12. November 2014
Konzert-Tipps

„Ich liebe es, die Leute zu verwirren“: DJ Paul Gallagher im Exklusiv-Interview

Freut sich auf den Gig in Braunschweig: Paul Gallagher. Foto: Veranstalter / oh.

Paul Gallagher ist nicht nur der große Bruder der beiden Oasis-Köpfe Liam und Noel, sondern auch ein erfolgreicher und versierter DJ. Seit mehr als 25 Jahren steht er weltweit in Clubs sowie vor und nach Konzerten bekannter Bands hinter den Turntables. Gallagher legt einen Mix aus rauen 50er- und 60er-Jahre Rock ’n’ Roll, lässigen Brit-Pop und groovigen Manchester-Sound auf. Am Samstag den 6. Dezember wird der Engländer im Rahmen des zehnten Geburtstags der „Champagne Supernova„-Partyreihe zusammen mit dem Supernova Soundsystem im Lindbergh Palace auflegen. szene38 unterhielt sich vorab exklusiv mit Gallagher.

Paul, wann, wo und warum hast du mit dem DJing angefangen?
Ich habe um 1988 herum mit dem Auflegen in meiner Heimatstadt Manchester angefangen.

Was macht einen guten DJ aus?
Für mich gibt es zwei Typen von DJs: Zum einen gibt es den technisch versierten Discjockey und zum anderen den Platten-Selecter, der seine Lieblingssongs spielt. Ich gehöre eher zur Kategorie der Letzteren. Es ist egal, wie sehr du die Technik beherrschst, wenn deine Songauswahl schlecht ist, so bist du auch schlecht.

Was war die erste, was die letzte Platte, die du dir gekauft hast?
Meine erste selbst gekaufte Platte war „Hanging on the telephone“ von Blondie. Das war in den 70er Jahren. Die letzte Platte, die ich mir gekauft habe war ein Vinyl-Album vom erst kürzlich verstorbenen Jack Bruce von Cream.

Was bedeutet dir Vinyl? Wie groß ist deine Plattensammlung? Was ist deine Lieblingsplatte?
Ich sammle immer noch Vinyl, dadurch, dass die Preise in den vergangenen Jahren so immense in die Höhe gestiegen sind, kaufe ich mir aber auch andere Formate. Außerdem finde ich es beim Hören sehr nervig, immer wieder aufzustehen und die Platte umzudrehen (lacht). Eine Lieblingsplatte habe ich nicht, bei so viel guter Musik finde ich es unmöglich, sich für ein Lieblingsalbum zu entscheiden.

Was hältst du vom Auflegen mit Laptop?
Das ist überhaupt nicht mein Ding! Mit Computern kann so viel schief gehen, da favorisiere ich doch lieber CDs.

Welche Musikrichtung liebst du ganz besonders und warum?
Ich habe einen sehr breit gefächerten Musikgeschmack. Ich mag sehr gerne den Soul der Sechziger Jahre. Ich habe dabei das Gefühl, dass die Künstler damals richtig Spaß beim Musikmachen hatten, etwas, das mir in der heutigen Musik fehlt.

Wer sind deine alten musikalischen Helden?
Ich liebe die frühen Bee Gees. Sie waren eine unglaubliche Pop-Band, die extrem unterbewertet sind.

Für welche Stars hast du schon mal aufgelegt?
Ich habe die letzte Beady Eye-Tour durch Australien, Europa und Japan mitgemacht und vor, sowie nach den Gigs aufgelegt. Bei der ersten Tour durch Amerika, Europa, Irland und Großbritannien war ich auch dabei. Im nächsten Jahr gehe ich mit Noel auf Tournee und spiele die Aftershow-Partys von der Noel Gallagher’s High Flying Birds-Tournee zusammen mit einigen very special Guests.

Was sind für dich die besten Momente beim Auflegen?
Da gibt es für mich einige. Ich spiele nicht unbedingt die naheliegenden Songs und ich liebe es, die Leute zu verwirren. Ich spiele die Sachen, auf die ich stehe und wenn einige Leute diese Sachen nicht kennen, dann ist es eben so. Ich spule nicht einfach nur die Hits ab, meine Sets haben stets einen Flow und erstrecken sich über verschiedene Genres.

Was ist das Besondere am englischen Publikum und was am Deutschen?
Das europäische Publikum ist empfänglicher als das Englische. Ich glaube, wir Briten wurden über die Jahrzehnte zu sehr verwöhnt, was Musik angeht.

Was sind deine Hobbies neben der Musik?
Da gibt es einige. Ich interessiere mich für Inneneinrichtung und -Design. Ich schreibe außerdem noch für die Website thesecretfootballer.com und bin sehr interessiert an alternativen Lebensentwürfen. Ich führe also ein sehr abwechslungsreiches Leben.

Hast du schon mal von Braunschweig gehört?
Nein, bisher nicht. Deutschland ist ein sehr großes Land und man kann noch nicht an allen Orten gewesen sein, oder davon gehört haben, egal wie lange man lebt. Ich freue mich schon auf den Gig in Braunschweig und denke, dass es bestimmt ein guter Abend werden wird.

Das Interview führte Sven Weschnowsky.

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