MC Fitti: „Ich werde doch heute nicht lesen, Alter!“

An der Corner ist was los: Auch ein Hamster gastierte auf der Bühne. Foto: Dominik Bocken / oh.

Am vergangenen Wochenende lud MC Fitti zur Buchvorstellung seines ersten Werkes „Aus meinem Auspuff kommt Konfetti“. Falls unter den hunderten Gästen im Hallenbad Wolfsburg tatsächlich jemand auf eine Lesung gehofft hatte, dann wurde er vermutlich enttäuscht. Alle Freunde des Styles, der Art und der Welt von MC Fitti dürften begeistert gewesen sein.

„Viele von euch werden zum ersten Mal bei einer Lesung sein“, schmunzelte Fitti schon zu Beginn. Tatsächlich beschreibt der Rapper eine Generation, die – zugespitzt formuliert – selbst an einem Buch den USB-Anschluss und „Gefällt mir“-Button sucht. Auch gleich zur Einleitung stellte er klar: „Wenn ihr denkt dass ich aus meinem Buch vorlese, dann kennt ihr MC Fitti nicht!“ Warum hat der gebürtige Gifhorner dann eigentlich ein Buch geschrieben? „Weils geil ist“ – okay, das passt. Gelesen wurde dann trotzdem: Etwas ruckelhaft, von Katzenmaske, seines Zeichens DJ der Fitti-Gang. Auch MC Izzo gesellte sich auf die Bühne dazu – schon konnte an der eingerichteten Corner gechillt werden.

Einer Performance ähnelte die Lesung, die durchaus unterhaltsam und in jedem Fall stilecht Fitti war. MC Fitti, mit bürgerlichen Namen Dirk Witek, fühlte sich nahe seiner Geburtsstadt sichtlich wohl. Und das trotz Anwesenheit der Presse. „Wir müssen aufpassen, es ist ja Presse da“, witzelte er. Gescherzt wurde nämlich auch über den kürzlich erschienenen Medienbericht eines Journalisten, der – milde gesagt – nur ganz bedingt begeistert von Fittis Buchvorstellung war.

Ohne „Pfeffi“ geht nichts: Pfefferminzlikör zählt bei der Fitti-Gang zu den Grundnahrungsmitteln. Foto: Dominik Bocken / oh.
Ohne „Pfeffi“ geht nichts: Pfefferminzlikör zählt bei der Fitti-Gang zu den Grundnahrungsmitteln. Foto: Dominik Bocken / oh.

Nur wenige Einblicke in das Buch, dafür viele in die Welt des Rappers mit Vollbart, Sonnenbrille und Cap gab es an diesem Abend. Geplaudert wurde über Besuche bei dem Kiosk Kuhn in Gifhorn, die Lehre bei Elektro Henning (ebenfalls in Gifhorn) – und die beliebten Steckdosen-Aufkleber. „Davon wurden bestimmt 200.000 Stück in Deutschland verklebt“, merkte er an. Anlässlich einer Ausstellung entstand der Song „30 Grad“, eine der ersten Songperlen des YouTube-Helden. Auf der Bühne dazu getrunken wurde „Pfeffi“, wie es sich gehört. „Ist ja schon wie Zähneputzen.“

„Jetzt lies doch mal was vor, Diggi“, motivierte Fitti zwischendurch seinen Kompagnon Katzenmaske. Nicht nur der DJ las fleißig vor, auch die Sprachausgabe von Windows nutzten sie für ein paar Zeilen. Wenig verständlich, dafür höchst amüsant. „In dem Buch steht echt eine Menge Quatsch drin, macht aber Spaß“, so der Autor über sein eigenes Werk. Und das stimmt: Das „Mitmachbuch“, in dem der Leser selbst entscheiden kann, auf welcher Seite er weitermachen will – ist tatsächlich unterhaltsam. Unterhaltsam war auch der Abend selbst, im Grunde ein großes gemeinsames Chillout an der Corner. Zwischendurch wurden ein paar Songs performt, auch verabschiedete sich der Musiker für einen Augenblick von der Bühne. Für reichlich Applaus und Gelächter sorgte auch die Fragerunde zum Abschluss. Ein Braunschweiger, der MC Fitti extrem ähnlich sieht, stellte ebenso einige Fragen. Der Musiker lies dies nicht unbeachtet: „Du siehst ja aus wie ich…wenn ich morgens in den Spiegel gucke und es mir nicht so gut geht.“ Zum Abschluss gab es noch eine Autogramm- und Fotomöglichkeit – „cornern“ würde es der Rapper selbst nennen. Solange, wie der Pfeffi noch hält.

 

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