Paris. Kurz darauf ist er in dem Musikclip „Born This Way“ neben besagter Lady Gaga zu sehen, durch den er international bekannt wird.

Es folgen weitere Kooperationen und Werbeverträge, u.a. mit Magazinen wie GQ, Vanity Fair und Vogue Hommes Japan.

Auch Heidi Klum arbeitete zusammen mit Zombie Boy: 2013 veranstaltete sie im Rahmen ihrer Casting-Show „Germany‘s Next Topmodel“ ein Photoshooting mit dem Ausnahme-Model und ihren Kandidatinnen.

Jetzt noch mal Performance

Doch der Zombie Boy kann auch anders: Nach der Modelkarriere will er jetzt mit einer Performance-Show auf die große Bühne. Dafür hat er sich mit Mike Riggs, dem ehemaligen Rob Zombie-Gitarristen, zusammengetan. Musikalisch ist das Projekt von Riggs und Genest im Industrial Bereich angesiedelt, irgendwo zwischen Ministry und Rob Zombie. Auf dem Autumn Moon, dem Metal-Festival am 15. Oktober in Hameln, gibt das Duo ihr exklusives Bühnen-Debüt.

Mehr Infos zum Festival gibt‘s hier.

Auch interessant