Lucas Uecker schrammelt in Braunschweig

Der Liedfett-Gitarrist ist „Am Arsch“ aber gut drauf mit rau-filigranen Dirty-Folk

BU: Singer-Songwriter Lucas Uecker hat das Herz am richtigen Fleck und besitzt hanseatischen Weitblick, der über den Horizont hinausreicht. Foto: Undercover / Alexander Schliephake

Ein dürrer Typ mit kurz rasierten Haaren, Bart, Tattoos und Akustikgitarre steht auf der Straße, schrammelt herum und singt von bröckelnden Fassaden und von seinem Herz, das ein Geisterfahrer im Gegenverkehr ist. Lucas Uecker heißt der eigenwillige und authentische Typ.

Bekannt geworden mit „Liedermaching Untergrund

Bekannt geworden ist er als Mitglied des Hamburger Akustik-Pop-Trios, die ihren Sound als Liedermaching Untergrund bezeichnen und in ihren Texten über Alkohol, Liebe und was die Menschen sonst noch im Leben umtreibt, berichten. Da knüpft Uecker auch im Alleingang an. Auf seinem Debütalbum „Unterm Teppich“ führt er den Hörer ohne Kompass durch die Gefühlswelten und Gezeiten im Wellengang des Daseins. Dirty Folk nennt seine Plattenfirma den Sound, den Uecker filigran, rau und unpoliert dahin- und herschrammelt. Mit viel Herz und Leidenschaft. Voller Melancholie.

Songs zum schwelgen nicht zum schunkeln

Musik, die funkelt wie die dunkle Elbe in der aufgehenden Morgensonne nach einer durchzechten Nacht in Hamburgs abgewracktesten Hafenbars. Country-Ikone Johnny Cash trinkt Mexikaner-Shots mit Punk-Leguan Iggy Pop, Element-Of-Crime-Chef Sven Regener teilt sich eine Zigarette mit Swamp-Blues-Grantler Tom Waits. Uecker stellt Fragen des Selbstzweifels und findet dabei stets die Schönheit hinter den Fassaden. Sein hanseatischer Weitblick reicht über den Horizont hinaus und verbindet sich mit Melodien, die mitten ins Mark treffen. Es sind Songs zum schwelgen nicht zum schunkeln. Seine Lieder können verzaubern und bieten Lösungen ohne Antworten. Wie ein scharfer Schnaps in stillem Einverständnis, der Blick wird weich, die Seele sanft. „Lieder sind geschmolzene Stadthallen.“, schrieb einst Max Goldt. Die Lieder von Lucas Uecker sind eine verwitterte Holzkapelle in den Weiten der Prärie: Da sind viele Geschichten drin.

Der Multiinstrumentalist John Winston Berta ist als Support dabei

Zu hören sind einige davon am Freitag, 10. Mai, 20 Uhr, im Eulenglück Braunschweig. Im Vorprogramm ist der junge Sänger, Gitarrist und Schlagzeuger John Winston Berta, den seine Eltern nach der Beatles-Legende benannt haben, zu hören. Dessen Leidenschaft sind unter anderem Songs von Bob Dylan und Pink Floyd.

^