„Gott of Schlager“ Christian Steiffen live in Braunschweig

Der coole Sohn von Guildo Horn, Dieter Thomas Kuhn und des frühen Helge Schneider vitalisiert die Szene

Wo er ist, ist Party. Christian Steiffen singt über Sexualverkehr und Flatulenzen, über Schützenfest und Schönheitswahn. Foto: Manfred Pollert

Langes, wallendes Haupthaar, behaarte Brust, Schnauzer, Koteletten und stechender Blick. Christian Steiffen inszeniert sich nicht nur auf seinem gleichnamigen dritten Album als „Gott of Schlager“. Kürzlich enterte der Neo-Barde mit den breiten Hemdkragen damit die offiziellen deutschen Albumcharts auf Platz 17. Sein Vorgängeralbum stieg immerhin auf Platz 63 ein.

„Hier ist Party“ – auch wenn hier keine ist

Der Typ hat Humor, einen cheesy Sound und zelebriert das Stilmittel der Untertreibung: „Worte können mich und dieses Album nicht beschreiben. Der Begriff „Gott of Schlager“ kann nur ein Versuch sein, wird aber für immer eine Krücke bleiben…“, verkündet Steiffen selbstbewusst.

Okay, jetzt ist er hier – und „hier ist Party“ singt er auf seiner Hit-Single. Mmhm. Auch wenn hier keine ist… Der groovy Song verbindet Elemente der klassischen Discomusik mit modernem Sprechgesang, den er abgehangen authentisch exekutiert. Sogar fremdsprachlich anglistisch. Und im ganzen Lied kein schlimmes Wort. Am Ende ist klar: „The Rhythm is under Control“.

Beischlaf und Flatulenzen

Aber Steiffen widmet sich in seinen Songs auch ganz neuen Themenfeldern. In „Wie der Wind“ geht es um Freiheit, Verdauung und Vergänglichkeit, diesen bisher viel zu sehr unterschätzten Zusammenhang. Und um Beischlaf und Flatulenzen, eher untypisch für den Schlager.
Das Lied startet als klassischer Country-Song mit Pedal Steel  im Truck-Stop-Style – und steigert sich nach dem zweiten Refrain in psychedelische Sphären. Tja, das Leben ist wie der Wind.

Hässliche Fratze des Schönheitswahns

Mit „Schöne Menschen“ widmet er sich der hässlichen Fratze des Schönheitswahns von den Gebrüdern Grimm bis heute und der Frage ob Schönheit heilbar ist. Das autobiografische Stück „Ich breche in die Nacht“ geht ans Herz und schlägt auf den Magen. Es beschreibt minutiös den Verlauf einer Nacht – kraftvoll und nachdenklich – lotet die Gegensätze von Durst und Heimweh sowie Übelkeit und Gesellschaft aus. Das ist nicht nur persönlich Erlebtes, das ist Poesie in vollendeter Komplexität der Lyrik.

Schützenfest, Seefahrt und Sylvester

In der zweiten Hälfte seines dritten Albums beleuchtet Steiffen klassische Themen des deutschsprachigen Chansons wie Schützenfest, Seefahrt, Sylvester, Punkmusik und den Karneval auf seine ihm unnachahmliche Weise. „In Budapest beim Schützenfest 1810“ ist ein Lied, das sein Ur-Ur-Ur-Ur-Ur Großvater aufgrund einer wahren Begebenheit kurz nach seinem Tod verfasst hat und es dem Schlager-Spezialisten während seiner Kindheit immer wieder vorgesungen hat. Mit „Ja Ja die Punkmusik“ kehrt er inhaltlich an seinen musikalischen Ursprung zurück und setzt dem alternden Dreckspunk ein monumentales Denkmal. In „Kack Kack Kack Kack Karneval“ geht Steiffen dann knallhart mit den mafiösen Strukturen des organisierten Frohsinns ins Gericht und legt schonungslos seine Meinung zur fünften Jahreszeit dar.

Christian Steiffen kann man am Donnerstag, 7. November 2019, 20 Uhr, live im Westand in Braunschweig erleben. Frei  nach dem Motto: „You can Party every day. You can party every night, rock the dancefloor right. You don’t need any friends and you don’t need no weekend. Denn die Party, die bist du, die Party is in you…“

^