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Die Braunschweiger Band The Esprits und Revolverheld in Österreich

Exklusives Tourtagebuch von The Esprits-Sänger Roman Ritter – Teil 1

Rock'n'Roll made in Braunschweig kommt auch in Österreich gut an. The Esprits rockten im Vorprogramm von Revolverheld. Foto: Ruben „Hophvf“ Wiele

Die Luft ist leicht zu warm und riecht so, wie man sich das vorstellt, wenn acht Personen 1.000 km in einem Crafter zurück nach Braunschweig fahren. Unser Tonmann Toto liegt auf dem Boden und schläft und auch alle anderen versuchen zu schlafen, nur ich sitze hier. Und André. Der meint, er kann im Bus nicht schlafen. Ich glaube, dass er es doch kann, nur nicht will, aber gut. Ich sitze also vor meinem Laptop und versuche mir das, was die letzten Tage so passiert ist, wieder vor Augen zu führen, um für euch ein Tourtagebuch zu schreiben.  Gar nicht so einfach, wenn sich alles so anfühlt, als würde es an einem vorbeifliegen.

Von Vechta nach Nürnberg

Donnerstag morgen ging es für uns los. Das heißt, eigentlich schon am Mittwoch, denn am Vorabend hatten wir schon beim Campus Open Air in Vechta gespielt. Aber auch nach nur drei Stunden Schlaf hatte keiner Probleme, aufzustehen, denn heute ging es nach Österreich. Genau genommen fuhren wir erstmal in ein Kaff kurz hinter Nürnberg. Strecke für den Konzerttag wegnehmen, ganz klassisch.

Österreich: Ankommen, Ausladen und Aufbauen

Am nächsten Morgen war es relativ ruhig. Die Ruhe vor dem Sturm könnte man sagen. Wir überquerten mit unserem Bus die österreichische Grenze und ich fing an darüber nachzudenken, was wir hier eigentlich grade machten und ob wir bereit dafür waren. Wir hatten das letzte halbe Jahr geackert ohne Ende. Als Band geprobt, geprobt und wieder geprobt. Und mit der ganzen Gang am Drum und Dran gearbeitet. Das Schöne daran, dass wir mit der Gang fast alles selber machen, ist, dass wir machen können, worauf wir Bock haben. Der Nachteil ist unendlich viel Arbeit.

„3, 2, 1. „Auf geht’s!“: Blinkende Leucht-Buchstaben und mitreißende Pop-Hits: The Esprits präsentierten sich in Bestform. Foto: Ruben „Hophvf“ Wiele

Ein Gutshof umringt von Bergen

Aber zurück in den Bus. Wir waren ready. Ich war mir sicher!  Und dann war es soweit, wir waren endlich da. Wir fuhren durch den Einlass auf das Gelände und da stand sie, die Bühne, mitten auf einem Gutshof umringt von Bergen. Was für ein Spot und „Ja“, wir durften da heute Abend spielen. Nach dem Ankommen, Ausladen und Klamotten in den Backstage bringen, begann der Aufbau. Das war wie immer. Also wirklich wie immer. André baut sein Schlagzeug auf, Till und ich kümmern uns um die Gitarren und die Verstärker. Nacho klärt derweil alles, was wegen der mitgebrachten Technik anfällt und fängt an, die Lichtshow für den Abend einzurichten. Toto mikrofoniert alles, Ole und Hophvf bauen das Licht auf. Gut, Hophvf filmt noch nebenbei und macht Fotos. Hophvf ist eigentlich überall, genau wie Leo, unsere Tourmanagerin. Die ist überall und nirgendwo.

Soundcheck mit Revolverheld

Während wir aufbauten stand auf einmal der Produktionsleiter Michi neben uns. „Und der ganze Kram hat in den Bus gepasst? Wow, Hut ab! Wir machen heute ein bisschen früher Soundcheck, dann habt ihr mehr Zeit, Jungs!“. Kannten wir so auch nicht. Bei unserer letzten Show als Support überzog der Main Act fairerweise so sehr seinen Soundcheck, dass wir anfangen durften Aufzubauen, als die Türen bereits geöffnet waren. Heute war das anders! Wir warteten neben der Bühne den Soundcheck ab, denn Revolverheld hatten uns eingeladen, einen Song mit ihnen zu spielen und den wollten wir beim Soundcheck gemeinsam  durchsprechen. Nach einer herzlichen Begrüßung spielten wir einmal durch, wie wir den Song am Abend spielen wollten, fertig. Lustiger weise war jetzt keiner von uns mehr nervös, im Gegenteil, wir hatten richtig Lust auf ne Runde ordentlich Ballett in Österreich.

Umziehen, Warmsingen und -spielen

Nachdem wir unseren Soundcheck beendet hatten, konnten wir das erste Mal an diesem Tag durchschnaufen. Eine Stunde zur freien Verfügung und danach ging’s los. Nicht mit der Show,  aber mit den Vorbereitungen dafür. Also, umziehen, warmsingen und warmspielen. Der ganze Kram eben. Hilft aber gegen die Anspannung. Kurz darauf kam sie aber doch, die Anspannung. Es ist jedes Mal so, beim Umziehen, da geht es los, muss es auch! Dann kommt Leo: „Jungs in zehn Minuten am Bühnenaufgang!“.
An der Bühne angekommen schauten wir mit der ganzen Gang auf den Prall gefüllten Platz. Mit Allen? Ja, mit allen, denn wir alle spielen diese Show. So wie wir unsere vier Instrumente live spielen, drückt Nacho das Licht, Toto mixt den Sound und Hophvf hält die schönsten Momente mit seiner Kamera fest. Es fühlt sich für alle besser an, dieses Gefühl, dass man vorher hat, zu teilen.

Die Anspannung wächst. Gleich geht es los. Die Band geht vom Backstage-Bereich auf die Bühne. Foto: Ruben „Hophvf“ Wiele

30 Minuten Show und strömender Regen

Dann startete das Intro, 3, 2, 1. „Auf geht’s!“ sagte André, schnipste sein Pre-Show-Kippe weg und ging los. Und dann ist es wie immer, du spielst den ersten Ton und schon ist die Anspannung vorbei. Dann hieß es 30 Minuten The Esprits mit allem, was sie hatten. Wir gaben alles, wie immer, und das kam gut an.
Voller Euphorie gingen wir von der Bühne und dann ging es erst so richtig los. „Jungs, in fünf Minuten fängt es an zu regnen, wir müssen „Jetzt“ abbauen!“, sagte Leo. Aus fünf Minuten wurden 30 Sekunden und der strömende Regen war da. Also fingen wir an, ohne Hektik das ganze Equipment zusammenzubauen. Wir waren genauso nass wie unsere Backline, aber wir waren alle nass. Die ganze Gang! Es sind diese Momente, die es ausmachen. Wenn wir alles zusammen gemeinsam durchziehen.

Übernachtung mit Instrumenten

Nach dem Einladen zogen wir uns frische Hemden an, wir durften ja noch einmal ran. Also kurz durchatmen, kurz was essen, Kaltgetränk und ab zur Bühne. Es ist ein ganz anderes Gefühl, zusammen mit einer anderen Band auf der Bühne zu stehen. Nicht schlechter, nur anders, aber trotzdem Wahnsinn!
Der Abend endete im Regen, wir verteilten ein paar Schierker an unserem Merchandise-Stand und danach ab ins Hotel. Da wartete eine Überraschung auf uns. Die Cases waren von innen nass, uns blieb also nur eine Möglichkeit, unseren gesamten Bus auszuladen und das, was zwingend trocknen musste, mit ins Hotel zu nehmen. Gesagt, getan: bei Till übernachteten die Gitarren, Ole und Hophvf hatten Stativtaschen zu Besuch und bei André im Zimmer nächtigten Teile seines Schlagzeugs. Es war geschafft und wir saßen noch kurz bei einem Wein zusammen, bevor es in die Falle ging.

Regen, Regen und Regen

Am nächsten Morgen fing es irgendwann nach der viel zu frühen Abfahrt wieder an zu regnen. Das Problem war, es hörte nicht auf. Es regnete und regnete. Als wir ankamen regnete es immer noch, der Revolverheld-Soundcheck war verschoben, Bühnendach undicht. Also abwarten. „Jungs, ich hab keine guten Nachrichten!“, sagte Leo. „Die Feuerwehr kommt jetzt und versucht das Dach zu flicken, es sieht so aus, als würde ab 17 Uhr kein Regen mehr runterkommen, aber es kann keiner was versprechen!“. Was eine Nachricht. Wir waren 1200 Kilometer gefahren, es musste irgendwie klappen. Ich versuchte mir meinen Unmut nicht anmerken zu lassen, klappte, sagen wir mal, so mittelmäßig.  „Es regnet nicht wenn wir spielen! Hat es nicht, wird es nicht!“, sagten wir uns. Hatte es auch nicht und sollte es auch nicht.

Zur Not ohne Soundcheck

Um Punkt 17 Uhr klarte der Himmel auf. Die Feuerwehr konnte also anfangen, aber es dauerte. Zwischendurch kam Michi, der Produktionsleiter, zu uns. „Also, ich sag es gerade raus: wir geben alles, die Bühne spielfähig zu bekommen. Ich kann euch nicht versprechen, dass wir es pünktlich schaffen und ihr ’nen Soundcheck machen und spielen könnt.“ – „Dann spielen wir zur Not ohne Soundcheck!“, antworteten wir. Und genau für diese Momente sind sie gut, jeder einzelne Gig mit einer improvisierten Anlage und einem unerträglichen Monitor-Sound. Nicht, weil das gleich auf uns wartete, sondern weil wir wussten, dass wir selbst damit umgehen können.

Alle Hände hoch: The Esprits begeisterten die zahlreichen Besucher als Vorgruppe von Revolverheld. Foto: Ruben „Hophvf“ Wiele

Unvergessliche Bilder

Um Punkt 20 Uhr betraten wir die Bühne. Hinter dem Publikum ging langsam die Sonne unter, was für ein Bild.  Auch an diesem Abend warfen wir alles rein und das Publikum in Wagna gab uns alles zurück. Es ist schwierig, euch diese Bilder zu beschreiben. Deswegen haben wir Hophvf mit dabei. Der schneidet nach den Shows immer schicke Aftermovies, die ihr auf unserer Facebookseite oder bei Instagram findet.  Schaut da auf jeden Fall mal vorbei!
Nach der Show ging es wieder in den Backstage, essen, umziehen und wieder zur Bühne. Voller Euphorie freuten wir uns sehr auf den Gastauftritt, der auf uns wartete.  Und wieder einer dieser Absurden Momente. Wir, aus Braunschweig, mit Revolverheld auf der Bühne – in Österreich.
Nachdem wir uns alle warm gesungen hatten, gaben wir pünktlich um 0 Uhr ein The-Esprits- Revolverheld-Geburtstagsständchen für Leo und gönnten uns ein Stück von der viel zu süßen Torte. Die war echt sehr süß. Nicht zu süß für Ole, aber sehr süß. Danach ging es durch den wieder einsetzenden Regen zurück zum Hotel.

Und jetzt sitze ich hier, kaputt aber glücklich, und hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick geben, in das, was wir so erlebt haben. Wir sehen uns am 21. Dezember im Westand in Braunschweig. Ich zähle auf euch!
Gruß von The Esprits und der Gang – Roman Ritter

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