Loser-Romantik von Grillmaster Flash & Lässing – Szene38
15. Januar 2019
Konzert-Tipps

Loser-Romantik von Grillmaster Flash & Lässing

Am 19. Januar rocken die beiden live in Braunschweig.

Dieser Typ hat eigentlich nichts zu erzählen, nur das normale Zeugs. Aber das macht er verdammt ehrlich und gut: Grillmaster Flash. Foto: Undercover.

„Scheiß Geld, komm raus…“ flucht Grillmaster Flash auf seiner Single „Pleite gehen“. Dazu posiert er im Bankautomatenvorraum und trinkt billiges Flaschenbier in einer schäbigen Eckkneipe. Sexy aber geil. „Es geht mir gut, denn ich kann singen…“, ruft er allen Selbstoptimierern, Start-Up-Wichtigtuern und sonstigen Erfolgsmenschen frech und dennoch sympathisch entgegen.

Jeanskutte und ausgelatschte Turnschuhe, Nerdbrille und schlechte Frisur

Grillmaster Flash, Jahrgang 1983, ist ein authentischer, bodenständiger Typ in Unterhemd und löcheriger Jeans, Jeanskutte und ausgelatschten Turnschuhen. Mit Nerdbrille und schlechten Haarschnitt. Eigentlich völlig uncool, doch gerade deshalb ungemein sympathisch. „(Ich war nie) Rock’n’Roll“ behauptet er augenzwinkernd auf der gleichnamigen Single von seinem Debütwerk „Andere Leude my Ass“. „Wenn man mit mir rumhängt wird man immer enttäuscht. Ich habe nichts zu erzählen, nur das normale Zeugs…“, meint der Bremer Singer-Songwriter mit dem man sich eben doch gerne unterhalten würde. Oder auch einfach nur am Tresen stehen und zusammen schweigen.

Erinnerungen an die 80er Jahre

Mit „Stadion“ hat er auf dem lässig-krediblen Hamburger Label „Grand Hotel van Cleef ein Album eingespielt, welches Erinnerungen an die 80er Jahre wach ruft. Eine fast vergessen Zeit als Musik noch auf Kassetten überspielt werden musste, um sie unterwegs auf dem Walkman hören zu können. Zu Fuß. Auf dem Fahrrad oder der Mofa. Meistens auf dem Fahrrad, gerne entlang einer wenig befahrenden Bundesstraße auf dem Weg zu einem Konzert, in der nächstgelegenen größeren Stadt. Natürlich mit Nieselregen und rauen Wind im Gesicht, der von vorne peitscht. Wie es in Norddeutschland eben so üblich ist. Einer dieser kleinen Orte könnte Sottrum, zwischen Bremen und Hamburg sein, der im gleichnamigen Lied träumerisch als „Heavy-Metal-Hauptstadt“ skizziert wird. Öde, langweilige, in den 80er Jahren kaum erschlossene Landstriche, wo eben viele Teenager herum vegetieren mussten. Es gab keine Handys und Internet, aber wenigstens Musik.

Wochenende, Musik, Bier, Freundschaft

Im Song „Hängen mit den Jungs“ glorifiziert der Grillmaster die simplen Dinge des Lebens: Wochenende, Musik, Bier, Freundschaft. Auch wenn nur Mädels im Video zu sehen sind. Kleine Alltagsfluchten eben. „Bier & Action“, das Eröffnungsstück, beschreibt ergänzend ein zutiefst ehrliches Bedürfnis. „Jonny gibt nicht auf“ erzählt sympathisch vom Scheitern eines Musikers, der nicht aufgibt, sondern weitermacht und dabei sein Rückgrat behält. „Sottrum“ ist seine liebevoll-ironische Hommage an die „Heavy-Metal-Hauptstadt“. Ehrliche Geschichten von einem Musiker der gerne „Bud Spencers Bart“ hätte, es aber wahrscheinlich nie für eine Soloshow ins Stadion schafft. Aber dafür in herruntergerockte Jugendzentren und schäbige Klubs. Unterwegs in einem klapprigen Bus auf den Straßen, die kein Geld bedeuten. Am 19. Januar um 20 Uhr könnt ihr Grillmaster Flash erstmals live im Eulenglück erleben.

Schrulligkeiten, Teenage-Angst, und Pop-Nostalgie

Unterstützt wird er dabei von seinem Kumpel Lässing. Der schreibt deutsche Songs, die eine ansatzweise optimistische Stimmung verbreiten, da ihn das runterzieht, wenn alle immer so rumheulen. Vollgas, aber mit einem Auge für Details und kleine Schrulligkeiten. Teenage-Angst, Loser-Romantik, Pop-Nostalgie, Verharmlosung von Herzschmerz und Entfremdung im Allgemeinen sind seine Themen. Oder anders ausgedrückt: Das Leben ist hart, diese zwei Typen sind härter. Grillmaster Flash & Lässing – Zwei Slacker geben Stoff.

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