Kettcar rocken in Braunschweig

Zweiter „GroßerHausBesuch“ Ende Januar 2020 im Staatstheater Braunschweig

Atmosphäre und Energie: Kettcar treten am 25. Januar live im Großen Haus des Staatstheaters Braunschweig auf. Foto: Hornoff/GHvC

Das Große Haus des Staatstheaters geht neue musikalische Wege. Im Rahmen der neuen Live-Veranstaltungsreihe „GroßerHausBesuch“ präsentieren sich angesagte und hochwertige Pop- und Rock-Bands in den traditionsreichen Räumlichkeiten. Den Auftakt macht die Hamburger Diskurs-Rock- und Breitwand-Pop-Band Tocotronic am 9. November. Heute wurde die zweite Gruppe bekanntgegeben: Es sind deren Hamburger Musiker-Kollegen Kettcar.

Vom Punk zum Indie-Rock

Die Wurzeln von Kettcar liegen im deutschsprachigen Polit-Punk. Gestartet und gestählt wurden die Mitglieder in den Neunziger Jahren, unter anderem in Szene-Bands wie …But Alive und Rantanplan. Kettcar, um Sänger und Gitarrist Marcus Wiebusch, formierten sich im Jahr 2001. „Du und wie viel von deinen Freunden“ ist das Debütalbum betitelt. Im Jahr 2002 erschien es auf dem eigenen Plattenlabel Grand Hotel van Cleef (GHvC). Bereits das zweite Album „Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen“ brachte der gesellschaftskritischen Hamburger Indie-Pop und -Rock-Gruppe den Durchbruch auf Platz fünf der Charts.

Vier Alben in den Top 5 der deutschen Charts

Auch die Nachfolge-Werke „Sylt“ (2008) und „Zwischen den Runden“ (2012) konnten sich auf Platz 5 der deutschen Album-Charts platzieren. „Ich vs. Wir“ (2017) schaffte es sogar auf Platz 4. Ein Album, das gleichzeitig Bestandsaufnahme, Stellungnahme und Vision war. Das sich klar positionierte und laut „Nein“ sagte zu der Art und Weise, wie derzeit viel zu viele (Un-)Menschen unsere Gesellschaft definieren. Und dass der zweifelnden Band, den Kick zum weiterzumachen brachte.

Das Private ist immer auch politisch

Mit „Der süße Duft der Widersprüchlichkeit (Wir vs. Ich)“ erschien in diesem Jahr ein neues Lebenszeichen in Form einer EP. Fünf Songs, die sich einmal mehr mit dem Leben, Kapitalismus und dem ganzen Rest widmen. Dafür aber den Fokus ändern, ordentlich am Zoom drehen. Und von Makro auf Mikro umstellen. Der Blickwinkel hat sich geändert, die Rolle des Einzelnen wird stärker beleuchtet. Das Private ist natürlich immer auch politisch. Kettcar offenbaren sich weiterhin als glänzende Geschichtenerzähler.

Kunst und Moral

Der EP-Eröffnungssong „Palo Alto“, versammelt beispielsweise die unterschiedlichsten Digitalisierungsverlierer in einem Waschsalon: Ein Kulturjournalist, ein Pornosternchen, ein Plattenhändler und ein Bankangestellter treffen aufeinander. Überall abgemeldet, nur nicht beim Jobcenter. In „Scheine in den Graben“ wird das Thema Menschlichkeit und humanitäre Hilfe kritisch reflektiert, der Songs „Notiz an mich selbst“ ist in Essay über Kunst und Moral, Potenzial und Ideale. Kettcar sind und bleiben eine der klügsten und kapitalismuskritischsten deutschsprachigen Bands.
Live erleben kann man sie mit neuen Songs und alten Hits am Samstag, 25. Januar 2020, 20:00 Uhr, im Großen Haus des Staatstheaters Braunschweig. Der Vorverkaufsstart beginnt am Samstag, 19. Oktober 2019. Die Tickets (erhältlich unter Telefon 0531-1234 567) kosten zwischen 35 Euro und 65 Euro.

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