Neo-Boombap

Umse, Malocher-MC aus dem Ruhrpott, im März live in Wolfsburg

Der Ratinger Rapper ist ein Kind des Ruhrpotts – und ein ewig Reisender. Er erzählt in seinen Songs vom Großen und  Kleinen, vom Lokalen und Globalen. Foto: Hallenbad Wolfsburg / Robert Winter

Achtung, es gibt da Draußen noch ein Deutsch-Rap-Leben fernab von Straßen-Härte und Ghetto-Sozialromantik. Von dicke Hose und dicken Protzschlitten, von Drogenverherrlichung und Waffenfetischismus,  von Bling-Bling und Frauenverachtung. Weit weg. Einfach mal umgucken. Zum Beispiel „Durch die Wolkendecke“. Genau dort bewegt sich Christoph Umbeck alias Umse.

Authentisch, unaufgeregt und angenehm normal

Ein Kind des Ruhrpotts, ein Malocher-MC. Authentisch, unaufgeregt, angenehm normal. Ein Typ, mit dem man gerne mal ein Bier trinkt. 1983 in Ratingen geboren, erlebte er als Teenager den ersten großen Deutschrap-Boom und begann um die Jahrtausendwende selbst mit dem Texten. Vor knapp einer Dekade kreierte Umse einen ersten Online-Buzz, nachdem seine Debüt-EP „Smart und weise“ über 20.000 Mal heruntergeladen wurde und die MySpace-Community ihn 2007 zum „Most Wanted Artist“ des Jahres wählte. MySpace ist tot, Umse ist noch immer quicklebendig. Der Rapper ist ein ewig Reisender. Kein Sprinter, sondern ein Langstreckenläufer mit langem Atem, der sich auf Dauer auszahlt. Der Top-20-Künstler chartete mit seinen letzten Alben „Kunst für sich“ im Jahr 2014 (Platz 36) und „Haiwanischer Schnee“ im Jahr 2015 (Platz 16). Für sein neues Album nahm er sich zwei Jahre Zeit, musste Tiefschläge überwinden, um im Jahr 2018 „Durch die Wolkendecke“ gehen zu können.

Scheuklappen-freier, samplelastiger Trademark-Sound

Mit seinem aktuellen Album setzt Umse seinen Weg konsequent fort und zeigt dabei neue Impulse und Perspektiven auf. Der Titel deutet bereits an, dass es düsterer und nachdenklicher zugeht; er steht aber auch sinnbildlich für: „The sky is the limit“. Dieses Limit ist für den Grown-Man-Rapper noch lange nicht erreicht: Er ist weder hängengebliebener Oldschooler noch gesichtstätowierter Mumble-Rapper, und doch fruchtet sein Scheuklappen-freier, samplelastiger Trademark-Sound für Jedermann- und frau im Hier und Jetzt. Das Regionale und das Reisen sind zwei Konstanten und Extreme, die sich durch seine Karriere ziehen. Mit seinem Produzenten Deckah flog er für „Durch Die Wolkendecke“ bis nach Colorado und Teneriffa. Der Track „Wenn Die Ferne Ruft“ thematisiert dieses Fernweh, das für Umse so inspirierend wirkt. Auf der Single „Mach Das Kleine Groß“ zeigt  schließt er dem Großen auf das Kleine, vom Lokalen aufs Globale, von sich als Individuum auf die Gesellschaft und Szene.

Die Werte der alten Hip-Hop-Schule

Am 16. März, 20 Uhr, kann man Umse live im Hallenbad Wolfsburg erleben. Er verbindet die Werte der alten Hip-Hop-Schule mit Technik und Tiefgang zu einem sympathischen Neo-Boombap-Entwurf.

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