13. November 2021
Ausgehen

Corona bringt Braunschweigs Clubs in prekäre Lage

Die Clubs in Braunschweig sind mit 2G geöffnet. Doch die Betreiber von Diskotheken fürchten Verschärfungen der Corona-Verordnung wie in Sachsen.

Michael Ehrke und Felix Kolpe engagieren sich im Kuk-BS, dem Trägerverein des Laut Klubs. Foto: Joschka Büchs

Tanzen gehen trotz steigender Corona-Zahlen? Aktuell sind die meisten Clubs in Braunschweig geöffnet, manche von ihnen schon seit einigen Wochen. „Wir sehen, dass die Menschen nun wiederkommen und Lust zu feiern haben“, sagt Tim Lemke, Betreiber von diversen Clubs am Gieseler und Kalenwall, wie dem Schwanensee, 42 Fieber, Lindbergh Palace, dem Brain oder der Eule. Der Betrieb sei gerade erst wieder voll angelaufen, so Lemke. Vergangene Woche ging mit dem „Fieber“ auch der letzte seiner Clubs wieder an den Start.

Das Land Niedersachsen schreibt unabhängig von der Corona-Warnstufe die 3G-Regelung (geimpft, genesen, getestet) vor. In der Praxis haben die Braunschweiger Clubs jedoch bereits auf das 2G-Modell (geimpft, genesen) umgestellt, denn nur so entfallen Masken- und Abstandspflicht. Erst ab Warnstufe 3 müssten Diskotheken schließen.

Clubs mit Maske- und Corona-Abstand nicht vorstellbar

Die Clubs dürfen aber trotzdem nur zur Hälfte belegt sein. Hinzu kommt, dass die Gäste sich mit der Luca-App anmelden müssen. Lemke habe an den Clubtüren abseits von der Kontrolle der 2G-Nachweise jemanden extra dafür abgestellt, der das Einchecken in die Luca-App kontrolliert.

„Clubs mit Maske und Abstand sind nicht zu machen“, sagt Lemke. Das gelte nicht nur unter wirtschaftlichen Aspekten. Solche Regelungen seien bei Feiernden kaum durchzusetzen, auch wegen drohender Strafen durch das Ordnungsamt. Lemke hätte eigentlich lieber unter 3G ohne Maske geöffnet, weil er Ungeimpfte die sich testen lassen nicht ausschließen will.

Personalsuche bei Thekenkräften

Nachgefragt beim Laut, einem Techno- und House-Club in der Hamburger Straße, klingt das ähnlich. „Wir haben einen kleinen Shitstorm in den Sozialen Medien erlebt, als wir 2G eingeführt haben“, sagt Felix Kolpe, der bei dem als gemeinnütziger Verein organisierten Club Kassenwart ist und dort auch als DJ auflegt. Auch er findet feiern mit Maske undenkbar. „Die Menschen gehen ja feiern, weil sie vom Alltag und auch von Corona abschalten wollen, das geht mit Maske nicht“, sagt Kolpe.

Sowohl beim Laut als auch bei den Clubs an der Meile herrscht nach wie vor Personalmangel, vor allem an der Theke. „Während der Schließung ist eine ganze Generation an Thekenkräften verloren gegangen“, sagt Lemke. „Es ist insgesamt einfach mehr Arbeit für weniger Leute“, bestätigt Kolpe.

Angst vor 2G-Modell wie in Sachsen

Mit Sorge blicken die Clubbetreiber nach Sachsen. Dort sind viele Clubs seit Anfang dieser Woche bereits wieder geschlossen. Theoretisch gilt dort 2G mit Masken- und Abstandspflicht. Das ist für die Clubs aber nicht umsetzbar. „Sie riskieren ständig Strafen, weil diese Regelungen unter Feiernden nur schwer zu kontrollieren sind“, sagt Michael Ehrke, der sich im Laut um die Bar kümmert und im Verein die Kunst- und Kultursparte leitet. Mit der 2G-Regelung können die Clubs nach der aktuellen Verordnung in Niedersachsen bis zur Warnstufe 3 geöffnet bleiben. Aktuell gilt noch keine Warnstufe. Doch der letzte Winter hat gezeigt, wie schnell sich die Corona-Lage ändern kann.

Das Laut hat bereits eine schwere Zeit hinter sich. Als nicht-gewinnorientierter Verein mit dem Ziel, elektronische Musik- und Lichtkünstler zu fördern, fiel er bei den Fördergeldern des Bundes durch. Stadt und Land unterstützten den Club. Letztlich hielten 20.000 Euro, die über eine Crowdfunding-Kampagne zusammenkamen, das Laut über Wasser. „Ohne die Unterstützung unserer Gäste und Freunde wären wir nicht mehr hier“, so Ehrke. Nun helfe unter anderem eine Kooperation mit dem Staatstheater weiter, das audiovisuelle Stücke im Club aufführt.

Wenn keine Lösung gefunden wird, könnten viele Clubs dicht machen

Problematisch findet Kolpe das Handeln der Musikverwertungsgemeinschaft Gema in der Krise. Sie berechne ihre Gebühren nach wie vor nach Quadratmeterzahl und Eintrittsgeld, obwohl die Clubs laut Landesverordnung nur zur Hälfte ausgelastet sein dürfen. Das Land Niedersachsen wollte eigentlich Kapazitätsgrenzen aufheben, das Vorhaben wurde jedoch wegen der aktuellen Lage fallen gelassen.

Doch wenn Maske- und Abstand im Club keine Option sind, was bleibt den Diskotheken, wenn sich die Corona-Situation weiter verschlechtern sollte? In Bayern steht zurzeit die Einführung von einem 2G-Plus-Modell im Raum. Damit müssten sich geimpfte und genesene Disko-Besucher testen lassen. „Das ist immer noch besser als Maske- und Abstand im Club“, sagt Kolpe.

Ein erneuter Lockdown für die Clubs könnte dazu führen, das zahlreiche von ihnen dicht machen müssten. „Viele wirtschaftliche Hilfen laufen noch bis Dezember“, gibt Lemke zu bedenken. Wir werden erst im Sommer sehen, wer da noch am Start ist.“

Autor: Joschka Büchs

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