"Besonnen und nachdenklich" – Szene38
13. November 2018
Konzert-Tipps

„Besonnen und nachdenklich“

Timo Scharf alias SON im Interview – am 30. Dezember live im Wintertheater

Mag keine Weihnachtslieder möchte aber dennoch mit seinen Songs Herzklopfen auslösen: Timo Scharf alias SON. Foto: Undercover.

Unter einem Singer/Songwriter versteht man einen dichtenden Sänger, der einem das Herz mit seinem Gesang, einer akustischen Gitarre oder auch mal gedämpften Klaviertönen zerreißt.

Pur, offen und ehrlich

In der großen, endlosen Musikwelt gibt es seit Bob Dylan und Leonard Cohen viele Künstler die sich in diesem Genre versuchen, einige haben es dabei zu echter Meisterschaft gebracht. Zu den coolen männlichen Protagonisten gehören zum Beispiel Ryan Adams, Kristofer Aström, Sam Beam, Devendra Banhart, Bill Callahan, Father John Misty, Christian Kjellvander, Mark Kozelek, Conor Oberst, Will Oldham oder der viel zu früh verstorbene Elliott Smith. Künstler, die mit ihren puren, offenen und ehrlichen Klängen eine anspruchsvolle Hörerschaft erreichen, die sich nach etwas authentischen fernab der aufgeblasenen Plastik-Pop-Charts-Maschinerie sehnen. Diese kurze Singer/Songwriter-Liste ließe sich nach Belieben noch eine ganze Weile weiterführen, aber richten wir unseren Blick, beziehungsweise unser Ohr, lieber in die Region.

Son, einer der intensivsten Singer/Songwriter der Region

Seit dem Jahr 2014 ist der Braunschweiger Timo Scharf alias SON unterwegs. Als Straßenkünstler bereiste er vier Kontinente und traf Rod Jones, den Gitarristen der britischen Band Idlewild, der ihn als Produzent unterstützte. Mit „Nebraska“ veröffentlichte SON 2016 seine erste EP, im Mai 2018 erschien sein Debütalbum. Der 37-Jährige klingt darauf stark, aber auch verletzlich, traurig, aber auch hoffnungsvoll, melancholisch und zugleich upliftend. Wer SON hört, erlebt ein Wechselbad der Gefühle. Ein Beispiel ist seine eingängig-einfühlsame Single „Sparrows“ – im Video lässt Timo symbolhaft Papierflieger durchs Museum segeln.  Noch besser ist es sich einen der intensivsten Singer/Songwriter der Region selbst anzugucken. Am 30.12.2018, 19:00 Uhr, kann man ihn zusammen mit der Indie-Pop-Band You Silence I Bird, live im Rahmen des Wintertheaters Braunschweig im Spiegelzelt an der Martinikirche erleben. Szene 38 unterhielt sich mit ihm.

Vom Straßenmusiker zum etablierten Singer/Songwriter: SON. Foto: Undercover.

 

Timo, Dein Debütalbum ist Mitte des Jahres erschienen. Wie war die Resonanz und was hat sich seitdem für Dich verändert?

Die Resonanz ist super. Damit meine ich auch, überhaupt von der Presse und der Musikindustrie wahrgenommen zu werden, fühlt sich sehr gut an. Natürlich gibt es auch Reviews, in denen zum Beispiel ein undeutliches Profil an meiner Musik bemängelt wird. Ich fühle mich aber in erster Linie geschmeichelt, dass Leute über meine Musik schreiben. Verändert hat sich für mich, dass ich infolgedessen nun von einem größeren Publikum wahrgenommen werde. Einzelne Songs laufen im Radio und durch die entstandene Zusammenarbeit mit zum Beispiel Undercover, meiner Booking-Agentur, habe ich in diesem Jahr mehrfach die Möglichkeit bekommen, auch auf echt großen Bühnen zu spielen.

Wie würdest Du das Album und die Stimmung in ein paar Worten beschreiben?

Ich würde es sowohl handwerklich als auch inhaltlich als ein sehr „reifes“ Album beschreiben. Die Stimmung ist besonnen und nachdenklich.

Was sind darauf wiederkehrende Themen, die Du in Deinen Songs verarbeitest?

Hm. Ich würde sagen, dass es sich inhaltlich mit den Fragen beschäftigt, die wahrscheinlich für jeden Menschen in den 30ern relevant werden: „Wo komme ich her?“ „Wohin soll die Reise gehen?“ „Was erwarte ich vom Leben?“ – Sowas in etwa.

Wie stark haben Dich Deine Straßenkonzerte und Reisen in verschiedene Länder geprägt und wie spiegelt sich das in Deiner Musik wieder?

Naja, ich würde sagen, dass eine Reise schon oft eine Erweiterung des eigenen Horizonts ist. Je länger man aus seinem gewohnten Umfeld raus ist, desto größer ist der Raum für Selbstreflektion. Ich denke, dass man durchs Reisen charakterlich wachsen kann. Viele Menschen interpretieren dies in die Musik hinein und das möchte ich auch niemandem verderben. Ich würde das eher auf meine Texte und weniger auf den Sound von „An Absence of Colour“ beziehen. Die Straßenkonzerte auf anderen Kontinenten haben mich als Musiker definitiv vor einige Herausforderungen gestellt. Sich mit amerikanischen Straßenmusikern zu messen oder ein Publikum in Asien zu unterhalten, sind wertvolle Erfahrungen, die ich Zuhause ein Braunschweig nicht so ohne Weiteres hätte machen können.

Was ist Dein Lieblings-Weihnachtssong und warum?

Auch auf die Gefahr hin dich hiermit zu enttäuschen, aber ich kann Weihnachtslieder überhaupt nicht ausstehen.

Was war das schönste und was das schlimmste Erlebnis das Du mit Weihnachten verbindest?

Das ist so intim, dass ich das gerne für mich behalten möchte. Allgemein würde ich sagen, dass Weihnachten für mich immer ein sehr emotionales Fest ist.

Was wünscht Du Dir Weihnachten 2019?

Das klingt zwar ziemlich lahm, aber am meisten wünsche ich mir Gesundheit.

Was erhoffst Du Dir vom Braunschweiger Wintertheater und warum machst Du mit?

Ich erhoffe mir, dass es voll wird (haha). Nun, für meine Band und mich wird es die letzte Show unserer Tour und auch die letzte Show des Jahres. Dieses Jahr war für uns das bisher erfolgreichste Jahr und auch ein wirklich aufregender Ritt. Es mit dieser Show, in dieser außergewöhnlichen Location abzuschließen, ist für mich ein absolutes Geschenk. Ich bin sehr stolz, dass wir dort spielen dürfen und freue mich wahnsinnig darauf.

Was kann man von Deiner Show erwarten?

Ich glaube, jeder Zuschauer darf am 30.12.2018 erwarten, absolut großartige Musiker auf der Bühne zu erleben, die einfach tun, was sie lieben und damit Herzklopfen und hoffentlich Gänsehaut auslösen werden.

Was hast Du Dir für die Zukunft vorgenommen?

Weiterhin das zu machen, was ich liebe.

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