31. Oktober 2016
Konzert-Tipps

„Eigenheit, Authentizität, Ausdruck“

Silent Radio stellen am 4. November ihr drittes Album in der Stadthalle vor

Louie (links), Rainer (rechts) und der Rest von Silent Radio. Eines ihrer Erfolgsrezepte: Vom Original lösen, eine gewisse Distanz und einen neuen Blickwinkel finden ohne dabei das Wesentliche und Wesen des Originals zu verlieren. Foto: Silent Radio

Wenn es einen deutlichen Unterschied zwischen bloßem „Covern“ und wirklichem „Interpretieren“ gibt, dann hat die Braunschweiger Band Silent Radio diesen wie kaum eine andere Band in der Region verinnerlicht. Sie entwickeln eigenständige Versionen von Hits und Klassikern, als wären diese Songs ihre eigenen. Die hohe Kunst des Coverns zelebrieren sie mittlerweile seit 16 Jahren – und auch auf ihrem dritten Album, das nun erscheint. Dieses stellen sie am 4. November live in der Stadthalle Braunschweig vor. Szene38 sprach vorab mit Sänger und Gitarrist Louie und Violinist Rainer.

„Come on, come on, turn the radio on. It’s Friday night and I won’t be long …”, fordert die Sängerin Sia in ihrem Song „Cheap Thrills”. Hört Ihr überhaupt noch Radio?
Louie: Ja schon. Ich liebe es wenn man nachts das Radio einschaltet und auf einem kleinen Sender irgendwo Musik gespielt wird, die einen berührt. Ich mag die romantische Vorstellung eines einsamen DJs, der die Musik in die Nacht rausschickt.
Rainer: Bei mir ist es deutlich unromantischer. Ich höre zum Beispiel gern auf langen Autofahrten Radio um mir ein bisschen die Zeit zu vertreiben.

War der Bandname damals ein Statement gegen die Hörverschmutzung durch nervige Radiosender?
Louie: Nein. Damals war es eher eine Bezeichnung dessen, was wir taten und tun nämlich Songs die man auch aus dem Radio kennt, ein anderes, damals in der Regel leiseres, Gewand zu geben.

Woher bekommt Ihr heute Inspirationen für Eure eigenen Songs oder Coverversionen?
Louie: Die Interpretationen sind nach wie vor einfach unsere Lieblingssongs. Natürlich schauen wir, inwiefern sie mit unserer Instrumentierung kompatibel sind. Bei eigenen Songs sind die Inspirationen sehr emotionaler Natur. Auf dem Album ist ein eigener Song der „Last to hit the ground“ heißt. Eine Hoffnungs-Hymne für alle die schon mal hingefallen sind.

Wie ist mittlerweile das Verhältnis zwischen eigenen Songs und Coverversionen bei Euch?
Louie: Nach wie vor sind die Interpretationen in der klaren Mehrheit. Das macht uns und den Leuten Freude und es gibt noch so viele geile Songs, die darauf warten, neu verpackt zu werden.
Rainer: Die eigenen Songs sind im Grunde eher die Ausnahme, denn konzeptionell haben wir Silent Radio immer als Band verstanden, die sich hauptsächlich auf das Interpretieren konzentriert.

Was macht eine gute Coverversion aus?
Louie: Eigenheit, Authentizität, Ausdruck.
Rainer: Es kommt wohl darauf an, welchen Ansatz man verfolgt. Wer dem Original möglichst nahe kommen möchte, muss sich daran messen lassen, wie gut dies gelingt. Wir versuchen ja in der Regel eher das Gegenteil und wollen eine eigenständige Version eines Songs entwickeln.

Nach welchen Kriterien wählt Ihr die Songs aus, die von Euch be- und verarbeitet werden?
Louie: Ein guter Song ist ein guter Song. Wie gesagt: er muss zu uns und unserer Besetzung passen.
Rainer: Es immer toll wenn bereits gewisse Hooklines oder Melodiebögen existieren die sich anbieten von der Violine adaptiert zu werden. Das ist aber kein Muss.

Warum ist das Covern von Songs eine Kunst?
Louie: Der Begriff Kunst ist ja für jeden was anderes. Ich glaube fest an den Grundsatz: es ist nicht nur wichtig was man tut sondern vor allem wie man es tut. Alle Orchester und Dirigenten dieser Welt sind am Ende Coverbands.
Rainer: Man muss sich erst mal ein Stück weit vom Original lösen, eine gewisse Distanz und einen neuen Blickwinkel finden ohne dabei das Wesentliche und Wesen des Originals zu verlieren. Das ist nicht immer ganz einfach finde ich.

Was sind Eure Lieblingscoverversionen von anderen Künstlern?
Louie: Ich mag gerade sehr „Boys Of Summer“ von den Ataris und alles von Hell Songs.

Warum ist Johnny Cash der King of Cover?
Louie: Ich denke, weil er zusammen mit Rick Rubin gezeigt hat, was ein alter Mann und eine Gitarre alles machen können und dass es reicht, etwas ernst zu meinen und es mit Liebe zu tun.
Rainer: Ist das so? Wusste ich nicht (lacht).

„Pop meets Classic“ geht auch 2017 mit neuem Hauptsponsor weiter. Ihr wart bislang fünf Mal bei dem Showspektakel live dabei. Was liebt Ihr an dieser Veranstaltung?
Louie: Es ist immer ein große Freude und Ehre, mit so vielen netten Kollegen vor 6.000 Leuten zu performen. Wir sind stolz, ein Teil dieser Historie zu sein.
Rainer: Für mich ist es immer etwas Besonderes, mit einem so großen Orchester zusammen auf der Bühne zu stehen, und dann vor dieser Kulisse, das ist schon der Wahnsinn!

Große Bühne in der Volkswagen Halle oder doch lieber kleiner Keller-Club – wo fühlt Ihr euch wohler und warum?
Louie: Beides hat seinen Reiz. Solange die Größe der Halle nicht das direkte Erlebnis für die Zuschauer schmälert, mag ich beides sehr gern.

Was wollt ihr bei Euren Hörern auslösen?
Louie: Wenn Sie emotional berührt sind, in welcher Art auch immer, haben wir´s richtig gemacht.

Ihr veröffentlicht Anfang November mittlerweile euer drittes Album. Was ist das Besondere daran?
Louie: Es ist das beste Album, was wir je gemacht haben. Ich finde, man hört die Arbeit und Liebe die darin steckt. Wir sind sehr gespannt, was unser Publikum dazu meint.
Rainer: Ich glaube es beinhaltet eine enorme Bandbreite, es ist vielschichtig, überraschend, und trotzdem in sich homogen. Wir sind sehr zufrieden und hoffen dass es gefällt.

Welche Songs habt ihr diesmal zu Euren eigenen gemacht?
Louie: Das wird noch nicht verraten (lacht). Nur so viel: Wer Bands wie Duran Duran, Depeche Mode, Talk Talk mag, wird denke ich seine Freude damit haben.

Wie habt Ihr Euch musikalisch weiterentwickelt?
Louie: Wir sind uns treu geblieben und ich denke, man hört eine Weiterentwicklung, besonders was Arrangements angeht.

Was habt ihr für euren Gig am 4. November 2016 in der Stadthalle Braunschweig geplant?
Louie: Die fetteste Show unserer Karriere zu spielen!

Nähere Infos zur Veranstaltung gibt es im Netz.

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