„Emotional umgehauen und ewig überzeugt“

Die Tribute-Band Forced To Mode huldigt Depeche Mode am 6. Mai im Lokpark

Mit einer energetischen Live-Performance, einer „ganz-nah-am-Original-Stimme“ und viel Liebe zum Sound-Detail huldigen Forced To Mode ihren Helden Depeche Mode. Foto: Advanced Music

Depeche Mode zählen zu den langlebigsten, wichtigsten, und beliebtesten Pop- und Elektronikbands der Welt. Die exzellente Tribute-Band Forced To Mode huldigt der erfolgreichen Formation aus Basildon mit einem „The Devotional Live Tribute“ am 6. Mai, 21 Uhr, im Lokpark in Braunschweig. Wir sprachen vorab mit Forced To Mode.

Was fasziniert euch gerade an Depeche Mode? Was macht die Band so besonders und außergewöhnlich?

Depeche Mode hat uns bereits in frühester Jugend gepackt und bis heute nicht mehr losgelassen. Wahrscheinlich war es die uns bis dahin unbekannte Mischung und die Symbiose grandioser Songs, wahnsinnig interessanter, neuartiger und ausgefeilter Produktionen, einer unglaublich überzeugenden Präsenz und Live-Show, der sehr ansprechenden Visualisierung (Fotos, Videos, Artworks) und der damit völlig im Einklang stehenden Attitüde. Das hat uns damals emotional umgehauen und ewig überzeugt. Es war auf so vielen Ebenen perfekt und so unbekannt vielschichtig.

Was war die kreativste und wichtigste Phase der Band in ihrer Karriere?

Für uns war es wohl die Zeit zwischen 1982 und 1993. Kein Jahr, kein Album, kein Live-Auftritt aus dieser Zeit möchten wir aus heutiger Sicht missen. Der für uns wohl kreativste und nachhaltigste Moment der Bandgeschichte findet sich auf der gesamten „Devotional“ wieder.

Wie stark prägte und veränderte 1983 das geteilte Berlin, die Arbeit im Hansa Studio und Bands wie die Einstürzenden Neubauten den Sound und das Image der Band?

Aus unserer Sicht veränderte es sicherlich nicht nur das Image. Die Band und die Musiker waren ja noch wahnsinnig jung, demnach waren sie vielem gegenüber sicherlich sehr aufgeschlossen und haben Einflüsse, wie zum Beispiel die besondere Atmosphäre Berlins und die neuesten Produktionen aus dem Hansa-Studio, wie Schwämme aufgesaugt. Und natürlich hat die Produktion dann wiederum das Image geprägt und andersherum genauso. Man darf in diesem Kontext keinesfalls den großen Einfluss Daniel Millers auf die Band unerwähnt lassen. Er war ja nicht nur ihr „Plattenboss“ sondern auch der Produzent der ersten fünf (!) Alben, sondern hat Depeche Mode maßgeblich geprägt.

Welche waren die besten und welche die weniger guten Alben?

Unserer Meinung nach sind alle Alben, die aus der Feder Martin Gores stammen (also ab „A Broken Frame“) und jene, die dann auch in Zusammenarbeit mit dem damaligen Bandmitglied Alan Wilder entstanden, absolute musikalische Highlights. Für sich und insgesamt gesehen. Bei den Alben, die seit 1997 veröffentlicht werden, vermissen wir hingegen den musikalischen und produktionstechnischen Feinschliff. Sicherlich gibt es immer wieder grandiose Songs zu hören, aber es fehlt ihnen an Raffinesse und intensiver Auseinandersetzung mit dem Material.

Was sind eure absoluten DM-Lieblingsalben und -Lieblingssongs?

Unser aller Lieblingsalbum ist „Songs of Faith ond Devotion“. Matthias Kahras (Gitarre) und Thomas Schernikaus (Keys) Lieblings-Song ist „In Your Room“, Christian Schottstädts (Vox) Lieblings-Song ist „Judas“.

Welches sind die unterschätztesten Songs?

Sicherlich wird nicht allzu oft der Song „The Sun and the Rainfall“ von 1982 im Radio laufen. Dabei ist dieser wunderbar. Mit diesem (und anderen grandiosen Stücken des 82er Albums) begannen Depeche Mode ihren melancholischen Musik-Kosmos auf nahezu magische Art und Weise in der Welt der Musik zu etablieren.

Was hebt euch von anderen Depeche-Mode-Tribute-Bands ab?

Wahrscheinlich sind es zum einen die wirklich haargenauen und sehr detailverliebten Song- und Sound-Reproduktionen, die quasi den Geist des damaligen Quartetts weiterleben lassen, und die wir mit wahnsinnig viel Zeit und Hingabe umsetzen; es wird wohl auch die Stimme unseres Sängers sein. Vielleicht ist es aber auch die tiefe Verbundenheit und Liebe zur Musik von Depeche Mode, die eben diese spezielle Energie aufleben lässt, wenn wir im Studio oder auf der Bühne sind, und die der geneigte Zuschauer und Zuhörer dann während eines F2M-Konzertes spüren kann. Eine Rolle wird sicher auch die Songauswahl oder unsere besonderen Themen-Shows spielen. Wir performen eben auch Songs, die das Original stellenweise schon ewig nicht mehr oder sogar noch nie live im Programm hatten.

Warum präsentiert ihr vor allem die 1993er „Devotional“ Tour?

Das haben wir eigentlich nur in den ersten beiden F2M-Jahren gemacht. Einfach weil wir die Show als so überaus perfekt empfinden, sie uns wahnsinnig berührt, von Herzen kommt und weil sie uns ganz einfach extremen Spaß im Studio und auf der Bühne bereitet. Inzwischen sind wir bei über 70 Songs angelangt. Also sind mehr als 2/3 unseres Repertoires gar nicht mehr aus der Devotional-Ära. Wir haben beispielsweise im Jahr 2014 ein Special-Konzert zum 30. Jahrestag von „Some Great Reward“ und 2015 das komplette „Violator“-Album zum 25. Jahrestag gespielt. 2016 gab’s ein „Black Celebration-Special“ und eine „Hansa-Studio-Show“, auf der wir direkt im Hansa-Studio ausschließlich Songs gespielt haben, die DM auch dort produziert hatten. Im November vergangenen Jahres spielten wir ein Konzert gemeinsam mit einem Sinfonieorchester und nun liegt ganz aktuell eine Show vor uns, die zu hundert Prozent aus Depeche-Mode-B-Seiten bestehen wird. Da ist also eine Menge passiert, was über „Devotional“ hinausgeht.

Wie wichtig sind die Optik und das Visuelle bei euren Auftritten?

Was das Aussehen der Musiker auf der Bühne betrifft, so gut wie gar nicht wichtig. Sicherlich sieht Christian (der Sänger) ein wenig aus, wie Dave Gahan 1993. Aber das ist nicht wirklich so forciert. So rannte er auch schon vor Forced To Mode herum. Ansonsten lassen wir hin und wieder die Visuals, die während des Konzertes auf die Leinwand gespielt werden, genau die gleiche Sprache sprechen, die auch die Live-Videos von Depeche Mode gesprochen haben.

Welche Rolle spielen Remixe bei euch?

Depeche Mode war und ist ja bekannt für seine Remix-Kultur. Gerade Alan Wilder hat immer wieder Remixe genutzt, um diese dann, den jeweiligen Tour-Themen entsprechend, in die Live-Umsetzungen einfließen zu lassen. Das finden wir grandios. Demnach wird man auch bei uns den ein oder anderen Hinweis auf diverse DM-Remixe finden.

Tragt ihr auch Leder- und Fetisch-Klamotten wie Martin Gore zur „Construction Time again“-Phase?

Nur privat (lacht).

Was entgegnet ihr Kritikern die behaupten, Gore, Gahan und Fletcher verwalten ein verlorenes Jahrzehnt lang lediglich ihren musikalischen Vorlass?

Was gibt es da zu kritisieren? Es ist doch ihr eigenes Vermächtnis. Warum sollten sie nicht zu recht davon leben und darauf aufbauen dürfen? Darüber hinaus denken wir auch, dass es immer wieder Fan-Nachwuchs geben wird. Letztens stand bei einem unserer Gigs ein 14-Jähriger in der ersten Reihe, der völlig hingebungsvoll die Musik und die Texte einer Platte feierte, die zehn Jahre älter als er selbst ist…

Depeche Mode galten viele Jahre lang als musikalische Vorreiter in der elektronischen Popmusik. Welchen Einfluss haben sie heute noch auf die aktuelle Musikszene?

Depeche Mode haben sicherlich eine ganze Szene und all deren Ausläufer ins Leben gerufen und geprägt. Und diese Szene ist ja immer noch aktiv. Wir dürfen ja sehr erfreut daran teilhaben, wie auch junge Künstler (bspw. „Empathy Test“, „Nina“ oder „Adam is a Girl“) jungen frischen elektronisch-melancholischen Pop zaubern. Demnach ist die nachhaltige Wirkung Depeche Modes auch heute noch in ganz vielen musikalischen Ecken spürbar.

Wie beurteilt ihr das neue Album „Spirit“?

Wir haben das intern noch gar nicht richtig besprochen. Fest steht für uns nur, dass es wohl eines der konsequenteren und ausproduzierteren Alben der letzten 20 Jahre ist. Wir müssen dazu aber noch das eine oder andere Gespräch führen. Es ist kompliziert …

Hattet ihr jemals Kontakt zur Band? Wenn ja, wie verlief dieser?

Bisher haben wir nur die beiden ausgeschiedenen Mitglieder und Daniel Miller kurz treffen dürfen. Diese Kontakte waren angenehm, die Jungs waren sehr bescheiden und kommunikationsfreudig …

Was kann man von eurem Gig am 6. Mai im Lokpark Braunschweig erwarten?

Wir werden das tun, was wir am besten können. Einen bunten, rockenden Depeche-Mode-Abend liefern, bestückt mit knallenden Klassikern aber eben auch tollen Raritäten.

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