15. Februar 2016
Konzert-Tipps

„Und jetzt Licht, bitte!“: Matze Rossi

Sänger und Songwriter tritt in der Löwenstadt auf.

"Die Zukunft bleibt unwichtig - bis sie passiert": Sowohl solo als auch in mehreren Bands war und ist Sänger und Songwriter Matze Rossi aktiv. Foto: Veranstalter / oh.

Matthias Nürnberger alias Matze Rossi gehört der Generation Punk an, die mit Ende 30 wieder dort angekommen ist, wo sie mit Anfang zwanzig schon einmal war. Wilde Träume, ein brennendes Herz, auf Bühnen zuhause (bei ihm waren es die fast mystisch verehrten Tagtraum, mit denen Matze von 1993 bis 2006 fünf Alben veröffentlichte). Irgendwann der Bruch, der Job, das Bürgerliche, die Familie. Und Jahre später die Einsicht, dass das unstete Leben uns immer wieder einholt, wo immer wir uns auch vor ihm verstecken mögen. Auch deshalb stellt Matze weiter seine Fragen, auf einem Album, das sich damit beschäftigt, was es heißt ein „Erwachsener“ zu sein, obwohl Punk uns doch gefordert hat „Young till I die“ zu bleiben. Eigentlich müsste der Tag für den Musiker mindestens 30 Stunden haben.

Der Singer-Songwriter ist Vater von drei Kindern, Yogalehrer, Sänger der Punkband Bad Drugs, Labelbetreiber, Dozent an der Fachakademie für Sozialpädagogik. Trotzdem schafft er es immer wieder, alles unter einen Hut zu bringen. Denn in ihm brennt ein Feuer, eine Leidenschaft für seine Musik, welche ihm gar keine Wahl lässt. „Ich fange Feuer“ heißt sein mittlerweile fünftes Solo-Album, das so vertraut klingt, einen Neuanfang bedeutet und dennoch an alte Zeiten anknüpft. Aufgenommen wurden die zwölf Songs an nur vier Tagen in Zusammenarbeit mit Sven Peks im Herbst 2015 in der Audiolodge Gaibach – einem Ort, an dem Matzes musikalische Vergangenheit wohnt: Hier entstanden auch die wegweisenden Alben von Tagtraum, jener Punkrock-Band, die den Grundstein der Musikkarriere des positiven Querdenkers legte – der Kreis schließt sich also wieder.

Das Neue an „Ich fange Feuer“ war zunächst die Studiozeit: Innerhalb von wenigen Wochen im Hochsommer geschrieben und anschließend live eingespielt mit Studiomusikern, die Matze erst am Tag des ersten Akkords persönlich kennenlernte. Ein Experiment, aber auch ein Statement: „Die Entwicklung alles zu digitalisieren, auch die Musik, und die damit verbundene Perfektion im Sinne von Vereinheitlichung und Gleichtaktung hat mich über die letzten Jahre schier verrückt gemacht und beim Aufnehmen immer gehemmt. Musik auf Click zu spielen, Instrumente getrennt aufzunehmen und alles wie ein Computer abzudrücken oder daran anzupassen, raubt dem Ganzen die Seele. Trotzdem habe ich es immer versucht, machen ja alle so, und meine bisherigen Platten waren halt OK bis gut, sie haben mir aber selber nie das befriedigende Gefühl gegeben, dass ich bei meinen Konzerten habe. Dieses Lebendige und Organische, die Auf‘s und Ab’s, die Interaktion, das Geben und Nehmen. Mit ‚Ich fange Feuer‘ ist hier ein Traum in Erfüllung gegangen, ein Studioalbum komplett live aufzuzeichnen. Mit allen Musikern in einem Raum zu spielen, wenige Mikrofone, und auch den Gesang gleichzeitig aufzunehmen war das I-Tüpfelchen. Die Platte sollte nicht perfekt sondern echt klingen. Ich wollte das Feuer und die Magie einfangen, die beim Musikmachen entsteht.“

Der Titel des Albums steht für Matzes Entschluss, sein Leben mit Ende 30 erneut umzukrempeln und sich beruflich wieder fast vollständig auf das Musikmachen zu konzentrieren. Wer hätte gedacht, dass sich das Vorgängeralbum „Und jetzt Licht bitte!“ so gut verkauft und ihm die Möglichkeit dazu bietet? Erscheinen wird das lang erwartete neue Album „Ich fange Feuer“ im März 2016 auf End Hits Records, dem Band-eigenen Label der Post-Hardcore-Pioniere Boysetsfire. Deren Manager Oise Ronsberger ist beinahe wie ein Bruder für Matze – die beiden lernten sich auf einem Tagtraum-Konzert vor fast 20 Jahren kennen.

Wenn Matze Rossi am Samstag den 9. April auf der Bühne vom Eulenglück steckt: Dann kommen die Zuschauer nicht nur in den Genuss eines spannenden Musikers, sondern einem wichtigen Bestandteil deutscher Indie- und Punkgeschichte der 2000er-Jahre. Karten gibt es ab 14,90 Euro an allen bekannten Vorverkaufsstellen – Einlass am Abend wird ab 19 Uhr gewährt, um 20 Uhr gestartet. Details: www.senorematzerossi.de.


Und jetzt Licht, bitte:

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