Das Blubbern der Wasserpfeifen – Szene38
18. Juli 2020
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Das Blubbern der Wasserpfeifen

Shisha-Bars bleiben in Niedersachsen wegen Corona weiterhin geschlossen – ein Gespräch mit dem Braunschweiger Betreiber Zeki Bicici von der Face Café Bar Lounge

Schöne bunte Shisha-Welt: Klubs, Diskotheken, Shisha-Bars und ähnliche Betriebe müssen weiterhin geschlossen bleiben. Foto: Michael Mürling/Pixabay

Mit großer Hoffnung hatte der Braunschweiger Zeki Bicici in die Zukunft geblickt. Der Hoffnung, dass die Welle der Corona-Lockerungen nun endlich die Shisha-Bars erreichen würde, also auch ihn und seine Face Café Bar Lounge in der Langen Straße. Nachdem das Land Niedersachsen am Montag ein weiteres Mal die Corona-Regeln entschärft hat, war aber klar: Die Nutzung von Shishas bleibt weiterhin untersagt.  Von Maria Lüer

Große Enttäuschung

Bicicis Enttäuschung ist groß. „Ich fühle mich ungerecht behandelt“, sagt er. „Normale Bars können seit einer Weile wieder öffnen, wenn auch nur unter Auflagen. Im benachbarten Nordrhein-Westfalen etwa dürfen auch längst wieder Shishas an die Gäste verliehen werden – warum also nicht auch in Niedersachsen?“, fragt sich der selbstständige Unternehmer, der auf die spürbare Benachteiligung  seiner Lokalität aufmerksam machen will.

Zeki Bicici von der Face Café Bar Lounge in Braunschweig kämpft um sein Unternehmen. Foto: Maria Lüer

Infektionsgefahr beim Teilen einer Wasserpfeife!?

Woher genau das Verbot für die Shisha-Bars in Niedersachsen rührt, kann sich der 40-Jährige nicht erklären. Auf Anfrage der Neuen Braunschweiger Zeitung verweist das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung auf eine Infektionsgefahr beim Teilen einer Wasserpfeife, die mehrere Anschlüsse für Schläuche hat. „Möglicherweise kann auch im Rauch das Virus übertragen werden, was aber noch nicht sicher ist. Der Gesundheitsschutz der Bevölkerung ist jedoch ein überragend wichtiger Gemeinwohlbelang und auf der anderen Seite sind die Bars durch die Schließung nicht in ihrer Existenz bedroht, da sie Gastronomie und Unterhaltung auch ohne die Wasserpfeifen anbieten können. Es wird laufend geprüft, ob weiterhin verordnete Verbote und Beschränkungen in Anbetracht neuerer Erkenntnisse noch Bestand haben können. Dies hat in der Vergangenheit auch zu den vielen anderen Lockerungen geführt“, heißt es in der Mitteilung.

Bedrohlicher Gewinneinbruch

Bicici darf in seiner Bar zwar Speisen anbieten und Getränke ausschenken, seine Kunden kämen eben jedoch vor allem zum Rauchen. „Wenn ich aber keine Pfeifen anbieten kann, warum sollten sie dann ihre Cola nicht zu Hause trinken?“, meint der Vater von zwei Kindern. Er könne verstehen, dass es strenge Gesetze gibt, um die Corona-Pandemie einzudämmen. „Daran will ich mich auch halten.“ Doch das Verbot gehe ihm an die Substanz. Er spricht von einem bedrohlichen Gewinneinbruch. „Wo soll das Geld für die Miete herkommen, wenn ich keine Einnahmen habe?“ Gleichzeitig müsste er seine Familie ernähren und ebenso an seine Mitarbeiter denken.

Feste Tischplätze und Wasserpfeifen mit Einmal-Schläuchen könnten eine Lösung sein. Foto: Schroederhund/Pixabay

Pfeifen mit Einmal-Schläuchen

Wenn eine Auflockerung beschlossen werde, könnte der Face-Inhaber strenge Hygiene-Regeln befolgen. Anders als etwa Kneipen und Clubs sieht er Shisha-Bars als Orte, an denen sich die Menschen viel besser unter Kontrolle halten. Außerdem ständen in seiner Lounge genügend Wasserpfeifen zur Verfügung. „Damit könnten wir ganz leicht gewährleisten, dass jeder seine eigene Pfeife mit Einmal-Schläuchen bekommt“, sagt er. Ein einmal eingenommener Platz beziehungsweise Tisch dürfte nicht gewechselt werden, die Einhaltung der Abstände wäre überall möglich, die Kontakte zum Personal könnten aufs Nötigste reduziert werden. In eine hochwertige Belüftungsanlage sei schon vor Corona viel Geld investiert worden und natürlich ließen sich die Pfeifen auch nach draußen bringen. Hauptsache, die Shishas können endlich bald wieder qualmen.

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