Support your local - mit Lieferliste38 – Szene38
27. April 2020
Gastro-Tipps

Support your local – mit Lieferliste38

Die Corona-Krise hat drastische wirtschaftliche Konsequenzen für den Einzelhandel & Co. Viele versuchen, diese Zeit mit Alternativen zu bewältigen.

Bestes Wetter - doch auf dem Braunschweiger Kohlmarkt ist derzeit keine Menschenseele zu sehen. Foto: Archiv

Bestes Wetter - doch auf dem Braunschweiger Kohlmarkt ist derzeit keine Menschenseele zu sehen. Foto: Archiv

Der Coronavirus und die aktuelle Krisenzeit bringen weitreichende Folgen mit sich – und das in allen Bereichen. Viele Existenzen stehen auf dem Spiel. Umso wichtiger ist nun das Credo: „Supoort Your Local“. Nach diesem Motto hat auch die Journalistin Julia Perkowski gehandelt: Als Unterstützung für den lokalen Handel hat sie auf Instagram den Account „Lieferliste38“ eingerichtet. Hier kann jeder nachvollziehen, welche regionalen Läden Online-Bestellungen annehmen oder einen Lieferdienst anbieten. In einem Interview mit Szene38 erzählt Julia, wie sie darauf gekommen ist, was sie sich davon erhofft und was in diesen Krisenzeiten besonders wichtig ist.

https://www.instagram.com/p/B-zMkBnqfO4/

Lieferliste38: Unterstütze vor Ort

Julia, stell‘ dich doch bitte kurz vor.

Hallo, ich bin Julia, auch Julez genannt, Redakteurin und Kopf, Herz und Seele von Lieferliste38 bei Instagram. Wenn ich nicht bei Insta stöbere, baue ich gerade mit meiner kleinen Familie unser Heim aus.

Wie bist du auf die Idee mit Lieferliste38 gekommen?

Ein Kollege aus Österreich brachte mich auf die Idee, dort begann der Lockdown früher. Sein Verlag sammelte auf einer Website alle geöffneten kleinen Shops in Österreich mit Lieferservice, um den Unternehmen dort unter die Arme zu greifen. Ich wollte schnell etwas Ähnliches für die Region bieten als die Geschäfte bei uns so kurzfristig geschlossen wurden – da war Instagram für mich die am schnellsten verfügbare Plattform.

Was möchtest du damit erreichen?

Ich liebe die kleinen inhabergeführten Geschäfte in der Region und die riesige Auswahl an Restaurants. Nach der Krise wäre niemand von ihnen mehr da, wenn alle potenziellen Kunden nur noch bei den großen Händlern im Netz bestellen würden. Ich will den Leuten zeigen, was sie alles um die Ecke bekommen können, was es für tolle Läden in der Nachbarschaft gibt und was für einen großartigen Service sie bieten.

Warum gerade Instagram?

Instagram nutzte ich schon vor Lieferliste38 mehrfach täglich. Da muss ich nicht lange überlegen, wie ich was umsetzen kann oder Zeit verschwenden für Dinge, die am Ende doch nicht funktionieren. Einige Features beherrsche ich wahrscheinlich mittlerweile im Schlaf.

HIER geht’s zum Instagram-Account.

Wen nimmst du alles mit auf? Gibt es spezielle Kriterien?

Die Läden sollten natürlich aus der Region38 kommen – sprich aus Braunschweig, Wolfsburg, Salzgitter, Wolfenbüttel, Peine, Gifhorn und Helmstedt. Viel mehr gibt es erstmal nicht zu beachten. Das Angebot auf Lieferliste38 ist vielfältig: Buchläden, Conceptstores, Restaurants, Gallerien, Supermärkte, Gemüsestände. Auch Hilfsangebote poste ich regelmäßig. Ob es das Sorgentelefon ist, die Nachbarschaftshilfe oder Ansprechpartner für Gelder aus Hilfsfonds.

Zur Umsetzung: Am einfachsten für mich ist es, wenn ich Posts einfach reposten kann und dort schon viele aktuelle Infos verfügbar sind wie die derzeitigen Öffnungszeiten, ob geliefert werden kann oder auch Abholung möglich ist. Ansonsten können mir die Läden auch diese Infos als Foto oder Collage schicken. Aber ein paar mehr Infos als „wir haben geöffnet“ dürfen schon sein.

https://www.instagram.com/p/B_dMil-Knce/

 

Betreust du den Account allein oder hast du Unterstützung? Und erhältst du dafür etwas als Gegenleistung?

Ich verwalte den Account alleine, das kann am Tag zwischen zwei und sechs Stunden in Anspruch nehmen. Dafür bekomme ich nichts außer vielen Nachrichten von Menschen, die das Angebot toll finden, Hilfe suchen oder Hilfe anbieten wollen.

Wie sieht das bisherige Feedback aus? Hättest du mit so einer Resonanz gerechnet?

Ich hätte nie damit gerechnet, dass sich fast 2000 Menschen finden, die dieses Angebot nutzen und damit die kleinen Unternehmen der Region unterstützen. Je mehr Menschen Lieferliste38 und andere Hilfs-Accounts nutzen und darauf aufmerksam machen, desto größer wird die Chance für die kleinen Unternehmen, dass sich neue Kunden finden. Für mich ist das der Teil, den ich persönlich beitragen kann (neben dem wichtigen zu-Hause-bleiben und Kontakte minimieren), um gut durch die Krise zu kommen – ganz nebenbei habe ich dadurch auch weniger Zeit zum Grübeln über diese Pandemie und die Folgen.

Wie lange hast du vor, den Account zu betreiben?

Der Account selbst wird bleiben. Eventuell wird er irgendwann nicht mehr mit neuen Inhalten gefüllt sondern dient mehr der Erinnerungen an diese krasse Zeit. Und vielleicht sorgt dieser Überblick mit den vielen lokalen Shops auch später noch dafür, dass ein weiterer Kunde lieber lokal statt beim großen Internethändler bestellt. Auch wenn ich hoffe, dass die Menschen jetzt umdenken und das Lokale wieder einen höheren Stellenwert bekommt.

Was erhoffst du dir davon?

Die Krise hat so viel verändert. Es wäre schön, wenn wenigstens so viele inhabergeführte Läden in den Städten wie möglich die Krise überstehen und man dort ein bisschen vom „alten Leben“ von vor der Krise wiederfinden kann. Außerdem sind diese Läden die Arbeitgeber so vieler Menschen, die zeitgleich auch Kunden sind. Würden sie arbeitslos würde ihnen das Geld fehlen, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln – ein Teufelskreis. Es hängt also auch sehr viel an den kleinen Läden der Region.

Inwiefern bist du selbst von der Corona-Krise betroffen?

Viele Mitglieder meiner Familie, viele Freunde und auch ich gehören zu Risikogruppe. Außerdem arbeiten viele Freunde derzeit in Kurzarbeit oder wurden entlassen. Eine Freundin betreibt ein Reisebüro, arbeitet gefühlt rund um die Uhr, um ihren Kunden bei Umbuchungen und Stornierungen zu helfen, verdient damit aber keinen Cent und betreut noch ihre beiden Kinder zuhause. Ich bin gerade auf der Suche nach einem neuen Job. Als Redakteurin mit einem kleinen Baby gibt es zu Coronazeiten nicht so viele Angebote, die für beide Seiten passen würden.

Was sind deine Wünsche und Ziele für 2020?

Für die Geschäfte der Region hoffe ich auf möglichst viel Verständnis. Einerseits von den Kunden, die mit Einschränkungen leben müssen, andererseits von Politik und Verwaltung. Damit alle möglichst die Hilfestellung bekommen können, die sie jetzt und auch nach der Krise brauchen.

Mein größter Wunsch für mich persönlich ist, dass ich mit meiner gesamten Familie “wie früher” Weihnachten feiern kann. Gesund, mit vielen Umarmungen und viel Lachen und leicht gequetscht am viel zu kleinen Esstisch sitzend. Und wenn es trotz der Beschränkungen möglich sein sollte, will ich meinem Kind dieses Jahr noch das Meer zeigen.

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