Anne Clark, Spoken-Word-Pionierin, in Braunschweig – Szene38
9. Januar 2020
Konzert-Tipps

Anne Clark, Spoken-Word-Pionierin, in Braunschweig

Im Westand kann man dunkle Elektronik-Klassiker wie „Sleeper in Metropolis“ und „Our Darkness“ im November live erleben

Spezialistin für Weltschmerz und Fortschrittskritik: Die britische Elektronik- und Spoken-Word-Ikone Anne Clark. Foto: Holger Orf

Die im Jahr 1960 in Croydon, South London, geborene Anne Clark gilt als eine Pionierin der Spoken-Word-Kunst. Sie arbeitete in der Psychiatrie sowie in einem Plattenladen und bei einem Label. Außerdem veranstaltete Clark Konzerte und Theateraufführungen, experimentierte selbst mit Text und Musik. Eine kreative junge Frau mit viel Poesie, Energie und Punk-Spirit, die Ende der 70er Jahre ihren ganz eigenen künstlerischen Weg ging.

Punk, Elektronik und deutscher Krautrock

Neben Punk, interessierte sich Clark aber auch für elektronische Musik und deutschen Krautrock. Bands wie Tangerine Dream, Neu oder Kraftwerk hatten ihr es angetan. All diese Einflüsse kulmunierten Anfang der 80er Jahre in ihren ersten Veröffentlichungen.

Weltschmerz und Fortschrittskritik: „Sleeper in Metropolis“

1982 erschien ihr unterkühlt-reduziertes Debüt-Album „The Sitting Room“. Bereits 1983 und 1984 folgten die Klassiker „Changing Places“ und „Joined Up Writing“. Die Hit-Single „Sleeper in Metropolis“ (vom Album „Changing Places“) entstand 1983 mit dem Keyboarder David Harrow. Dieser war zuvor Teil der Avantgarde-Band Psychic TV und Spezialist für Synthesizer und Sampler. Der Song fusioniert auf kongeniale Weise nervös-pulsierende Elektronik mit Clarks einzigartigen Sprechgesang. „Sleeper in Metropolis“ ist eine apokalyptische Mischung aus Weltschmerz und Fortschrittskritik: „Love is dead in metropolis. All contact through glove or partition. What a waste. The city. A wasting disease“, heißt es darin.

Zweiter Super-Hit: „Our Darkness“

Auch der finstere Hit „Our Darkness“ aus dem Jahr 1984 (vom Album „Joined Up Writing“) hat bis heute nichts von seiner dunklen Faszination eingebüßt: „Through these city nightmares you’d walk with me. And we’d talk of it with idealistic assurance. That it wouldn’t tear us apart…“, klagt Clark mit ihrem markanten Sprechgesang mit unverkennbaren Cockney-Akzent. Dazu pluckert und pumpt Harrows Keyboard hypnotisch. Beide Songs sind noch immer sichere Tanzflächenfüller bei Partys der „Schwarzen Szene“ – und waren so etwas wie die wegweisenden Vorboten von Techno.

Zusammenarbeit mit vielen Musikerinnen und Musikern

Im Jahr 1985 brachte Anne Clark ihr viertes Album „Pressure Points auf den Markt“. Dafür arbeitete sie diesmal mit John Foxx, Gründer der britischen New-Wave-Legende Ultravox zusammen. Viele weitere facettenreiche Werke folgten bis heute: „Hopeless Cases“ (1987), „Just After Sunset – The Poetry of Rainer Maria Rilke“ (1998), „The Smallest Acts of Kindness“ (2008) oder „Homage – The Silence Inside“ (2018). Die Wave- und Spoken-Word-Ikone entwickelte ihren Stil kontinuierlich weiter, arbeitete mit vielen Musikerinnen und Musikern zusammen. 2018 erschien der Film „I’ll Walk Out Into Tomorrow“ in dem sie tiefe Einblicke in ihre Biografie und ihr Schaffen gab. Anne Clark begeistert seit Jahrzehnten mit tiefgründiger Poesie, existentiellen Lyrics und akustischen Experimenten. All das mit einer Hingabe und Virtuosität, die ihresgleichen sucht.

Bestuhltes Konzert im November 2020 in Braunschweig

Am Dienstag,  17. November 2020, 20.00 Uhr, kann man die britische Poetin im Westand Braunschweig live erleben. Im Rahmen ihrer „Visions Tour 2020“ wird sie ein bestuhltes Konzert geben. Dieses ist auf nur 450 Plätze limitiert! Ihr Konzert in Hannover im Mai 2020 war nach kurzer Zeit bereits ausverkauft. Es empfiehlt sich daher schnell zu sein beim Ticketkauf. Hier gibt es welche: https://www.konzertkasse.de/anne-clark-visions-tour-2020/p562187.html?ReferrerID=98&SubReferrer=szene38.de

 

 

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