Düstere Krönung – Oomph! im Interview

Die Braunschweiger Band kehrt mit einem heftigen neuen Album zurück.

Flux (Gitarre, Sampling), Dero (Gesang, Schlagzeug) und Crap (Gitarre, Keyboard) gehen seit 30 Jahren kompromisslos ihren ganz eigenen Erfolgsweg. Foto: Napalm Records

Eine der konsequentesten, kompromisslosesten und kritischsten Bands der Region kehrt zurück mit ihrem neuen Album. Mit „Ritual“ haben Oomph! ihr härtestes, dunkelstes und aggressivstes Werk – mit programmatischen Songtiteln wie „Tausend Mann und ein Befehl“,  „TRRR – FCKN – HTLR“  oder „Lass‘ die Beute frei“ – seit langen eingespielt. Unsere Welt wird immer komplexer, schneller und unverständlicher – und das spiegeln die Erfinder der „Neuen Deutschen Härte“ hier eindrucksvoll in Text und Ton wider. szene38 unterhielt sich mit Sänger Dero, den man mit seinen Bandkollegen Flux und Crap am 18. Januar 2019, 22 Uhr, bei der Oomph! Night im Stereowerk treffen kann.

Dero, mit „Ritual“ veröffentlicht ihr euer mittlerweile 13. Studioalbum. Was ist das Konzept dahinter?

Wir zogen uns nach unserer letzten  überaus erfolgreichen Russlandtour erstmalig sofort ins Studio zurück, um die positiven Vibes, die vielen Emotionen und das unbeschreibliche Feedback von den Fans in neue Lieder umzuarbeiten. Üblicherweise nehmen wir uns nämlich nach einer Tour etwas Auszeit. Das Live-Feeling der Tour hat die Songs dann wahrscheinlich derart rifflastig und relativ hart werden lassen. Darüber hinaus wollten wir einen Album-Titel, der möglichst vielseitig interpretierbar und sehr mysteriös wirkt. Das Cover-Arwork sollte auch dementsprechend gestaltet werden. Unser Leben ist ja immer noch voll von „Ritualen“, manche sind sehr hilfreich, andere völlig überflüssig weil längst überholt, wieder andere hindern dich als Mensch sogar zu wachsen, andere „Rituale“ sind überaus notwendig, um die eigene kulturelle Identität zu bewahren. Manche „Rituale“ sind sogar äußerst gefährlich und beängstigend, wie zum Beispiel „Ritualmorde“…

Was habt Ihr im Vergleich zu euren Vorgängerwerken verändert?

Wir haben uns  erstmals in eine virtuelle „gedankliche Zeitmaschine“ gesetzt und sind bis in die Mitte der 90er Jahre zurückgereist, um die Gefühle noch mal zu erleben, die uns damals zu den Erfindern der „Neuen Deutschen Härte“ haben werden lassen. Diese Emotionen haben wir dann mit unserem gefühlsmäßigen Status Quo versucht zu verknüpfen. So ist das Album eine Art Emotionshybrid aus alten und aktuellen Gefühlen geworden, was es so einzigartig macht.

Was symbolisiert das düster-mystische Horror-Artwork?

Man weiß nicht so recht, ob die junge Frau sich über ihre düstere „Krönung“ freut,  oder ob sie die Krone  aufgezwungen bekommt. Man fragt sich wer hinter diesem „Ritual“ steht…?  Das Coverartwork sollte mindestens ebenso viele Fragen aufwerfen wie unsere Musik…

In euren Texten wird vor allem das Dunkle, Abgründige und Verstörende des menschlichen Daseins beleuchtet. Warum geht es so hart und fies darin zu?

Weil es bereits dermaßen viel „Friede-Freude-Eierkuchen“-Musik gibt, dass wir uns quasi als Antagonisten gegen die allgemeine Deutschpop-,  Schlager- und Volksmusik-Verblödungsindustrie sehen, die hier ein wichtiges  künstlerisches Gleichgewicht wiederherstellen wollen…

Was wollt Ihr bei Euren Hörern damit auslösen?

Wenn wir viel Fragen aufwerfen können, haben wir bereits viel erreicht. Es gibt heutzutage, da sich die Gesellschaft immer schneller verändert, viel zu viele Menschen, die meinen ganz schlichte und einfache Antworten auf sehr komplexe Fragen zu haben! Hier ist meiner Meinung nach große Vorsicht geboten. Fragen sind weitaus wichtiger und zielführender als Antworten, wenn man mich fragt…

Wie würdest du die Stellung von Oomph! nach 30 Jahren in der Musikindustrie beschreiben?

Tapfer, wacker, stur und immer noch äußerst neugierig und überaus bissig!

Was habt ihr euch für das Jahr 2019 – und auch für die Zukunft – vorgenommen?

Wir werden im Februar ein Konzert mit Orchester in Kiew spielen. Letztes Jahre hatten wir bereist das Vergnügen dies in St. Petersburg und Moskau tun zu können. Es waren unvergessliche Gänsehautmomente. Wenn du mit einem über 50-köpfigen klassischen Symphonieorchester zusammenspielst, ist das ein einzigartiges Erlebnis. Die Reaktionen der Fans waren darüber hinaus dermaßen überwältigend, dass wir uns dazu entschlossen haben, noch ein drittes Konzert in der Hauptstadt der Ukraine dranzuhängen…

Oomph! in Braunschweig

Am 18. Januar 2019, um 22 Uhr kann man das Trio bei der Oomph! Night im Stereowerk Braunschweig treffen. Alle drei Bandmitglieder werden da sein, um mit den Fans zu sprechen, Fotos zu machen und Autogramme zu geben. Sänger Dero wird zudem als DJ, untersteützt von den DJs Thorsten Meier und Tonfanatiker Sven, einige seiner Lieblingssongs auflegen. Am 1. März 2019, 20 Uhr, treten Oomph! live im Capitol Hannover auf.

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